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Brandenburg/Havel Von Baustellen gezeichnet, vom Freund gemalt
Lokales Brandenburg/Havel Von Baustellen gezeichnet, vom Freund gemalt
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19:11 26.01.2018
Ein echter Nothnagel: Für seinen Freund Peter Reck hat der VBBr-Betriebsleiter eine Karikatur zum 60. gezeichnet.
Ein echter Nothnagel: Für seinen Freund Peter Reck hat der VBBr-Betriebsleiter eine Karikatur zum 60. gezeichnet. Quelle: Ruediger Boehme
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Brandenburg/H

Sie verstehen sich blind, jeder weiß, wie der andere tickt. Rolf Nothnagel und Peter Reck kennen sich aus Kindergartentagen. In der Schule trennte sie nur eine Klassenstufe. Bei der Bereitschaftspolizei in Potsdam-Eiche teilten sich die beiden ein Zimmer, die beiden Männer studierten auch gemeinsam in Dresden – Reck an der Technischen Universität Bauwesen, Nothnagel an der Hochschule für Verkehrswesen Maschinenbau für Schienenfahrzeuge. Beinahe gemeinsam kehrten sie nach Brandenburg an der Havel zurück, der eine fing bei der Stadtdirektion Straße, der andere beim Verkehrskombinat an.

Heute ist Reck Fachgruppenleiter für Straßen und Brücken in der Stadtverwaltung, Nothnagel ist Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe Brandenburg – in ihren Funktionen treffen die beiden beinahe im Wochenrhythmus aufeinander. Reck feiert an diesem Freitag seinen 60. Geburtstag, der ein Jahr ältere Freund hat ihn mit einer selbstgezeichneten Karikatur überrascht. Reck ist darauf als Freizeitsportler und Hertha-Fan vor der Jahrtausendbrücke dargestellt, aus seiner Unterschrift wurde in Nothnagels Händen ein Schwan.

„Meine beiden Großväter – Schlossermeister Erich Nothnagel aus der Thälmannstraße und Klempnermeister Wilhelm Leue aus der Schollstraße – konnten schon gut zeichnen, vielleicht habe ich mir etwas abgeschaut. Ich war jedenfalls nie auf einer Zeichenschule, habe mir alles selbst beigebracht.“ Die Großväter hätten ihm auch vorausgesagt, dass ihm sein Talent nützlich sein könne. So kam es auch, während der Armeezeit. Der Politoffizier kontrollierte die Briefe der Rekruten, da stach Nothnagels Schön-Druckschrift heraus – seitdem war er für die Wandzeitungen und die Einsatzpläne zuständig. „Das brachte mir auch den einen oder anderen Sonderurlaub ein.“ Beim Studium hingegen schrammte er knapp am Tadel vorbei: Häufiger malte er nämlich die Pin-up-Girls in aufreizenden Posen aus den Westzeitschriften ab, das fiel negativ auf.

Er zeigt seine Abiturzeitung aus dem Jahr 1976 vom Stahlwerk, seine Karikaturen wurden sorgfältig auf Ormig-Papier vervielfältigt, so mancher fand sich darin mit losen Sprüchen wieder. „Ach, die Herren Dünnblechschweißer!“

Heute zeichnet Nothnagel eher selten, höchstens mal abends vorm Fernseher. Einladungen für Familienfeiern oder Motto-Partys verschickt er schon mal als Karikatur. Für Peter Reck dürfte es ein besonderes Geschenk sein. Sein Gesicht ist bekannt in der Stadt – weil er lieber auf den vielen städtischen Baustellen ist als in seinem Büro, weil er zu Bürgerversammlungen keine Diskussion scheut und auch nach dutzendfach wiederholten Fragen nicht die Geduld verliert. Erstaunt sind alle, die mit ihm zusammenarbeiten, über sein Detailwissen zu allen laufenden und abgeschlossenen Projekten. Wenn er sich nicht ganz sicher wegen einer Zahl oder einer technischen Bezeichnung ist, sagt er, was er für wahrscheinlich hält, schaut in die Akte und ruft umgehend zurück. „Habe mich nicht getäuscht, es ist so wie ich gesagt habe.“ Seine Mitarbeiter in der Bauverwaltung betreuen eigenverantwortlich einzelne Projekte. Wenn es mal hakt, Ärger gibt oder ein Vorhaben unpünktlich beendet wird, nimmt Reck das in der Außendarstellung immer auf seine Kappe, er stellt sich schützend vor sein Team und nimmt seine Fürsorgepflicht ernst.

Das weiß auch sein Vorgesetzter zu schätzen: „Ich arbeite sehr gern mit Herrn Reck zusammen und kann immer auf seine fachliche Meinung vertrauen. Wir sind selten unterschiedlicher Meinung und wenn das mal vorkommt, dann kommen wir doch immer sehr schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Wegen seiner angenehmen Art wird er auch von anderen Kollegen geschätzt“, sagt Bürgermeister Steffen Scheller.

Die Kollegen haben gesammelt, wollen einen Beitrag leisten zum Kauf eines Elektrofahrrades für Reck. Schließlich radelt er beinahe täglich die Strecke von Plaue zur Klosterstraße.

Von André Wirsing

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