Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Wenn ein Elefant auf der Bundesstraße spaziert
Lokales Brandenburg/Havel Wenn ein Elefant auf der Bundesstraße spaziert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 10.12.2016
So nahe kommen Autofahrer einer Elefantendame nur selten.
So nahe kommen Autofahrer einer Elefantendame nur selten. Quelle: Volkmar Maloszyk
Anzeige
Brandenburg/H

Das fünf Tonnen schwere Tierchen sorgt auch an diesem Freitag wieder für Aufsehen am Zentrumsring in Brandenburg an der Havel. Reihenweise bleiben Autofahrer stehen, zücken ihr Handy und machen unvergessliche Aufnahmen von dem Rüsseltier in ihrer Nähe. Zirkusdirektor Hardy Scholl (52) kennt das schon, wenn er seine Mittagsrunde dreht mit seiner Elefantendame Maya (40).

Das erste öffentliche Handyfoto von Maja im Straßenverkehr hat am Donnerstag und Freitag viele Bewunderer gefunden in der MAZ und auf Meetingpoint. Maya auf dem grünen Mittelstreifen des Zentrumrings, Hardy Scholl ist ein paar Schritte vorausgegangen und daher auf dem Bild nicht zusehen.

Handzahme Elefantendame ist Teil einer 54 Mitglieder starken Crew

Ist so etwas nicht gefährlich? Die MAZ fragte im Circus Busch nach den Ausgeh- und Lebensgewohnheiten des Tieres, das regelmäßig seine nähere Umgebung erkundet und seit 37 Jahren an der Seite von Zirkusmensch Hardy Scholl lebt.

Die handzahme Elefantendame gehört also zum Circus Busch, der mit seinem Weihnachtszirkus vom 22. Dezember bis 8. Januar vor der Technischen Hochschule Brandenburg in der Zanderstraße gastieren wird. Ein großer Teil der 54 Mitglieder starken Crew ist bereits in Brandenburg (s. Infokasten).

Überwachung mit Video und Babyphone

Die Haltungsbedingungen der Elefantenkuh und der anderen Zirkustiere waren in Ordnung, als die amtliche Tierärztin Anja Gewerd ihren Kontrollbesuch an Ort und Stelle machte. Maja ist in einem beheizten Zelt untergebracht und wird von Pflegern betreut. Sie wird nicht angebunden.

Zur Absicherung wird das große Tier rund um die Uhr mit Hilfe eines Babyphones und per Video und Übertragungsleitung in Hardy Scholls Wohnwagen überwacht.

Die Polizei erklärt sich unzuständig für Elefanten im Straßenverkehr. Sie verweist auf die Zuständigkeiten von Ordnungsamt und Straßenverkehrsbehörde. Grundsätzlich ist das Spazierengehen eines Elefanten unter Aufsicht nicht verboten. Jedoch sei die Straßenverkehrsordnung zu beachten, teilt Angelika Jurchen für die Stadtverwaltung mit. Der Halter darf den Zentrumsring mit seinem Elefanten nur an den dafür vorgesehenen Stellen überqueren und hat sicherzustellen dass das Tier so von Ihm geführt wird. Nur noch über die Ampel werde er mit Maya gehen, verspricht Hardy Scholl.

Artisten hat der Circus Busch jede Menge zu bieten, unter anderem die zwei Söhne und zwei Töchter des Direktors. Die Gebrüder Scholl – das sind Alfred (16), Thomas (20), Mike (25) und René Scholl (28) – sorgen mit ihrer Trampolinshow in der RTL-Sendung „Das Supertalent“ für Furore. Salti, Flic-Flacs und Showeinlagen schafften sie es ins Finale, das am 17.Dezember im Fernsehen ausgestrahlt wird.

Maya geht im Moment nicht so gern raus. Denn der Dickhäuter hat eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen bekommen. Die Elefantenkuh passt im üppig beheizten Zelt auf Lisa auf, das ist das zwei Monate alte Lamababy, das seine Mutter nicht säugen kann.

Also zieht Hardy Scholls Schwiegertochter Marilyn Zinecker das kleine Lama mit dem Fläschchen auf, gibt der Kleinen Haferschleim und Traubenzucker., während Maya über das Geschehen wacht.

Viele Anwohner haben Äpfel und Brot für das Tier übrig

Manchmal dreht Hardy Scholl aber doch seine Runde mit der Elefantendame. Kein Problem in der kleinen Wildnis neben dem Zirkusgelände. Und erst recht nicht entlang der nahen Wohnblocks in der Vereinsstraße. Dort warten einige Bewohner schon auf den größtmöglichen Spaziergänger, haben altes Brot für Maja gehortet oder sogar eigens Äpfel eingekauft.

Denn ein solche Elefant ist ständig hungrig. „Maja frisst buchstäblich den ganzen Tag“, erzählt Scholl. Eine Schubkarre voller Äpfel, zwei Säcke Karotten und zwei Säcke Brötchen, dazu fast eine ganzen Rundballen Heu. An einem einzigen Tag wohlgemerkt. Die Kosten für Majas Unterkunft (Heizung) und Logis summieren sich schnell auf 250 Euro pro Tag, sagt der Zirkusdirektor.

Wie lange Maya noch im Circus Busch bleibt ist indes ungewiss. Möglicherweise muss das Tier seine Familie im nächsten Jahr verlassen, weil Elefanten nicht einzeln gehalten werden sollen. „Daran möchte ich nicht denken“, gibt Mayas menschlicher Begleiter zu.

Der Elefant horcht und reagiert aufs Wort

Sollte der traurige Fall doch eintreten, möchte Hardy Scholl, dass Maja in den Zoo nach Karlsruhe kommt. Denn dort lebt Nanda (55), eine Elefantin, die den Zirkus wegen heftiger Augenprobleme vor einiger Zeit verlassen musste.

Den zweiten Tourneeauftritt des Circus Busch in Brandenburg/Havel macht Maja aber auf jeden Fall noch mit. Das Tier stiefelte am Donnerstag übrigens auf dem Rückweg von der Vereinsstraße einmal über den Zentrumsring. „Ich war ganz in der Nähe“, versichert Scholl, der sich auf die Disziplin seiner dickhäutigen Gefährtin verlassen kann. Sie gehorcht ihm auch am Freitag jedes Mal aufs Wort.

Die kleinen Ausflüge verstehen sich natürlich auch als Werbung für den Zirkus, der mit einem hohen Personal und Sachkostenaufwand sein Programm auf die Beine stellt. Wenn jeder, der in diesen Tagen sein Handy für ein Bild von Maja gezückt hat, eine Eintrittskarte löst, sollte sich der Aufwand gelohnt haben.

Von Jürgen Lauterbach

29.03.2018
09.12.2016