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Brandenburg/Havel „Von Damen für Damen“: Stadtmuseum eröffnete mit einem Konzertabend erfolgreich sein Programm
Lokales Brandenburg/Havel „Von Damen für Damen“: Stadtmuseum eröffnete mit einem Konzertabend erfolgreich sein Programm
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11:04 12.01.2020
Mit ihrem Programm „Von Damen für Damen – ein Plädoyer fürs kleine Miststück" gastierten Katharina Burges (links) und Sara Pieper am Samstag im Gotischen Haus. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Erstaunlich viele Männer trauten sich am Samstagabend zu „Von Damen für Damen“ ins Gotische Haus. Und da erlebten sie, wie faustdick es Frauen hinter den Ohren haben können.

Mit „Von Damen für Damen – ein Plädoyer fürs kleine Miststück“ ließen die Brandenburger Künstlerinnen Katharina Burges und Sara Pieper die goldenen 1920er wieder aufleben. Im Rahmen der Sonderausstellung „Enttäuschung, Hoffnung, Sehnsucht“ hatte das Stadtmuseum den Konzertabend zum Jahresauftakt veranstaltet.

„Neuer Stern am Stadtmuseumshimmel“

Bereits eingangs stellte Museumsleiterin Anja Grothe fest: „Das wird ein neuer Stern am Stadtmuseumshimmel“. Denn der charmante Multifunktionsraum im Gotischen Haus in der Ritterstraße war proppevoll. 72 Plätze standen zur Verfügung. Sie waren bis auf den letzten besetzt. Darüber hinaus schauten sich ein paar Besucher die Künstlerinnen sogar stehend an.

Der Vorstoß von Anja Grothe, das Stadtmuseum als Veranstaltungsort weiter zu etablieren, glückte also. Zumal auch das Programm von Burges und Pieper die Zuschauer deutlich mitriss – Männer wie Frauen wohlgemerkt.

Stilecht und überzeugend spielten Burges (links) und Pieper die „Miststücke“. Quelle: Rüdiger Böhme

Ihren stilechten Auftritt hatten die Künstlerinnen schon in den schillernden Charleston-Kleidern. Derart ansehnlich und mit losem Mundwerk begrüßten sie das Publikum. „Jeder hat ja ein Laster“, merkte Pieper an. Da falle der Alkoholkonsum nicht so sehr ins Gewicht: „Wir kommen seit Advent aus dem Glühen nicht mehr raus.“

Mit „Eine kleine Sehnsucht“ nach Friedrich Hollaender starteten sie dann auch gleich ihre Reise in eine Zeit voller Träume. Nach diesem sanften Einstieg ergaben sich die Musikerinnen mehr und mehr der überschäumenden Lebenslust der schillernden 1920er. Das Weib, so zeigte sich, war dabei schön, gerissen und mondän - und der Liebe und den Männern gegenüber sehr aufgeschlossen. „Meine Lippen, sie küssen so heiß. Meine Glieder sind schmiegsam und weich. In den Sternen, ja da steht es geschrieben. Mmh, du sollst küssen, du sollst lieben“, lautet es in „Giuditta“, der Operette nach Franz Lehár.

Die Vamps der Brandenburger Altstadt

Derart musikalisch angestachelt, schaukelten sich die Künstlerinnen immer weiter hoch. Mit theatralischer Mimik und Gestik und zickigem Gebaren gaben die „Miststücke“ ihre Weisheiten zum Besten: „Liebe ist: Erfüllung, Last und Medizin. Denn ein Mann ist Mann und Gott und Kind, weil wir so sehr Hälfte sind. Aber das ist schließlich überall: der erste Mann ist stets ein Unglücksfall“, zitierte Burges Kurt Tucholsky. Und machte klar: „Die wahre Erkenntnis liegt unbestritten etwa zwischen dem zweiten und dem dritten“.

Dabei bewies die diplomierte Opernsängerin wahrlich divenhaftes Können. Allerdings hätte der Raum bei den hohen und lauteren Tönen keine akustische Verstärkung gebraucht. Die Stimmen der Sängerinnen hätten sich auch selbst tragen können. So stieg die Theatralik manchmal beinahe ins Schmerzhafte.

Pieper und Burges zogen in ihrem Programm alle Register. Sie beherrschten die lauten wie leisen Töne, sangen in Englisch und Französisch, spielten E-Piano oder Violine. Sie wagten sich auch an die unvergleichliche Marlene Dietrich und setzten kurz vor Ende mit „Ich weiß nicht zu wem ich gehöre“ noch einmal ein Zeichen: „Ich weiß nicht zu wem ich gehöre. Ich bin doch zu schade für einen allein. Ich weiß nicht zu wem ich gehöre. Ich glaub ich gehöre nur mir ganz allein“.

Mit dem Chanson „I am a vamp“ von Mischa Spoliansky setzte das Duo dann seinen Schlussstrich am Konzertabend. „Wir sind die Vamps der Brandenburger Altstadt“, erklärten Burges und Pieper. „Tragen Sie doch mal etwas dick auf. Damit haben wir ja nicht gespart“, meinten die Künstlerinnen und plädierten an das Publikum: „Trauen Sie sich doch einmal, ein Miststück zu sein!“.

 

Von Antje Preuschoff

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