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Brandenburg/Havel In zwei Sekunden zum Mond: Wie Amateurfunker den Trabanten als Spiegel nutzen
Lokales Brandenburg/Havel In zwei Sekunden zum Mond: Wie Amateurfunker den Trabanten als Spiegel nutzen
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14:29 21.05.2019
Lutz Bär (links) und Tino Grenz sind leidenschaftliche Amateurfunker. Die Brandenburger haben eine Antennenanlage auf den Mond ausgerichtet und wollen mit Gleichgesinnten aus anderen Ländern kommunizieren. Quelle: André Großmann
Brandenburg/H

Der Mond soll für den Brandenburger Tino Grenz zum Spiegel werden. Hierfür klettern der 37-Jährige und andere Vereinsmitglieder des Deutschen Amateur-Radio Clubs (DARC) auf ein 15 Meter hohes Dach in der Carl-Reichstein-Straße 8. Sie überprüfen Antennen und wollen 384.000 Kilometer Entfernung zwischen Mond und Erde überwinden.

Amateurfunker des Deutschen Amateur-Radio-Club funken über den Mond und in entfernte Länder. Sie errichten auf dem Dach ihres Vereinsgeländes eine Antennenanlage, wollen Grenzen überwinden und Wissen weitergeben.

Reflektionen vom Mond

Dabei senden die Funker ein UKW-Signal, dass von der Mondoberfläche zur Erde reflektiert, von Gleichgesinnten in anderen Ländern gehört und so beantwortet wird. Dafür installieren die Brandenburger Leistungsverstärker, eine Parabolantenne und richten diese in Richtung des Erdtrabanten aus. Jedes Detail muss stimmen, denn kleinste Gradzahlabweichungen könnten die Funkverbindung stören.

Gänsehaut beim Funken

Die Radiowellen erreichen Geschwindigkeiten von bis zu dreihunderttausend Kilometern pro Sekunde. „Schneller geht es nicht, nichts breitet sich schneller aus als das Licht“, sagt Grenz. Nach 2,4 Sekunden hört der Amateurfunker sein Signal als Echo und hat Gänsehaut. „Das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt er der MAZ und beschreibt so die Faszination des Mondfunks. In den nächsten Wochen und Monaten arbeiten die Vereinsmitglieder des DARC weiter am Projekt und feilen in ihren Vereinsräumen an der Funkverbindung.

Signale von der ISS

Jahrelang suchten die Amateurfunker nach einem Treffpunkt und haben ihn jetzt in der Carl-Reichstein-Straße gefunden. Dort löten sie auf 64 Quadratmetern Bausätze, basteln an Antennen, programmieren, funken in andere Länder und beobachten das Leben auf der Internationalen Raumstation. So empfangen die Brandenburger Amateurfunkbilder der ISS. Dabei hören sie, wie Schüler zur Internationalen Raumstation funken, um Crewmitgliedern Fragen zu stellen. „Jeder Astronaut ist auch hobbymäßig Funkamateur, deshalb ist das wirklich interessant“, sagt Vereinsmitglied Lutz Bär.

Funkkontakt in 157 Länder

Der 60-Jährige kommunizierte per Funk bislang mit Menschen aus 157 Ländern und zeigt seine gedruckten QSL-Karten. Diese bestätigen Funkamateuren schriftlich eine erfolgreiche Verbindung und gelten als eine Trophäe. Der Brandenburger zeigt Exemplare aus Japan, den Vereinigten Staaten und Kroatien. „Wir überwinden Grenzen, auch politische, egal ob an Land, zu Wasser oder im Weltraum“, sagt der Brandenburger.

Ihm ist es wichtig, sein Wissen anzuwenden. Er nimmt sein Funkgerät, stellt die Frequenz ein, die zwischen 500 Kilohertz bis 90 Gigahertz liegt und ruft: „Hallo ist da jemand?“ Wie beim Flugfunk kommuniziert Bär dabei mit Abkürzungen und in englischer Sprache.

Der Traum vom Vatikan

Er möchte weiter in entfernte Länder funken und träumt von einer Verbindung in den kleinsten anerkannten Staat der Welt, den Vatikan. „Diese Verbindung will jeder haben“, sagt Bär und erläutert, dass im Stadtstaat nur wenige Amateurfunker unterwegs sind, die mit Gleichgesinnten aus anderen Nationen kommunizieren könnten.

Die Amateurfunker freuen sich über Technikinteressierte und wollen ihre Kenntnisse an jüngere Menschen weitergeben. „Es ist schön, solche Erfahrungen von Angesicht zu Angesicht zu teilen und nicht nur per Smartphone. Dieses Wissen soll nicht aussterben“, sagt Tino Grenz.

Er betont, dass der Amateurfunk gesellschaftlich „immer mehr in den Hintergrund“ rückt und erinnert daran, dass Smartphones, Radios und Laptops ihre technischen Ursprünge im Amateurfunk haben. „Die Handys wären nicht da, wo sie heute sind, wenn der Amateurfunk nicht in maßgeblicher Weise dazu beigetragen hätte“, sagt der 37-Jährige.

Momentan hat der DARC in Brandenburg an der Havel um die 30 Vereinsmitglieder, sie kommen aus Brandenburg, Rathenow, Premnitz und Friesack. In der Carl-Reichstein-Sraße 8 finden auch Lehrgänge zum Funken mit Licht und dem Aufbau von Funkverbindungen statt. Die Vereinsmitglieder treffen sich jeden ersten und dritten Dienstag im Monat ab 18 Uhr. Interessanten erhalten per E-Mail an dm3ms@darc.de weitere Infos und können sich anmelden.

Von André Großmann

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