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Brandenburg/Havel Es fährt kein Bus zur Kanu-EM
Lokales Brandenburg/Havel Es fährt kein Bus zur Kanu-EM
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12:31 12.07.2014
Quelle: V. Maloszyk
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Brandenburg an der Havel

P wie paddeln oder Pech gehabt: Zur Europameisterschaft der Kanuten auf dem Brandenburger Beetzsee fährt kein Bus. Die Haltestelle an der Regattastrecke bleibt bei dem größten Sportspektakel seit Jahren in der Havelstadt außer Betrieb. Die für solche Ereignisse eingerichtete Linie P vom Hauptbahnhof zum Haupteingang der Wettkampfstrecke am Bollmannweg verkehrt nämlich nicht. Sehr zum Verdruss vieler Besucher, denn wer kein Auto hat, muss weit laufen, um zu den Tribünen zu kommen. So, wie Heinz-Ulrich Fuhrmann

„Das ist doch wohl ein Witz hoch drei“, schimpft der Brandenburger. Er war bei der Eröffnung Donnerstagabend und hat vorher einen halbstündigen Fußmarsch von der Seelenbinderstraße absolviert. Der 64-jährige wohnt in der Sankt-Annen-Straße. Die Linie C zum Beetzsee-Center ist keine Alternative für ihn. „Eine ganz schwache Kelle von den Verkehrsbetrieben, die Linie P ist doch sonst immer gefahren“, sagt Fuhrmann. „was ist denn sonst ein wichtiges Ereignis, wenn nicht die EM?“

Stimmt. Fast 600 Sportler aus 40 Nationen paddeln auf dem Beetzsee um Medaillen. Rund 2000 Besucher kamen allein am Donnerstagabend zur Eröffnung. Dutzende Journalisten aus ganz Europa berichten bis Sonntag über die Läufe. Diplomaten, Promis und Sportler treffen sich am Freitag zum Empfang der Nationen. Laut Kanuverband ist die diesjährige EM die größte bisher bei den Paddlern. Doch die Haltestelle an der Regattstrecke bleibt leer.

Sonderlinie rechnet sich nicht

Warum? Haben die Verkehrsbetriebe Brandenburg (VBBr) die Linie P schlicht vergessen? „Nein, sie rechnet sich für uns nicht“, erklärt VBBr-Chef Werner Jumpertz auf Anfrage der MAZ. „Wir haben nicht die Kapazitäten dafür und der Bedarf ist uns so auch nicht mitgeteilt worden“, sagt der Manager. „Die letzten Male, an denen wir die Linie bedient haben, war sie kaum nachgefragt.“ Laut Jumpertz hätten seine Fahrer gerade einmal ein gutes Dutzend Fahrgäste dabei gezählt. „Es kostet nur, wenn wir umsonst unterwegs sind.“

Auf der Regattastrecke ist man darüber, dass kein Bus dorthin fährt. „Wir als Ausrichter finden das natürlich nicht gut“, sagt Matthias Nitsche vom Verein Regattateam Brandenburg Beetzsee. Mit 300 Parkplätzen seien die Abstellmöglichkeiten für Autos zudem begrenzt. „Es gilt hier sonst überall Halteverbot“, warnt er.

Weite Wege zur EM

  • Die Haltestelle Massowburg liegt der Regattastrecke am nächsten.
  • Die Buslinie C (Fontanestraße–Hohenstücken-Nord) verkehrt nur samstags.
  • Abfahrtszeiten in Hohenstücken-Nord 9 Uhr, 10.04; 11.04, 12, 13.04, 14.30, 15.34, 16.34 und 17.23 Uhr.
  • Ab Fontanestraße 8.31, 9.31, 10.31, 11.31, 12.31, 14.01, 15.01, 16.01, 17.01 Uhr. www.vbbr.de/fahrplaene
  • Die Rennen beginnen Samstag und Sonntag jeweils um 9 Uhr.
  • Eintrittskarten in der MAZ-Ticketeria, Tel. 03381/79 66 00.

Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) ist ebenfalls „nicht begeistert“ davon, dass die Regattastrecke vom öffentlichen Personennahverkehr abgehängt ist. „Es hätte mir besser gefallen, wenn die Linie P fahren würde“, sagt sie. „Aber die Verkehrsbetriebe sind eine eigenständige Gesellschaft, sie darf es so entscheiden, wenn es ich nicht anders rechnet.“
Werner Jumpertz verweist indessen auf die Busse der Linie C, die zum Beetzsee-Center fahren. Sie halten auch an der Massowburg. „Von da kann man doch laufen“, sagt der VBBr-Chef, der in seiner Freizeit Vorsitzender des Stadtsportbundes ist.

Erstaunen, Entsetzen, Kopfschütteln

Viele Brandenburger verstehen nicht, dass die bislang größte Kanu-EM nicht mit den Öffentlichen zu erreichen ist. „Ich finde das sehr bedauerlich, denn so ist von vornherein eine große Gruppe der Bevölkerung ausgeschlossen“, kommentiert die Vorsitzende des Seniorenbeirates der Stadt, Renate Schneider, den Umstand. Allein in Brandenburg leben rund 25.000 Rentner.

Auch die Behindertenbeauftragte Katrin Tietz sagt: „Einfach nur schade, denn gerade ältere und behinderte Menschen sind jetzt einfach aufgeschmissen.“

Heinz-Ulrich Fuhrmann, der sich eine Karte für die Endläufe gekauft hat, nützt das jedoch wenig, denn er muss am Samstag wieder weit laufen. Am Sonntag fährt nicht einmal der C-Bus.

Von Hermann M. Schröder

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