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Brandenburg/Havel Vollnarkose im Mittelalter: ein Fall für den Schlafschwamm
Lokales Brandenburg/Havel Vollnarkose im Mittelalter: ein Fall für den Schlafschwamm
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17:52 11.08.2019
Naschmil Pollmann (links) aus Hamburg ist im wahren Leben Anästhesistin und befasst sich in ihrer Freizeit mit mittelalterlicher Medizin, die sie bei Veranstaltungen interessierten Besuchern nahebringt. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

 Wer erwartet hatte, mit dem Besuch der diesjährigen Archäotechnica das Leben und Treiben in einer mittelalterlichen Stadt im Archäologischen Landesmuseum hautnah erleben zu können, der wurde enttäuscht.

Im Garten des Pauliklosters standen nur vereinzelte Stände, die Einblick in alte Handwerkskunst gaben. So konnten Besucher beispielsweise erleben, wie Pergament aus Tierhäuten hergestellt wurde.

Am Wochenende fand im Paulikloster in Brandenburg wieder eine historische Zeitreise bei der Archäotechnica statt. Die MAZ hat die besten Eindrücke in einer Bilderstrecke zusammengestellt.

„Auf den ersten Blick sieht es tatsächlich so aus, als ob dieses Jahr weniger Aussteller dabei wären. Aber dieser Eindruck täuscht, es sind sogar mehr als in den letzten Jahren“, erklärt Museumsdirektor Franz Schopper.

Zwanzig Aussteller

Zwanzig Gruppen mit etwa sechzig Mitwirkenden seien dieses Jahr beteiligt, allerdings seien sie vor allem im Inneren des Klostergebäudes, im Kreuzgang, platziert.

Dort herrscht in der Tat dichtes Gewusel der Besucher. Alte religiöse Musik klingt aus einem Gang. In weißen Klostergewändern treten hier Sonja Utzenrath und Carsten Giesen auf mit ihrem Programm „Veni vide vetera“, was bedeutet „komm, sieh Altes“.

Die beiden wollen ein Bild der Vergangenheit zeigen und dabei dem Publikum vermitteln, dass man alte kirchliche Musik mit derselben Freude singen kann wie moderne Kirchenmusik. Der Applaus gibt ihnen recht.

Die Rolle der Pilger

„Pilger hatten in den Städten des Mittelalters eine wichtige Rolle“, erklären Mai-Britt Wiechmann und Philipp Heil, die in authentischer Pilgerkluft an ihrem Stand sitzen. Die Pilger waren auf die Mildtätigkeit der Bürger angewiesen.

Wer den frommen Männern half, der bekam „Ablass“ und konnte so sein Sündenregister bereinigen, erklären die beiden Historiker.

Mit Drogen getränkt

Naschmil Pollmann weiß viel über Heilberufe im Mittelalter, die damals ein Lehrberuf gewesen seien. Die Anästhesistin aus Hamburg hat ihre Liebe zur Medizingeschichte zum Hobby gemacht und tritt bei der Archäotechnica als Chirurgin Nelleke auf.

Sie erklärt, wie im späten Mittelalter sogenannte „Schlafschwämme“ zu einer wirksamen Narkose eingesetzt wurden. Nachzulesen in der „Wündarzney“, die Heinrich von Pfalzpaint 1460 veröffentlicht hat. Getränkt war der Schwamm mit Drogen wie Opium, Maulbeersaft, Schierling, Efeu und Mandragorawein.

Apotheke von 1474

Als Apothekerin Justina von Attendorn präsentiert Christine Rosemann aus Lübeck das Angebot selbst hergestellter Arzneien und Tinkturen in einer Apotheke von 1474. Aus Galläpfeln, Gummi Arabicum und Eisensulfat wurde damals Tinte hergestellt. In Apotheken wurde sogar Reis, der damals aus Italien kam, in kleinen Mengen teuer verkauft.

Sogenannte Jugendlaubhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bilden den Rahmen für ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege. Teilnehmer demonstrierten im Museumshof einige historische Handwerkskünste, wie beispielsweise die Herstellung von Bleiverglasungen.

Herschel Buchsbaum in historischer Tracht

Mit dem Ergebnis der Archäotechnica ist Fatima Wollgast zufrieden: „Das Interesse der Besucher war groß, das haben mir die Aussteller bestätigt“, sagt die Museumspädagogin erleichtert. „Es war schwierig, Aussteller zum Thema ausfindig zu machen, denn sie sind kaum im Internet zu finden“, berichtet sie.

Wollgast hat seit Oktober 2018 recherchiert. Schließlich sollte die Vielfalt des Lebens in einer spätmittelalterlichen Stadt abgebildet werden, in der es reiche Bürger gab, in der viel Handel getrieben wurde und in der auch jüdische Bürger lebten.

So war mit dem Archäologen und Museumspädagogen Ibrahim Karabed auch ein Jude bei der Archäotechnica vertreten, der als Herschel Buchsbaum in historischer Tracht sehr spannend über jüdisches Leben in mittelalterlichen Städten erzählt hat.

Von Ann Brünink

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