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Brandenburg/Havel Warum der Schulanfang so gefährlich ist
Lokales Brandenburg/Havel Warum der Schulanfang so gefährlich ist
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13:54 31.07.2019
Am Montag geht die Schule wieder los. Das verlangt gerade vor Grundschulen die erhöhte Aufmerksamkeit von Auto- und Lkw-Fahrern. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Der erste Schultag nach den Sommerferien naht. Die Brandenburger Polizei mahnt alle Erwachsenen zu besonderer Vorsicht und Rücksicht im Straßenverkehr, wenn es am 5. August wieder losgeht mit der Schule. Polizeihauptkommissarin Peggy Wölk beantwortet wichtige Fragen zum Schulstart am nächsten Montag.

152 Schulwegunfälle

Peggy Wölk, Leiterin des Führungs- und Revierdienstes in der Polizeiinspektion Brandenburg, liegt die Verkehrssicherheit für Schulkinder besonders am Herzen.

Die Polizeihauptkommissarin ist seit 1997 Polizistin und war vor ihrer derzeitigen Tätigkeit Wachdienstführerin am Standort Potsdam und danach Dienstgruppenleiterin in Brandenburg/Havel.

In der Stadt Brandenburg/Havel und der Umgebung hat es im vergangenen Jahr 14 Schulwegunfälle gegeben, bei denen acht Kinder verletzt wurden. Im westlichen Teil des Landes Brandenburg waren es sogar 152 Schulwegunfälle und 85 verletzte Kinder.

Peggy Wölk, Leiterin des Führungs- und Revierdienstes in der Polizeiinspektion Brandenburg. Quelle: Thomas Wachs

Kontrolliert die Polizei zum Schulanfang verstärkt vor Schulen?

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Peggy Wölk: Die Polizei wird in den kommenden Tagen und Wochen die Kontrollen vor Schulen intensivieren. Mit gezielten Angeboten, auch unter Einbeziehung der Kinder, wollen wir Auto- und Radfahrer sensibilisieren.

Bitten Sie zur Kasse?

Nicht nur. Wir werden auch jene anhalten, die sich vorbildlich verhalten, um sie für ihre Umsicht zu loben. Aber wer trotz klarer Beschilderung und deutlich erkennbarem Gefahrenschwerpunkt die Temporegeln nicht einhält, den ermahnen wir. Wenn nötig, erheben wir Verwarn- oder Bußgelder.

Warum ist der Schulanfang so gefährlich?

Viele der Sechs- und Siebenjährigen sind gerade in den ersten Tagen noch sehr aufgeregt, da viele neue Eindrücke auf sie einströmen, die verarbeitet werden wollen. Daher ist es unsere Aufgabe, in dieser Zeit besonders auf diese Verkehrsteilnehmer acht zu geben, um die Kinder nicht zu gefährden. Jedes verletzte Kind ist eins zu viel.

Kinder nehmen Verkehr anders wahr

Was ist zu beachten außer Tempo 30 vor vielen Kindergärten, Horteinrichtungen und Schulen?

Bei den Kleinen muss man immer damit rechnen, dass sie anders oder auch gar nicht wahrnehmen, was im Verkehr geschieht. Was uns Erwachsenen im Alltag nicht mehr auffällt, kann für Kinder sehr gefährlich werden. Wir müssen immer daran denken, dass Kinder Geschwindigkeiten von Auto-, aber auch Radfahrern nicht richtig einschätzen können und sich schnell durch andere spannende Sachen in der Umgebung ablenken lassen. Also besondere Vorsicht!

Wie sollen kleine Kinder bei einem solchen Durcheinander vor ihrer Schule noch den Überblick behalten? Quelle: Rüdiger Böhme

Wo lauern besondere Gefahren?

Es gibt einige Klassiker, die wir Erwachsenen mit unserer Erfahrung und Routine nicht als Gefahren wahrnehmen. Das fängt bei den kleinen und großen Hindernissen am Fahrbahnrand an, die Kindern die Sicht auf die Straße verdecken. Ich spreche von Fahrzeugen, die parken oder auch mal in der zweiten Reihe abgestellt werden, etwa von Lieferanten und Paketzustellern. Schwierig für Kinder können aber auch Schuttcontainer, hohe Pflanzen oder Stromkästen sein. Oder der Schulbus.

Der Schulbus?

Gemeint ist der Schulbus, aus dem Kinder aussteigen und dann hinter ihm auf die Straße laufen, ohne den Verkehr auf der anderen Fahrbahnseite zu beachten.

Vorbereitung auf den Schulweg

Was können Eltern tun?

Solche typischen Gefahren sollte man mit seinem Kind geduldig und sensibel durchsprechen. Außerdem ist die Vorbereitung auf den Schulweg wichtig. Sie gibt Kindern Sicherheit und Selbstvertrauen.

Worauf soll man vorbereiten?

Ich empfehle, den Schulweg gemeinsam mit dem Kind festzulegen und diesen mehrmals gemeinsam abzulaufen. Kindern ist es so möglich, reale Verkehrsbedingungen für ihren täglichen Weg kennenzulernen und wichtige Verhaltensweisen und Regeln zu verinnerlichen.

Keine gute Idee: mit Fahrrad zur Schule

Gibt es den perfekten Schulweg?

Wir dürfen den Schulweg nicht aus der Erwachsenenperspektive betrachten. Uns mag es immer wichtig sein, den schnellsten Weg zu finden. Für den Schulweg gilt aber: Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste!

Was halten Sie von fahrradfahrenden Schulkindern?

Ich rate davon ab, Kinder in diesem Alter allein mit dem Fahrrad zur Schule zu schicken. Grundsätzlich sollten Kinder ihr Rad erst völlig sicher im Straßenverkehr beherrschen. Die Komplexität und die Gefahren des Straßenverkehrs können erst ab einem gewissen Alter vollständig verarbeitet werden. Meine Meinung: erst die Fahrradprüfung in der vierten Klassenstufe abzuwarten.

Kinder ahmen Eltern nach

Was ist sonst wichtig?

Nicht zu vergessen, dass Kinder ihre Eltern nachahmen. Eltern stellen somit immer ein Vorbild für kleine Kinder dar. Also sollte jeder von uns als Fußgänger auf richtiges und ordnungsgemäßes Verhalten im Straßenverkehr achten.

Wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, sollten sie immer gucken, ob ihr Kind richtig angeschnallt ist und der zwingend erforderliche Kindersitz richtig befestigt wurde.  

Von Jürgen Lauterbach