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Brandenburg/Havel Vorbestrafter Ex-Stadtwerke-Chef hat nichts gelernt: Neue Strafanzeigen
Lokales Brandenburg/Havel Vorbestrafter Ex-Stadtwerke-Chef hat nichts gelernt: Neue Strafanzeigen
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18:19 10.04.2018
Wolfgang-Michael Schwarz ist Ende 2014 wegen seiner Vergehen bei den Stadtwerken in Untersuchungshaft genommen worden. Quelle: Christian Griebel
Brandenburg/H

Michael Schwarz scheint nichts gelernt zu haben aus seiner kriminellen Vergangenheit. Statt im August ein freier Mann zu sein, erwartet den ehemaligen technischen Geschäftsführer der Stadtwerke Brandenburg nun ein neuerliches Ermittlungsverfahren. Strafanzeigen wegen Diebstahls und Betrug sind bereits gestellt.

Damals mehr als eine Million Euro Schaden

Doch der Reihe nach: Am 27. Juli 2015 wird Schwarz zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren vorm Landgericht Potsdam verurteilt, weil er sich in 74 Fälle der schweren Untreue gegenüber den Stadtwerken sowie in 49 Fällen der gewerblichen Bestechlichkeit schuldig gemacht hatte. Insgesamt war damals dem Unternehmen ein Schaden von weit mehr als einer Million Euro entstanden. Von November 2016 bis Ende Januar 2017 saß er in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal (Baden-Württemberg). Dann kam er in den offenen Vollzug, weil er eine feste Arbeit nachweisen konnte.

Öffentlich bestellt und vereidigt

Die beiden ehemaligen Arbeitgeber von Michael Schwarz sind öffentlich bestellte und vereidigte Gutachter für Elektrotechnik im nördlichen Schwarzwald sowie in Berlin.

In dieser Funktion erstellen sie unter anderem Gutachten für die öffentliche Hand und treten in Gerichtsprozessen als Sachverständige auf.

Beide wollen im Zusammenhang der Berichterstattung über Michael Schwarz nicht öffentlich genannt werden, sie haben auch ihm gegenüber betont, dass sich ihre Tätigkeit ausschließlich im Rahmen der Gesetze bewegt.

Der MAZ liegen allerdings die vollständigen Personalien sowie der Schriftverkehr zur Kündigung von Michael Schwarz vor.

Angestellt war er beim Sachverständigenbüro A. in Berlin. „Er hatte zugesagt, dass er Kunden und Aufträge mitbringen würde, was sich als nicht richtig herausstellte, ich hätte ihn nicht kostendeckend beschäftigen können.“ Also vermittelte A. den Schwarz an den Gutachterkollegen K. im Schwarzwald. K. und Schwarz hatten vor 32 Jahren zusammen in Dresden Elektrotechnik studiert, „Ich hatte geglaubt, wir seien Freunde und ich wollte ihm helfen“, sagt der Kollege aus dem Südwesten der Republik. Er wollte so etwas wie die zweite Chance bieten.

Gegen Freigang-Auflagen verstoßen

Doch nun hat er den Berliner Kollegen gebeten, Schwarz zu Ostern fristlos zu kündigen, was auch geschah. Schwarz soll bei der Arbeitszeitabrechnung betrogen, gegen Freigang-Auflagen verstoßen und seinen Auftraggeber bestohlen haben. Mehrfach. So soll sich Schwarz beispielsweise mit gestohlenen Firmendaten bei einer Ausschreibung beworben und einen massiv geschönten Lebenslauf verfasst haben.

An seinem letzten Arbeitstag soll er vom Firmencomputer im Schwarzwald komplette Adressen-, Kunden- und Projektlisten illegal heruntergeladen haben. K. kam Schwarz über den Dateiverlauf am Rechner auf die Schliche. „So groß war sein PC-Wissen nicht, dass er seine Spuren hätte verwischen können. Er konnte in seiner Arbeit noch nicht einmal die Ergebnisse korrekt in einer Excel-Tabelle darstellen“, sagt der enttäuschte Studienfreund.

Auch der Berliner A. hält das Verhalten von Schwarz für „zutiefst geschäftsschädigend und unredlich“, deshalb habe er sofort eingewilligt, dem Mann zu kündigen. „Wir haben beide viel Zeit und Geld investiert, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Was bleibt, ist riesengroße Enttäuschung.“ Er sei damals extra nach Karlsruhe gefahren, um für S. Freigangslockerungen zu erreichen. Häftlinge im offenen Vollzug dürfen normalerweise nicht mit dem Auto fahren, Schwarz war aber darauf angewiesen, um arbeiten zu können.

Sogar ein neuer Dienstwagen war bestellt

Der Berliner A. hat ihm sogar einen nagelneuen Audi A 4 nebst Messgeräten und Ausrüstung bestellt. Dann bekam er mit, dass er nicht nur von seinem Kollegen K. um die Entlassung gebeten worden war, sondern dass sich Schwarz zwischenzeitlich schon wieder mit gestohlenem Firmenwissen bei einem dritten Sachverständigen heimlich beworben haben soll.

Nun bleibt A. auch noch auf den Leasing-Stornokosten von annähernd 9000 Euro sitzen. „Ich unterstütze die Strafanzeigen meines Kollegen voll und ganz. Wir haben einen Eid geleistet. Ich habe von Anfang an Schwarz klargemacht, dass es nur eine Grundlage für unsere gemeinsame Arbeit geben kann – nämlich Recht und Gesetz. Daran hat er sich offensichtlich nicht gehalten.“

Der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer Andreas Dielitz hatte sich 2015 darauf eingelassen, nur drei statt fünf Jahre Haft auszusprechen. Der Grund für die Milde damals: Schwarz war nicht vorbestraft und (vermeintlich) reuig mit einem umfassenden Geständnis. Diese Entlastungskriterien dürften in einem neuerlichen Verfahren allerdings keine große Rolle mehr spielen.

Von André Wirsing

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