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Brandenburg/Havel Kliniken in Brandenburg/Havel locken mit Prämien, Parkplatz und Besinnung
Lokales Brandenburg/Havel Kliniken in Brandenburg/Havel locken mit Prämien, Parkplatz und Besinnung
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10:14 21.02.2019
Die Vorboten von den Philippinen. Angelica Romero und Mary Ann Jo Santiago arbeiten seit Mitte September 2018 als OP-Schwestern in der Asklepios Klinik Altona in Hamburg. Nun wartet auch das Fachklinikum auf dem Görden auf Verstärkung aus Fernost.
Die Vorboten von den Philippinen. Angelica Romero und Mary Ann Jo Santiago arbeiten seit Mitte September 2018 als OP-Schwestern in der Asklepios Klinik Altona in Hamburg. Nun wartet auch das Fachklinikum auf dem Görden auf Verstärkung aus Fernost. Quelle: Asklepios Kliniken
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Brandenburg/H

Der Bedarf an qualifizierten Pflegekräfte ist hoch in Brandenburg/Havel, entsprechend wird gekämpft um Krankenschwestern und -pfleger. Da trifft es ein Krankenhaus doppelt, wenn es sich zwar verstärken könnte, an wichtiger Stelle aber Menschen sitzen, die Monate brauchen, um den benötigten Stempel auf ein Blatt Papier zu drücken.

„Wir erwarten im April oder Mai vier bis sechs Pflegekräfte von den Philippinen“, berichtet Daniela Wolarz-Weigel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Asklepios Fachkliniken Brandenburg GmbH.

Etwa zeitgleich mit dem städtischen Klinikum in der Hochstraße bemüht sich der Asklepios-Konzern für seine Krankenhäuser um die bekanntermaßen hoch qualifizierten Krankenschwestern und -pfleger aus Fernost.

Konsulat benötigt fünf Monate fürs Visum

Im Juli 2018 sind am Frankfurter Flughafen die ersten sechs von geplant 450 Intensiv- und OP-Pflegekräften aus den Philippinen angekommen. Die gut ausgebildeten Fachkräfte haben zuvor im Rahmen eines Asklepios-Intensivsprachkurses in Manila neun Monate lang Deutsch gelernt, berichtet Konzernsprecher Mathias Eberenz.

Leider verlaufe die Visa-Vergabe immer noch schleppend. So waren im Juli weitere 14 Pflegekräfte aus der ersten Ausbildungsgruppe schon abreisebereit, um ihre Arbeit in den Asklepios-Kliniken aufzunehmen.

Doch konnten sie nicht mit nach Deutschland fliegen, weil die Erteilung der Visa durch das deutsche Konsulat nicht erfolgte. Es habe Visa-Bearbeitungszeiten von bis zu fünf Monaten gegeben, so Eberenz.

Den Patienten nicht vermittelbar

Das große Krankenhausunternehmen hat deshalb auf eine baldige Verbesserung der personellen und organisatorischen Situation in den deutschen Botschaften gedrängt. Ein entsprechendes Schreiben ging an die Bundespolitik.

Wörtlich heißt es darin: „Es ist keinem Patienten in Deutschland vermittelbar, dass seine Operation oder Behandlung verschoben werden muss oder dass ein Intensivbett nicht betrieben werden kann, weil nicht ausreichend Personal in den deutschen Botschaften im Ausland vorhanden ist, um die Visa des dazu notwendigen Pflegepersonals zeitgerecht zu bearbeiten.“

Extrem harte Bandagen

Nun werden weder die Botschaft noch die Philippinen sämtliche Pflegeprobleme in Deutschland lösen können. Doch jede Entlastung ist willkommen in Zeiten, in denen Kliniken wie das Asklepios Fachklinikum Brandenburg doppelt so häufig wie in früheren Jahren Pflegepersonal ersetzen müssen.

Schwestern und Pfleger haben inzwischen so viel Auswahl, dass sie deutlich häufiger bereit sind, ihren Arbeitsplatz zu wechseln.

„Wir verzeichnen doppelt so schnelle Wechsel, das ist aber nicht nur bei uns so, sondern in allen Krankenhäusern des Landes Brandenburg“, stellt Daniela Wolarz-Weigel fest. Nach ihrem Eindruck wird der Wettbewerb unter den Kliniken inzwischen mit „extrem harten Bandagen“ ausgefochten, um an gut ausgebildete Pflegekräfte zu gelangen.

Prämie für den Arbeitsplatzwechsel

Entschieden sei zwar noch nichts, aber auch ihr Haus überlege inzwischen, die eigenen Stellen in der Pflege mit Wechselprämien noch attraktiver zu machen. So wie das städtische Klinikum Brandenburg das seit etwa zwei Jahren tut. Dort kann bis zu 3000 Euro „Antrittsprämie“ erhalten, wer sich für eine Stelle in der Gesundheitspflege in der Hochstraße entscheidet.

Im Unterschied zur Asklepios-Geschäftsführung sieht Bert Stresow den Wettbewerb um Pflegekräfte in der Stadt „eher marginal angespannter“ als in anderen Regionen. Der Personalleiter des städtischen Klinikums bestätigt: „Die Fluktuation hat zugenommen, die Nachbesetzung von Stellen ist eine größere Herausforderung als noch vor einigen Jahren.“

Eine Verdopplung der Fluktuation könne das städtische Klinikum aber nicht bestätigen. Von 2011 bis 2016 habe der Konzern eine stabile Anzahl an Personalfällen gehabt. Stresow: „Das hat sich in 2017 und 2018 verändert, es wurden in Gänze jährlich etwa 20 Prozent mehr Personalfälle.

Großzügige Zuschläge, kostenfreies Parken

Ein Blick auf den örtlichen Stellenmarkt zeigt, wie umworben Menschen sind, die sich auf die Pflege kranker und alter Menschen verstehen.

Das städtische Klinikum um Beispiel bietet außer der erwähnten Wechselprämie bis zu 36 Tage Urlaub, 80 Prozent Weihnachtsgeld, „großzügige Zuschläge bei ungeplanten Einsätzen“ und „verbindliche Dienstpläne mehrere Woche im Voraus“.

Das benachbarte St. Marienkrankenhaus versucht mit ähnlichen Konditionen und maximal drei Nachtdiensten in Folge zu punkten sowie mit kostenfreien Parkplätzen für Mitarbeiter.

Weniger arbeiten ist immer möglich

Asklepios in Brandenburg bietet wie die anderen tarifliche Bezahlung und eine unbefristete Stelle mit der Möglichkeit, „jederzeit die Arbeitszeit befristet oder unbefristet zu reduzieren“.

Das Caritas-Seniorenzentrum St. Benedikt wiederum macht sich aktuell für Pflegefachkräfte attraktiv, indem es Zusatzurlaub für Schichtdienste und zu den 30 Urlaubstagen noch „drei Besinnungstage im Jahr“ und eine vereinfachte Pflegedokumentation bietet.

Von Jürgen Lauterbach