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Brandenburg/Havel Wassersport kommt schleppend in Gang
Lokales Brandenburg/Havel Wassersport kommt schleppend in Gang
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13:28 23.07.2017
Wetterfeste Beamte: Polizeiobermeister Florian Duderstadt (l.) und Polizeihauptmeister Fred Müller im Schnellboot auf dem Silokanal.
Wetterfeste Beamte: Polizeiobermeister Florian Duderstadt (l.) und Polizeihauptmeister Fred Müller im Schnellboot auf dem Silokanal. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Schwimmer in der Fahrrinne? Riskant, aber nicht verboten. So wie zum Beispiel das Baden im Silokanal oder das Springen von Brücken und Schleusen. Trotzdem macht sich Conrad Helmcke Sorgen. Der Bootsführer aus Pritzerbe hat auf der Havel bei Tieckow heikle Situationen miterlebt. Immer wieder beobachtet er Leute, die von einem Ufer zum anderen kraulen. „Wer ist schuld, wenn etwas passiert“, fragt sich der erfahrene Skipper.

Kein Donnerwetter, sondern einen guten Rat gibt es für diesen Hausbootfahrer, weil er sein Boot am Plauer Bornufer nicht korrekt befestigt hat. Quelle: JACQUELINE STEINER

An Bord von Schnellboot WSP 96 sucht Florian Duderstadt mit einem Fernglas die Untere Havel ab. Für den Polizeiobermeister ist die Sache klar: „Grundsätzlich trägt der Bootsführer die Verantwortung. Er muss seinen Kurs im Blick haben. Ebenso gut kann plötzlich Treibholz oder eine losgerissene Schilfinsel vor dem Bug auftauchen.“ An diesem Nachmittag ist niemand zwischen Briest und Tieckow im Wasser. Kein Wunder. Es regnet. Wieder einmal. Das erste Ferienwochenende reiht sich nahtlos an die verkorksten Vorwochen. Duderstadts Kollege Fred Müller zieht schon mal ein Fazit: „Auf Brandenburgs Seen kommt die Wassersportsaison nur schleppend in Gang.“

Für Wasserwanderer gibt es kein schlechtes Wetter. Quelle: JACQUELINE STEINER

Was macht die Wasserschutzpolizei, wenn es auf dem Plauer See schüttet? Dann verdrücken sich Hausboote in Buchten, bleiben Segler im Hafen, spielen Jet-Ski-Fahrer mit den Beamten nicht mehr Katz und Maus. Aber es gibt die Berufsschifffahrt. Die kennt kein schlechtes Wetter und kein Sonntagsfahrverbot. Alles, was von West nach Ost will, muss durch Brandenburg. „Wir haben immer zu tun. Ladung, Papiere, Sicherheit – Regen hält uns von Kontrollen nicht ab“, sagt Polizeihauptmeister Müller. Für den Brandenburger ist es nach 38 Jahren auf dem Wasser die letzte Saison in Uniform. Dann geht der Polizist in den Ruhestand.

Die Berufsschiffahrt ist auch an den Wochenenden zwischen Wusterwitzer Schleuse und Silokanal unterwegs. Quelle: JACQUELINE STEINER

Auf dem Plauer See begegnen Motorschiffe normalerweise vielen Freizeitbooten. Wird sich nicht an Regeln gehalten, kann es ungemütlich werden. Nicht immer geht es bei Fehlverhalten um Verwarngelder. Die Beamten ermahnen, beraten und helfen auf dem Wasser. Kein Tag ist gleich. Polizeiobermeister Duderstadt liebt die Abwechslung zwischen Routine und Anspannung, wenn die Zentrale zum Einsatz ruft. Ausgerüstet mit einem 100-PS-Motor kann das Polizeiboot flott unterwegs sein. Trotzdem wird im Notfall eine Fahrt von Radewege nach Wusterwitz zur Ewigkeit. Mit der Sonne kehrt die Lust auf’s Wasser zurück. Bei 22 Grad Wassertemperatur wird wieder gebadet. Zur Flussmitte wagt sich niemand.

Die Papiere bitte: Wer augenscheinlich zu flott unterwegs ist, muss mit einer Kontrolle rechnen. Quelle: JACQUELINE STEINER

Duderstadt und Müller stoppen bei Krahnepuhl ein augenscheinlich zu schnell fahrendes Motorboot. Am Ende muss der Bootsführer ein Verwarngeld zahlen, weil er nur die Kopie des Registrierscheins vorweisen kann. Ein Zwischenstopp gibt es am Plauer Bornufer. Ein Freizeitkapitän hat sein Hausboot an einem Dükerschild festgemacht. „Das geht gar nicht“, klärt ihn Polizist Duderstadt auf. Zum Ankern haben Hausboote Festmachstangen an Bord. Natürlich dürfen die Poller an der Kaimauer genutzt werden. Im Silokanal ziehen Jetski-Fahrer ihre Kreise. Sie gehören zu einem Motorschiff. Trotzdem verboten. Erlaubt sind nur sogenannte Wanderfahrten mit klar erkennbarem Geradeauskurs. Auch ein Fall für die Wasserschutzpolizei an einem Wochenende mit Achterbahnwetter.

Von Frank Bürstenbinder