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Brandenburg/Havel Was vor dem mutmaßlichen Mordversuch bei Michelsdorf passierte
Lokales Brandenburg/Havel Was vor dem mutmaßlichen Mordversuch bei Michelsdorf passierte
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17:37 06.01.2020
Ungefähr an dieser Stelle kam der Unfallwagen links von der Landstraße ab und prallte gegen einen Baum. Das Auto auf diesem Foto hat mit dem geschilderten Geschehen nichts zu tun. Quelle: Jacqueline Steiner
Brandenburg/H

Was bringt einen Familienvater dazu, das Auto mit der eigenen Ehefrau auf dem Beifahrersitz gegen einen Straßenbaum zu lenken? Der wegen versuchten Mordes vor dem Potsdamer Schwurgericht angeklagte 37 Jahre alte Mann aus Kloster Lehnin hat dafür bei seinen Vernehmungen Angaben dazu gemacht.

Soweit bekannt streitet der gelernte Elektriker ab, dass er seine fünf Jahre jüngere Frau am 6. August auf der Landstraße zwischen dem Kloster Lehniner Ortsteil Michelsdorf und Golzow mit seinem Fahrmanöver umbringen wollte.

Wespe im Wagen

Eine Wespe in seinem Polo hat nach seinen Angaben den Verkehrsunfall an dem heißen Sommertag ausgelöst. Er habe das Insekt verjagen wollen und sei dabei von der Straße abgekommen, sodass der Wagen gegen einen Baum am Straßenrand prallte.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft schenkt dieser Darstellung keinen Glauben. Nach den Ermittlungen der vergangenen Monate ist sie überzeugt, dass der 37-Jährige seine Frau ermorden wollte, weil sie an der Trennung festhielt und nicht zu ihm zurückkommen wollte.

Der Zusammenprall

Wie berichtet soll der Fahrer des VW Polos in Mordabsicht den Polo auf einen Straßenbaum zu gesteuert und das Lenkrad dann losgelassen haben. Seiner Frau gelang es, ins Lenkrad zu greifen und diesen Zusammenstoß zu verhindern.

Allerdings prallte der Wagen gegen einen weiter entfernt stehenden Baum. Fahrer und Beifahrerin wurden verletzt. Die Frau äußerte gleich nach dem Unfall mehrfach ihre Überzeugung, dass er sie bei dem Unfall habe töten wollen.

Paar mit zwei Kindern

Der zuständige Staatsanwalt hält diesen Verdacht für so plausibel, dass er den 37-Jährigen wegen versuchten Mordes angeklagt hat. Er stützt sich unter anderem auf die familiäre Vorgeschichte.

Das Paar aus Kloster Lehnin wohnte seit fast zehn Jahren zusammen. Gemeinsam haben die beiden zwei Kinder, sieben und drei Jahre alt. Geheiratet haben sie im Jahr 2017.

Doch seit etlichen Jahren gibt es in der Partnerschaft immer wieder Streit. Die Frau fühlt sich von ihrem Partner oft allein gelassen mit den Kindern. Sie nimmt ihm übel, dass er sich mehr um sein Hobby, die Jagd, kümmert als um die Familie.

Streit und Ärger

Ärger wegen der beengten Wohnverhältnisse kommt hinzu. Die Zeugin leidet zunehmend, bekommt sogar Angstanfälle. Im vergangenen März nimmt sie sich ein Herz. Sie zieht aus und nimmt den älteren Sohn mit.

Ihr Mann findet sich mit der neuen Situation nicht ab, will seine Frau zurück. Er redet auf sie ein, ändert sogar sein Verhalten. Umstimmen kann er die 31-Jährige dennoch nicht. Sie nimmt sich wenig später eine eigene Wohnung.

Der Handwerker lässt auch dann nicht locker, hilft seiner Partnerin sogar in der neuen Wohnung. Mit den beiden Kindern als Trümpfe in seinem Ärmel glaubt er, sie zurückgewinnen zu können. Offenbar versucht er auch, Schuldgefühle in ihr zu wecken, und droht am Ende sogar mit Selbstmord.

Verzicht auf die Jagd

Immer wieder sucht er den Kontakt zu seiner Frau, verzichtet auf die Jagd, unternimmt etwas mit den Kindern.

Doch an ihrer Grundhaltung ändert sich nichts. Sie ist nicht zur Rückkehr zu bewegen. Nicht mit Freundlichkeit, nicht mit Druck und auch nicht mit einer Nebenbuhlerin.

Am Vormittag vor dem mutmaßlichen Mordversuch unternimmt der Familienvater einen erneuten Anlauf, seine Frau umzustimmen. Er hat sich Urlaub eingereicht, um seinem Ziel näher zu kommen, und Vorwände geschaffen, um den Tag mit ihr zu verbringen.

Nicht umzustimmen

In einem Waldstück bei Lehnin redet der Angeklagte in bekannter Weise auf seine Frau ein, während beide in dem Polo die Waldwege entlang fahren. Sie lässt ihn reden, sich aber nicht erweichen.

Nach mehr als einer halben Stunde steuert der Jäger den Polo aus dem Wald hinaus und biegt in die Landstraße 86 in Richtung Golzow ein. Wenige Minuten später haben beide Insassen den Straßenbaum vor Augen. Sekunden später folgt der Aufprall.

Die Frau bringt sich schwer verletzt in Sicherheit. Ihr Mann wird am Tag darauf verhaftet.

Verteidiger widerspricht Staatsanwalt

Der Verteidiger des beschuldigten Mannes hält die Anklage für vorschnell erhoben. Sven-Oliver Milke: „Der Staatsanwalt hat die von ihm selbst angeforderten und ausstehenden Ermittlungsergebnisse der Sachverständigengutachten nicht abgewartet.“

Der Ankläger stützt sich nach Auffassung des Verteidigers auf ungesicherte Aussagen der Ehefrau. Milke zufolge stellt die Glaubhaftigkeitsgutachterin jetzt nach der Anklageerhebung fest, dass die Ehefrau „oberflächlich und eher situationsangepasst mit wahrheitsgemäßen Angaben umging“.

Von Jürgen Lauterbach

Es sah aus wie ein Unfall am 6. August 2019 auf der Landstraße zwischen Michelsdorf und Golzow im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Nach Überzeugung des Staatsanwalts war es aber versuchter Mord. Er beschuldigt einen Mann aus Kloster Lehnin.

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