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Brandenburg/Havel Weihnachtsklänge im Schatten von St. Gotthardt
Lokales Brandenburg/Havel Weihnachtsklänge im Schatten von St. Gotthardt
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18:35 02.12.2018
Weihnachtliches Markttreiben auf dem Gotthardtkirchplatz – mit Musik von „BlechLabor Brandenburg“.
Weihnachtliches Markttreiben auf dem Gotthardtkirchplatz – mit Musik von „BlechLabor Brandenburg“. Quelle: Jacqueline Steiner
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Brandenburg/H

„Mäh, mäh, mäh“ ruft ein kleiner Junge immer wieder. Doch die Schafe auf dem Kunst- Handwerker-Weihnachtsmarkt, den die Galerie Sonnensegel alljährlich veranstaltet, nehmen es philosophisch-gelassen und kauen weiter stumm herum. Die Tiere stammen vom Skuddenhof in Weseram und sind zum zweiten Mal zu Gast. Die Schafe gehören Katja Behling und machen Werbung für die Schafwollprodukte, die die Landwirtin anbietet. Vor allem für Kinder sind sie ein Anziehungspunkt.

Mit zahlreichen Aktionen ist der Weihnachtsmarkt auf dem Neustädtischen Markt am Samstag offiziell eröffnet worden. Eine historische Straßenbahn drehte ihre Runden, der Weihnachtsmann war dabei.

Milena Borkowski, zwei Jahre alt, ist ganz fasziniert von den wolligen Tieren. Doch streicheln will das kleine Mädchen die Schafe lieber nicht, auch wenn ihre Mama sie fest im Arm hält. „Das ist alles sehr aufregend für Milena“, erklärt die Mutter, „dieses Jahr erlebt sie die Vorweihnachtszeit zum ersten Mal bewusst mit.“

Nach einem eher ruhigen Start am Samstag füllte sich der Platz zwischen der Galerie und der Kirche zum späten Nachmittag mehr und mehr. Neben Kunsthandwerk gab es Musik, Theater und Mitspiel-Aktionen.

Der Kunst-Handwerker-Weihnachtsmarkt gilt als der schönste in der Stadt Brandenburg und ist sehr beliebt, wie die vielen Gäste zeigen, die allesamt des Lobes voll sind.

Deshalb krempeln Sonnensegelchef Matthias Frohl und sein kleines Team dankenswerter Weise alle Jahre wieder die Ärmel hoch, ziehen wie die drei Könige von Amtsstube zu Amtsstube, sammeln Behördenstempel und Genehmigungen und organisieren das gemütlichste Weihnachtsvergnügen für Groß und Klein der Havelstadt.

Die Mischung macht es!

Allein schon der Duft von Gebratenem, Waffeln, Kuchen, Kaffee und Glühwein, der über dem Gotthardtkirchplatz schwebt, versetzt die Besucher in Vorweihnachtsstimmung. Und die lodernden Flammen in den Feuerkörben verbreiten den würzigen Geruch von Winter.

Aber es ist vor allem die Mischung des Angebots, die den Erfolg garantiert. Ein Aspekt des Erfolges dieses kleinen, feinen Marktes ist die gelungene Mischung von Handwerks- und Kleinkunst sowie lukullischen Genüssen. Ob sie Kunsthandwerk, Holzskulpturen oder dekorativen Schmuck anbieten, die Stände unter dem großen bunten Sonnensegel sind umlagert. Die Modeschöpferin Katrin Bendick kommt seit Jahren und bringt exquisite Wohlfühl-Mode mit.

Zwei Märkte, doppeltes Angebot!

Großes Interesse bei den Besuchern findet der Stand der Hilfsorganisation „Pro Kids Gambia“, der dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Sonnensegel-Weihnachtsmarkt vertreten ist. Im Angebot ist Original Kunsthandwerk und Schmuck aus Gambia, dem kleinsten Land in Afrika. Die Vereinsmitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, Patenelternschaften für Kinder aus Gambia zu vermitteln, um auf diese Weise ihren Schulbesuch zu sichern. Jedes Jahr fliegen Vereinsmitglieder nach Gambia und übergeben dort direkt vor Ort die Spendengelder persönlich.

Mit roten Bäckchen vor Spannung verfolgen die Kinder bei einer Lesung mit Laura Hari die Geschichte von Sophia und dem Delphin-Zebra-Schmetterling, die ihnen die Autorin aus dem Kinderbuch vorliest, das sie selbst geschrieben hat. Und Eulenspiegel Heiko Hesse beweist wenig später Dutzenden aufgeregter Zwerge, dass es „immer um die Wurst geht“.

Es wäre sicher wünschenswert, der Kunst-Gewerbe-Weihnachtsmarkt am Gotthardtkirchplatz würde an allen Adventswochenenden stattfinden. Denn er ist eine Bereicherung und steht nicht in Konkurrenz zum ebenfalls gelungenen Markt in der City. Im Gegenteil. Auch dort herrschten am Wochenende dichtes Gedränge und gute Laune. Beim Glühweinausschank kam man kaum hinterher, OB Steffen Scheller war ein viel gefragter Gesprächspartner während Eisprinzessinnen über die Kunsteisbahn rauschten. Und mancher pendelte dann zwischen Alt- und Neustadt.

Von Ann Brünink