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Brandenburg/Havel Vier Huskys nach Brandtragödie im Tierheim
Lokales Brandenburg/Havel Vier Huskys nach Brandtragödie im Tierheim
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10:44 19.12.2018
Die Feuerwehr kümmerte sich am Brandtag um die Tiere. Quelle: Julian Stähle
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Jeserig

Die Ursache für die Brandkatastrophe mit einem Toten am Samstag in Jeserig bei Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark) steht noch nicht fest. „Das Haus ist einsturzgefährdet, das haben Statiker am Montag festgestellt, deswegen können die Kriminaltechniker die Ruine nicht betreten“, sagte am Dienstag Polizeisprecher Oliver Bergholz. Zunächst müsse das Haus abgetragen werden, erst dann könnten Brandsachverständige das Gebäude betreten und die Ursache des Feuers klären. „Das kann Wochen dauern“, so Bergholz. Bei dem Feuer war der 60 Jahre alte Hausbesitzer ums Leben gekommen.

Lichterloh hat am Samstag ein etwa zehn Jahre altes Holzhaus in dem Groß Kreutzer Ortsteil gebrannt. 60 Feuerwehrleute eilten herbei. Für den Hauseigentümer kam jede Hilfe zu spät.

Unterdessen haben vier der fünf Huskys, die der Mann gehalten hatte, im Tierheim Hoher Fläming in Wiesenburg Aufnahme gefunden. „Nach dem fünften Hund suchen wir“, sagt der für Ordnung und Sicherheit zuständige Fachbereichsleiter Jörg Schafföner von der Gemeindeverwaltung Groß Kreutz (Havel). Das offenbar völlig verängstigte Tier ließe sich nicht einfangen, sei aber bereits nahe des Trechwitzer Weges gesehen worden, so Schafföner. Den Tod des Jeserigers nennt er „sehr tragisch“.

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Mario Lindenborn vom Tierheim hoher Fläming betont, dass für die Tiere kein neuer Besitzer, sondern nach dem Erben des früheren Halters gesucht werde. Der fünfte, noch entlaufene Husky wird am Dienstag in Groß Kreutz-Ausbau gesichtet. Tierschützer versuchen ihn über eine Drohne mit Wärmebildkamera zu finden und haben Futterstellen eingerichtet. Das teilt Klaus Kraft von der Haus- und Wildtierrettung Neckertal-Odenwald mit. „Es kann erfahrungsgemäß bis zu drei Wochen dauern, bis man ein Tier wieder eingefangen hat. Wir versuchen erst einmal, den Husky durch die Futterstellen in dem Gebiet zu halten.“ Kameras sollen überwachen, ob der Husky an einer der Futterstellen auftaucht.

Brandtragödie neben Weihnachtsidylle

Die Brandruine – ein Holzhaus – liegt am Ende des Trechwitzer Weges in Jeserig. Dahinter ist freies Feld. Holzschuppen begrenzen das Grundstück. Beißender Geruch liegt über dem Garten. Die Balken des Dachgeschosses sind völlig verkohlt. Rot-weißes Polizeiabsperrband flattert im Wind. Gelbe Warnschilder vor Hunden sind am Zaun und am Haus angebracht. Vor dem Haus liegen die Reste eines großen Nadelbaumes. Der musste gefällt werden, damit die Feuerwehr von einer Drehleiter aus das lichterloh brennende Holzhaus löschen konnte.

Mario Lindenborn vom Tierheim „Hoher Fläming" in Medewitz kümmert sich um die vier Huskys, die beim Brand in Jeserig gerettet wurden. Hier ist er mit zwei der Tiere zu sehen, die sich langsam erholen. Quelle: Josephine Mühln

Nebenan in einem weihnachtlich geschmückten Einfamilienhaus wohnt Lieselotte Voigt. Weihnachtsmannfiguren stehen im Garten. Christbaumkugeln liegen in Tannengrün auf den Fensterbänken. Die Rentnerin ist vor 19 Jahren aus Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen mit ihrer Familie nach Jeserig gezogen. Vor zehn Jahren kam der nun Verunglückte als neuer Nachbar in den Trechwitzer Weg. Der aus Schwaben stammende Mann war Witwer und offenbar ein Eigenbrötler: „Wir hatten keinen Kontakt und haben uns nur gegrüßt“, sagt die 81-Jährige. Sie ist noch sichtlich schockiert. „Die Flammen schlugen hoch aus dem Dach. Es war furchtbar, ganz schlimm“, sagt Lieselotte Voigt. Auch sie, ihr Mann und ihr Sohn fürchteten um Hab und Gut und dass das Feuer auf ihr Haus überschlagen könnte. Doch das konnten die 60 Feuerwehrleute, die zu dem Einsatzort geeilt waren, verhindern.

Schockiert über das Schicksal des Nachbarn

Kaum mehr als den Nachnamen kennt die ältere Dame von ihrem Nachbarn nicht. Warum der so viele Huskys hielt: „Anfangs hat er die Huskys vor Schlitten gespannt. Aber die letzten Jahre nicht mehr. Um die Hunde aber hat er sich immer sehr gut gekümmert“, erzählt Lieselotte Voigt. Dann fügt sie hinzu mit Blick auf das verkohlte Nachbarhaus: „Der hat uns hier was Schönes zu Weihnachten hinterlassen.“ Lieselotte Voigt schüttelt den Kopf: „So schnell ist das Leben ausgelöscht. Eins, zwei, drei ist es weg.“

Die Gemeindeverwaltung sucht nun Kontakt zu Angehörigen aus Baden-Württemberg, die sich um das Grundstück und die Hunde kümmern müssen.

Von Marion von Imhoff

18.12.2018
17.12.2018