Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Wenn Mutti nachts zur Arbeit geht
Lokales Brandenburg/Havel Wenn Mutti nachts zur Arbeit geht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:48 27.02.2018
Erste Entwürfe für das Lebenshilfe-Haus mit Krippe, Kita, Hort und Übernachtungsplätzen am Gallberg, sie sind aber noch veränderbar. Quelle: RAP Ryl & Arnold/Tinius Architekten
Anzeige
Brandenburg/H

So eine Kindertagesstätte gibt es bislang noch nicht in der Stadt: Das Vorhaben des Vereins Lebenshilfe Brandenburg-Potsdam e.V. ist aus verschiedenen Gründen einmalig.

Es bietet Übernachtungsplätze für Kinder, deren Eltern beruflich stark eingespannt sind. Es gibt fließende Betreuungszeiten. Die Lebenshilfe hat Spezialisten für Integration und Inklusion auch von kleinen Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. Es gibt pädagogische Schwerpunkte auf Gesundheit/Ernährung, Bewegung und Wissenschaft. Das Objekt ist variabel nutzbar, weil es zwei abgeschlossene Häuser unter einem Dach vereint.

Anzeige

Doch der Reihe nach: Vor zwei Jahren hat der Verein das etwa 10.000 Quadratmeter große Areal erworben, daneben gibt es noch zwei Investoren, die den ehemaligen Verwaltungsstandort gemeinsam entwickeln für ein Wohnprojekt für Senioren sowie für ein Therapiezentrum mit Bewegungsbad. Ein Bebauungsplanverfahren ist in Gang gesetzt. Die Entwurfsplanungen sind fertig, Lebenshilfevorstand Matthias Pietschmann hat die Konzeption gerade im Jugendamt vorgestellt. „So ein angenehmes Fachgespräch hatte ich selten bislang.“ Bis zur nächsten Woche soll das Papier geprüft werden – erste Änderungen sind bereits eingearbeitet. So gab es den Wunsch der Stadt, Hortplätze zu integrieren – die 56 Plätze werden nun im kleineren, separaten Haus ausgewiesen. Separat deshalb, weil es autark vom größeren betrieben wird, eine komplett eigene Versorgung hat. Das birgt den Vorteil, dass in ein paar Jahren, wenn sich die Platznachfrage entspannen sollte, dieser Hausteil beispielsweise als internes Schulungszentrum der Lebenshilfe genutzt werden könnte.

Platz für 168 Kinder im neuen Haus

Im Land Brandenburg gibt es bislang erst acht Übernachtungs-Kitas. Die bekannteste steht in Frankfurt (Oder) in einem Platten-Wohnblock.

Die zwölf geplanten Übernachtungsplätze am Gallberg sind bei Bedarf auch erweiterbar, im Baukastenprinzip können Räume aufgestockt werden.

Die Kita wird eine Gesamtgeschossfläche von knapp 3000 Quadratmetern haben.

Geplant sind unter anderem Sport-Kooperationen mit Vereinen aus Schwimmen, Fußball, Leichtathletik und Klettern.

Es soll 50 Krippen- und 64 Kindergartenplätze geben, zudem 54 Hortplätze.

„Für die Kindertagesstätte hatten wir von Beginn an die Idee, Öffnungs- und Betreuungszeiten anzubieten, die sich an der neuen Lebenswirklichkeit orientieren, also Schichtarbeit, lange Arbeitszeiten in Handel und Gastronomie, veränderte Familienstrukturen“, sagt Pietschmann.

So wird es vorerst zwölf Übernachtungsplätze in zwei separaten Sechser-Wohngruppen geben. Die Übergänge sind aber auch im Tagesverlauf fließend, schließt beispielsweise die Krippe, werden Mischgruppen eingerichtet. Noch in diesem Herbst wird beispielsweise eine Frau oder ein Mann für das Leiten des Hauses gesucht und eingestellt, die Person soll während der gesamten Bauphase beratend tätig sein, damit alle Bedürfnisse bereits dort berücksichtigt werden. Zudem soll derjenige auch das künftige Team zusammenstellen, eine Stamm-Mannschaft gibt es bereits aus den Schulbegleitern, da sind viele ausgebildete Pädagogen darunter. Das noch fehlende Personal muss dann noch bis zum Betriebsstart angeworben werden.

Pietschmann rechnet mit zehn Monaten Bauzeit, idealerweise steht der geschlossene Rohbau bis zum kommenden Winter. Eröffnet wird Ende August 2019. Über Kosten redet der Vorstand nicht, die dürften aber bei etwa 4,5 Millionen Euro liegen und werden refinanziert aus den Zuweisungen der Kommune. Dazu wird das neue Objekt auch in den Kita-Bedarfsplan der Stadt aufgenommen.

Bereits jetzt arbeiten Lebenshilfe-Koordinatorin Stefanie Ulbrich und Pietschmann beispielsweise an Musterverträgen, die mit Unternehmen der Stadt geschlossen werden können. Da können die Firmen nach ihrem Bedarf auch Platzkontingente für die Kinder ihrer Mitarbeiter pauschal buchen.

Von André Wirsing