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Brandenburg/Havel Trechwitzer lassen ihre Trecker frei
Lokales Brandenburg/Havel Trechwitzer lassen ihre Trecker frei
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18:05 15.08.2017
Wer traut sich gegen diese Männer anzutreten? Die Trechwitzer Treckerfans sind bereit für das nächste Showrennen am 3. September.
Wer traut sich gegen diese Männer anzutreten? Die Trechwitzer Treckerfans sind bereit für das nächste Showrennen am 3. September. Quelle: Rüdiger Böhme
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Trechwitz

„My self construction“ steht mit roter Farbe auf der Motorhaube geschrieben. Darunter tuckert aufgeregt ein Vier-Zylinder, als würde der Motor nur auf den Startschuss warten. Zwei Jahre schlief der 24-PS-Schlepper Marke Eigenbau in der Scheune. Zum Trechwitzer Treckertreffen lässt Michele Sternsdorf seinen treuen Begleiter wieder frei. „Zündung an – und er kam sofort“, schwärmt der Besitzer, der sich am 3. September wieder auf die Wettkampfbahn traut.

Die Vorbereitungen laufen: Am 3. September steigt das große Treckertreffen in Trechwitz. Bis dahin werden jede Menge Schikanen vorbereitet. Die MAZ hat die Organisatoren besucht.

Die Trechwitzer Lokalmatadoren machen mobil. Gute zwei Wochen vor dem größten und spektakulärsten Aufmarsch von Eigenbau- und Oldtimer-Traktoren in der Region wird geschraubt, getunt und gewienert. Treckertreffen gibt es zwar viele in Brandenburg. Doch keines ist so laut und schmutzig wie in Trechwitz. Auf dem Sportplatz treten Schlepperfans im Wettbewerb gegeneinander an. Hindernisse müssen umfahren, Schlammlöcher gemeistert werden. Wer Angst vor verstaubten Klamotten und Dieselfahnen hat, sollte lieber zu Hause bleiben.

Vollgas auf dem Trechwitz-Ring

Am 3. September wird Vollgas auf dem Trechwitz-Ring gegeben. Auf Brandenburgs berühmtester Treckerrennstrecke werden an die 80 Teilnehmer erwartet. Sie müssen zeigen, wie geschickt sie mit ihren Schleppern alle Schikanen nehmen.

Anmeldungen für das Rennen nimmt Sebastian Gaidecka unter 0162 1002076 entgegen. Interessenten für die Ausstellungsfläche melden sich bitte bei Marco Thiele unter 0177 6111660. Erwachsene zahlen vier, Kinder zwei Euro Eintritt.

Teilnehmer und Aussteller können bereits am Freitag, 1. September, anreisen. Am Sonnabend gibt es ab 20 Uhr den Treckerball im Festzelt. Am Sonntag beginnt das Treckertreffen um 10 Uhr. Start zum Showrennen auf dem Sportplatz ist um 13 Uhr.

Mit dabei ist Helmut Nestler, der auf sein vor 40 Jahren konstruiertes 6-PS-Gefährt, schwört. „Der Motor gehörte zu einer Melkanlage. Die Hinterachse ist vom Wolga. Damit fahre ich heute noch Mist aus“, berichtet der Trechwitzer. Er zeigt auf zwei Keilriemenscheiben aus Holz. Eine treibt die Lichtmaschine an, die andere hält die Hydraulikpumpe auf Trab. Sein Traktor ist ein Paradebeispiel für Improvisationstalent in der DDR.

Konrad Mahler gehört zu den alten Hasen beim Treckertreffen. Quelle: Rüdiger Böhme

Auf die Formel 1 der Landmaschinen freuen sich auch die Robur-Schrauber vom Freizeit- und Jugendverein Trechwitz als Veranstalter des Treckertreffens. Marco Thiele vom Vereinsvorstand steuert ein verrückt getuntes Spaßmobil, dass schon vor zwei Jahren für Aufsehen sorgte. Was aussieht wie ein Höllenauto aus dem australischen Actionfilm „Mad Max“ war ursprünglich ein braver DDR-Laster vom Typ LO 3000 aus der Zittauer Robur-Schmiede in der Sonderausführung „Pritsche lang“.

Holger Meinecke setzt dagegen lieber auf bodenständige Technik wie den Fortschritt ZT 323 A. Der Universaltraktor aus Schönebeck hat praktisch unverändert die Wende überstanden. Nur schneller habe er ihn gemacht, verrät Meinecke. Wie schnell, werden die Besucher im Parcours noch erleben.

Zum großen Showrennen am 3. September werden wieder mehrere tausend Besucher erwartet. „Natürlich sind die Wettbewerbe auch in diesem Jahr wieder die Zuschauermagnete. Andererseits wollen wir den Ausstellern von historischen Traktoren und Nutzfahrzeugen mehr Raum geben. Wer immer etwas Interessantes zu zeigen hat, ist herzlich willkommen“, sagte Vereinsvorsitzender Sebastian Gaidecka der MAZ. Bereits am 2. September sind Besucher zum öffentlichen Treckerball im Festzelt willkommen.

Holger Meinecke rückt mit einem Traktor aus der Fortschritt-Reihe an. Quelle: Rüdiger Böhme

Für die Veranstalter fängt die Arbeit wenige Tage vor dem Spektakel erst richtig an. Das Gras auf dem Sport- und Reitplatz muss gemäht werden. Hindernisse sind aufzubauen und Schlammlöcher zu präparieren. Unterstützung bekommt der Jugend- und Freizeitverein vom Bauhof der Gemeinde Kloster Lehnin. Drei größere Parkflächen werden in der Ortslage ausgewiesen. Dazu gehören Flächen an der Feuerwehr, hinter der Kirche und in der Schmiedestraße. Es wird mit einem Pkw-Aufkommen ähnlich wie bei den berühmten Osterfeuern gerechnet.

Neben dem Showrennen und der Fahrzeugausstellung gibt es einen großen Verkaufsmarkt, der zum Fachsimpeln einlädt. Kinder kommen nicht zu kurz. Es gibt Karussells, Quads und eine Hüpfburg.

Von Frank Bürstenbinder