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Brandenburg/Havel Vor der Saat rollt der Düngerstreuer
Lokales Brandenburg/Havel Vor der Saat rollt der Düngerstreuer
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17:11 07.04.2015
Azubi Kevin Lehmann aus Wiesenburg füllt den leeren Streuer mit neuem Stickstoffdünger.
Azubi Kevin Lehmann aus Wiesenburg füllt den leeren Streuer mit neuem Stickstoffdünger. Quelle: F. Bürstenbinder
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Reppinichen

Stickstoff als „Motor des Pflanzenwachstums“ gilt als wichtigste Düngerform. Die Wurfscheiben des Streuers decken eine Arbeitsbreite von bis zu 36 Metern ab. Ist die Kammer leer, wird Nachschub gebunkert. Dafür sorgt Kevin Lehmann (18), Landwirts-Azubi im zweiten Lehrjahr. Er steht mit einem Anhängergespann bereit, wenn Kollege Key neben ihm einen Zwangsstopp einlegt. Dann werden neue Stickstoffkörner mit Hochdruck durch das Abtankrohr in die Kammer des Streuers befördert.

Nicht nur das auf den Äckern des Landgutes Reppinichen wachsende Wintergetreide bekommt in diesen Tagen eine Düngergabe. Mit steigenden Temperaturen soll in der kommenden Woche mit dem Maisdrillen begonnen werden. Deshalb arbeiten die Feldbauern mit Hochdruck an der Vorbereitung des Saatbettes. Dazu gehört das Streuen von Kunstdünger. Eine zweite Portion gibt es gleichzeitig mit dem Ausbringen der Drillsaat – die so genannte Unterfußdüngung, die neben Stickstoff auch Phosphor enthält.

Das Landgut Reppinichen ist ein reiner Ackerbaubetrieb. Mit einer selbst bewirtschafteten Fläche von rund 5500 Hektar hat sich das zur Lindhorst-Gruppe gehörende Unternehmen zu einem der größten Landwirtschaftsbetriebe in Potsdam-Mittelmark gemausert. Weitere 650 Hektar Land verpachtete das Landgut an zwei Milchviehhalter in Reetz und Werbig. Mais gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen. Auf riesige 2300 Hektar wird die Körnerfucht angebaut. Das sind fast 40 Prozent der gesamten Anbaufläche.

Kühles Wetter auf leichten Böden

Beim Landgut Reppinichen handelt es sich um einen LPG-Nachfolgebetrieb, der zu den fünf Hauptstandorten der Lindhorst-Gruppe im Land Brandenburg gehört. Rechte Hand von Geschäftsführer Dirk Reinkens ist Betriebsleiter Markus Weinholz.
Zu den Angestellten gehören 21 Männer und Frauen. Dazu kommen zwei Lehrlinge. Die Steuern des Betriebes bleiben in der Kommune, auf vier Strecken wird Winterdienst gefahren.
Rund um Reppinichen wird auf überwiegend leichten Böden geackert. Bedingt durch die Höhenlage des Flämings herrscht kühleres Wetter als in anderen Teilen Potsdam-Mittelmarks vor. In 100 bis etwa 150 Metern Höhe hinkt das Pflanzenwachstum deshalb um eine Woche hinterher.
Kritik an der Eigentumskonzentration durch eine Holding hält Geschäftsführer Reinkens für unangebracht: „Wir sind keine Tieflader-Landwirte. Wir beschäftigen Menschen aus der Region und sind mit ihr verwachsen.“

Wird Reppinichen zugemaist? Landgut-Geschäftsführer Dirk Reinkens(40), Chef von 21 Mitarbeitern, hält dieses Szenario für übertrieben. Zum Beispiel würden entlang der Straße nach Reetz Raps und Roggen stehen. Als einer von wenigen Betrieben baue das Landgut Zuckerrüben an, sagt Reinkens. Die Maisschläge würden sich auf die Gemarkungen Hohenlobbese, Görzke, Schmerwitz, Schlaumau, Jeserig und Wiesenburg verteilen. In Reppinichen wird Mais hauptsächlich an der nordwestlichen Grenze zum Truppenübungsplatz angebaut.

Warum überhaupt so viel Silomais? Geschäftsführer Reinkens hält die Pflanze für einen unentbehrlichen Bestandteil der Fruchtfolge. Aber natürlich geht es auch ums Geschäft. In der Nachbarschaft betreibt die zum Steinhoff-Konsortium gehörende Wiesenburger Marktfrucht GmbH eine Biogasanlage. Dort werden 75 Prozent der Maisernte in Strom und Wärme verwandelt. Nur was der Hauptabnehmer nicht braucht, ist für den freien Markt bestimmt. Die Gärreste gehen zurück an den Agrarbetrieb, der damit die Humusbilanz des Bodens aufbessert. Zusammen mit Zwischenfrüchten und neuerdings auch mit Untersaaten in den Maisschlägen.

Die ursprüngliche Idee vom Bau einer eigenen Biogasanlage im Wiesenburger Gewerbegebiet hat das Landgut Reppinichen aufgegeben. Eine Bürgerinitiative hatte 1000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. An einem Fahrsilo inklusive eines Gärrestelagerplatzes in Reetz hält das Unternehmen dagegen fest. Der Bauantrag ist gestellt. Geschäftsführer Reinkens verteidigt das Vorhaben: „Wir wollen den Mais bis zur Vermarktung zentral und kontrolliert lagern.“

Von Frank Bürstenbinder

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