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Brandenburg/Havel Überfall auf Spielcasino: Bulgarien liefert Verdächtigen aus
Lokales Brandenburg/Havel Überfall auf Spielcasino: Bulgarien liefert Verdächtigen aus
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16:40 25.06.2018
Tatort Spielcasino: In der Steinstraße passierte der Überfall in der Nacht zum 10. November 2013.. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Brandenburg/H

Der Arm der Gerechtigkeit kann lang sein. Fast fünf Jahre nach dem Überfall auf ein Spielcasino hat Bulgarien einen Staatsbürger ausgeliefert. In Brandenburg wird ihm der Prozess gemacht.

Saami K. (26) aus dem bulgarischen Varna arbeitet im Jahr 2013 mit einem etwa zehn Jahren älteren Landsmann auf einer Baustelle in Berlin. Soweit bekannt werden sie dort über Ohr gehauen, also nicht bezahlt.

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Beide Osteuropäer benötigen daher Geld und fassen einen Tatplan. Sie wollen das Spielcasino „Funny World“ in der Steinstraße ausrauben. Am späten Abend des 9. November 2013 setzen sie den Plan in die Tat um.

Casino-Angestellte wird gefesselt

Zunächst verhalten sich die Casinobesucher wie normale Kunden und spielen. Das ändert sich erst, als der letzte Gast das Lokal zu mitternächtlicher Stunde verlässt.

Kurz danach machen auch die beiden Männer aus Bulgarien Anstalten zu gehen. Doch als die Casinoangestellte hinter ihnen die Tür abschließen will, drehen sie sich um und fallen über die Frau her, die sich heftig wehrt.

Die mit einem Brecheisen und einem Schraubendreher ausgerüsteten Männer schubsen die Frau zu Boden und fesseln sie mit einem rot-weißen Absperrband an den Händen, Beinen und am Oberkörper. Einer hält ihr den Mund zu, der andere erbeutet die Einnahmen in Höhe von etwa 1300 Euro sowie den Autoschlüssel.

Flucht im BMW der Angestellten

Einer der Männer entschuldigt sich mit dem Wort „Sorry“, dann wollen sie mit dem BMW 320 Touring fliehen. Doch die Wegfahrsperre hindert sie daran. Also kehren sie zurück. Ihr Opfer muss erklären, wie sie die Sperre lösen können.

Anschließend flüchten beide in Richtung Balkan.Die Kindersitze im Rückraum bauen sie in Polen aus und werfen sie dort auf den Müll.

Mit leichten Gesichtsverletzungen befreit sich die überfallene Frau. Die Polizeiarbeit beginnt. Mit Hilfe der Überwachungskamera und von Fingerabdrücken werden die Räuber überführt. Doch da sind sie bereits in ihrer Heimat.

Der Ältere stellt sich dem Gerichtsprozess

Der Ältere stellt sich freiwillig dem Prozess in Brandenburg/Havel. Das Schöffengericht verurteilt ihn am 16. Juli 2016 wegen Raubes zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten, berichtet Pia Mahlstedt, Pressesprecherin des Amtsgerichts Brandenburg.

In der Berufung habe das Landgericht Potsdam das Strafmaß ein knappes Jahr später auf zwei Jahre und vier Monate reduziert.

Während der geständige und reuige Komplize sich inzwischen mit seinem Opfer sogar auf ein Schmerzensgeld verständigt hat, hält sich Saami K. von Deutschland fern. Er fährt den BMW nach dem Raub noch eine Woche lang in seiner Heimatstadt. Dann entdeckt die bulgarische Polizei den Wagen, schleppt ihn ab und stellt ihn sicher.

Räuber bestiehlt auch die bulgarische Polizei

Der Räuber findet sich damit nicht ab. In der Silvesternacht 2013/14 schleicht er sich auf das Polizeigelände und stiehlt den in Brandenburg geraubten BMW in einer Nacht- und Nebelaktion. Ein Polizist versucht vergeblich ihn aufzuhalten.

In einem Versteck zerlegt Saami K. das deutsche Auto und verkauft die Einzelteile. Die Staatsanwaltschaft versucht – am Ende erfolgreich – den gegen ihn erlassenen Europäischen Haftbefehls zu vollstrecken. Die bulgarische Regierung bewilligt die Auslieferung. Ende Mai trifft der Mann in Deutschland ein.

Angeklagt ist er nun wegen Raubes. Einen Termin in dem Verfahren gibt es nach Auskunft der Brandenburger Gerichtssprecherin noch nicht. Ihren Angaben zufolge ist das Berufungsurteil gegen den Komplizen noch nicht rechtskräftig.

Von Jürgen Lauterbach

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