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Brandenburg/Havel Welle der Hilfe für syrischen Professor
Lokales Brandenburg/Havel Welle der Hilfe für syrischen Professor
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00:29 22.03.2015
Jamil Nawlo (r.) mit dem Dolmetscher Abdullah Ezzeddine.
Jamil Nawlo (r.) mit dem Dolmetscher Abdullah Ezzeddine. Quelle: V. Maloszyk
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Brandenburg an der Havel

Nachdem die Märkische Allgemeine im Februar über sein Schicksal berichtete, haben sich viele Menschen für den Medizin-Professor in Brandenburg an der Havel eingesetzt. Unter ihnen sind Ärzte, ein Vertreter der Brandenburger Fachhochschule und die Baptistengemeinde. „Besser könnte es für ihn derzeit nicht laufen“, bestätigt der im Brandenburger Asylbewerberheim angestellte Dolmetscher Abdullah Ezzeddine. So hospitiert Nawlo jetzt jeden Freitag im Brandenburger Klinikum. Zudem gibt es bereits erste Kontakte zur Brandenburger Fachhochschule (FHB).

Norbert Lutz, Physiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FHB, besuchte Nawlo im Asylbewerberheim. „Wir wollen mal sehen, was wir tun können“, so Lutz. Denkbar sei es, Jamil Nawlo in den Studiengang Medizininformatik als Dozent für Medizin einzubinden. „Es ist doch traurig, wenn eine solche Kapazität im Asylbewerberheim sitzt und nur aus dem Fenster schauen kann.“

Jamil Nawlo studierte in Italien Medizin und baute in seiner Heimatstadt Aleppo, eine Millionen-Metropole, das zweite Herzzentrum des Landes auf. Er leitete die Klinik mit 450 Angestellten und operierte 4000 Menschen, bildete Herzchirurgen und Kardiologen aus. Im August 2014 floh Nawlo mit seiner Familie in den Libanon, nachdem Rebellen seinen Bruder entführt und auch ihn selbst bedroht hatten. 

Weil er für sich und seine Familie kein Visa beantragen konnte, vertraute sich der Herzchirurg schließlich alleine Schleuserbanden an und kam der Herzchirurg schließlich nach Deutschland. Seine Frau, eine Rechtsanwältin, und seine beiden 14 und 16 Jahre alten Söhne, sollen nun nach MAZ-Recherchen, wenn alles gut geht, im Mai nach Deutschland kommen. Nawlo ist es offenbar gelungen, zur deutschen Botschaft im Libanon Kontakt aufzunehmen. Er selbst hat einen Aufenthaltsstatus, wonach er aus humanitären Gründen ein dreijähriges Bleiberecht erhalten hat.

„Es geht ihm psychisch viel besser, weil er jetzt sieht, dass er in Deutschland Perspektiven hat“, sagt auch Axel Kelch, der das Flüchtlingsheim in der Flämingstraße leitet. Es tut Nawlo gut, dass er sich jetzt zumindest schon ehrenamtlich durch Praktika engagieren kann. Im Februar sagte der Mediziner, „es ist schade, nur im Heim herumzusitzen“. Er würde gerne Chirurgie-Kollegen über die Schulter schauen, um die deutschen Fachbegriffe zu lernen. Genau das ist jetzt durch die Hilfe des Städtischen Klinikums gelungen.

Zudem lernt Nawlo jetzt in der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft im Gertrud-von-Saldern-Zentrum Deutsch. Vor einigen Wochen konnte er das Flüchtlingsheim verlassen und eine Wohnung in der Innenstadt beziehen.

Pastor Udo Voigt von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde mit Ausblick hat den Arzt ebenfalls bereits besucht. „Das menschliche Schicksal, auf der Flucht und von der Familie getrennt zu sein, berührt mich“, sagt Voigt. „Wir möchten als Gemeinde ein Zeichen des Willkommens setzen und Herrn Nawlo beim Einleben in Brandenburg helfen.“

Von Marion von Imhoff

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