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Brandenburg/Havel Verbotene Liebe mit 13-Jähriger: Bewährungsstrafe für 31 Jahre alten Mann
Lokales Brandenburg/Havel Verbotene Liebe mit 13-Jähriger: Bewährungsstrafe für 31 Jahre alten Mann
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06:48 04.07.2019
Im Fall des ungleichen Paares aus der Nähe von Brandenburg/Havel war der sexuelle Kontakt verboten. Quelle: dpa
Brandenburg/H

Das Mädchen, eine Schülerin in Brandenburg/Havel, war erst 13 Jahre alt, ihr Geliebter dagegen schon 31. Obwohl der Mann sechsmal Geschlechtsverkehr mit dem Kind hatte, muss er nicht ins Gefängnis. Aus mehreren Gründen bewerten die Juristen die Straftaten als minderschweren Fall.

Das Mädchen und der Mann sind Nachbarn im Jahr 2017, wohnen in der Umgebung von Brandenburg/Havel. Bei mehreren Gelegenheiten merkt der 31-Jährige, den seine Partnerin im Jahr zuvor verlassen hatte, dass das 18 Jahre jüngere Mädchen für ihn schwärmt.

Er kennt das Alter

Er weiß, wie jung die Nachbarin ist, die deutlich älter aussieht und wirkt. Trotzdem lässt er sich auf die Annäherungsversuche der jungen Frau ein, die rechtlich noch ein Kind ist.

An einem Tag im Juli 2017 schläft er das erste Mal in seiner Wohnung mit der Schülerin, Alkohol enthemmt ihn. An fünf weiteren Tagen bis Ende September mündet die ungleiche Beziehung erneut in Geschlechtsverkehr. Die treibende Kraft ist dabei wiederholt das frühreife Kind, wie ein Gericht später feststellen wird.

„Aus Liebeskummer“ ritzt sie sich

Im folgenden Oktober beendet der Erwachsene die Beziehung, die das Mädchen damals trotz seines „Verknalltseins“ als belastend empfindet. „Aus Liebeskummer“ ritzt sie sich.

Die alleinerziehende Mutter des Mädchens erfährt von der sexuellen Beziehung ihrer Tochter. Sie erstattet Anzeige, sodass die Polizei wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes ermittelt und die Staatsanwaltschaft am Ende Anklage vor dem Landgericht Potsdam gegen den einstigen Liebhaber erhebt.

Minderschwere Fälle

Die dortige Jugendkammer verhandelt den Fall aber nicht selbst, weil sie die sechs Taten als „minderschwere Fälle“ einschätzt. Die Potsdamer Richter berücksichtigen dabei, dass das Mädchen zu den Tatzeiten fast 14 Jahre alt war, also an der Schwelle stand, nicht mehr Kind zu sein, sondern schon Jugendliche.

Zudem erkennen die Richter an, dass die heranreifende Frau in den Angeklagten verliebt war, ständig seine Nähe gesucht und ihn nachts auch heimlich aufgesucht hat. Sie wollte die sexuellen Handlungen, mochte seine Erfahrenheit, warf sich ihm in ihrer Unerfahrenheit an den Hals.

Kein Druck, keine Schmerzen

Das Mädchen wollte den Erwachsenen als Partner, war so verliebt, dass sie alle Treffen und sexuellen Erfahrungen ihrem Handy anvertraute, um die angenehme Erinnerung zu bewahren. Offenbar ahnte sie, dass diese Liaison nicht ewig währen würde. Verletzt und traurig war sie trotzdem, als ihr Geliebter den Schlussstrich zog.

In der rechtlichen Bewertung seiner schweren Straftaten sprach zu seinen Gunsten, dass er nie Druck auf das Kind ausgeübt hat, nie grob wurde und der so viel jüngeren Partnerin keine Schmerzen zugefügt hat.

Entwicklung nicht beeinträchtigt

Der geschilderte Fall wurde ans Jugendschöffengericht verwiesen und dort in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. Der Berufsrichter und die Schöffen folgten bei der Urteilsfindung der Voreinschätzung durch die übergeordnete Instanz.

Das inzwischen 15-jährige Mädchen hat die Taten gut verarbeitet, ihre Entwicklung wurde nicht beeinträchtigt, so heißt es im Urteil.

Der spektakuläre Fall Josephine

Der große Altersunterschied erinnert an einen berühmt gewordenen Fall aus dem Landkreis Oberhavel.

Josephine waren mir ihren 14 Jahren etwas älter als die Schülerin in Brandenburg/Havel, als sie im März 2015 freiwillig mit ihrem 32 Jahre älteren Onkel durchbrannte.

Europaweit fahndete die Polizei nach dem ungleichen Liebespaar. Aufgespürt werden die beiden am 10. April auf einem Campingplatz in Frankreich.

Zurück in Deutschland wird das Mädchen auf Betreiben der Eltern und des Jugendamtes in einer Psychiatrie behandelt. Gegen ihren so viel älteren Partner wird ein Kontakt- und Näherungsverbot verhängt.

Das veröffentliche OLG-Urteil finden Sie hier.

Das OLG Brandenburg entscheidet im April, dass keine Kindeswohlgefährdung vorliegt und niemand Josephine die Beziehung zu dem älteren Mann verbieten kann. Das Gericht hebt das Kontaktverbot auf und übt scharfe Kritik an Eltern, Jugendamt und Psychiatrie.

Näheres über diesen Fall lesen Sie hier.

Das veröffentliche OLG-Urteil finden Sie hier.

Dem Angeklagten hielten die Richter zugute, dass er ein Geständnis ablegte. Mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren ist das Jugendschöffengericht an der unteren Grenze der Strafzumessung geblieben.

Der schwere sexuelle Missbrauch eines Kindes ist zwar eindeutig, doch die Richter ließen Milde walten, was nur in minderschweren Fällen solcher Verbrechen möglich ist.

Die Bewährung auf seine zweijährige Haftstrafe verdankt der inzwischen 33 Jahre alte Mann der positiven Sozialprognose seiner Richter. Denn er ist nicht vorbestraft, geht einer geregelten Arbeit nach und lebt in geordneten sozialen Verhältnissen. Mittlerweile mit einer Frau in seinem Alter.

Von Jürgen Lauterbach

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