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Brandenburg/Havel Neue Hoffnung: Wie Katja Seidels Häkeltiere Kinder glücklich machen
Lokales Brandenburg/Havel Neue Hoffnung: Wie Katja Seidels Häkeltiere Kinder glücklich machen
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11:32 02.07.2019
Katja Seidel entwirft Häkeltiere aus Baumwollgarn und möchte Kindern so ein Lächeln bescheren. Quelle: André Großmann
Brandenburg/H

Teddybär, Elefant, Hase und Nilpferd machen es sich neben Katja Seidel auf dem Steg am Pfaffe-Kai gemütlich. Die Brandenburgerin entwirft und gestaltet Häkeltiere, strickt für Frühchen und hilft erkrankten und bedürftigen Knirpsen. „So will ich die Welt etwas besser machen und dafür sorgen, dass Kinder ihre Sorgen kurz vergessen“, sagt die 39-Jährige der MAZ.

Die Brandenburgerin Katja Seidel entwirft Häkeltiere, möchte Kinder zum Lächeln bringen und sucht nach Gleichgesinnten für ihr Hobby.

Figuren entstehen mit japanischer Technik

Katja Seidel arbeitet ehrenamtlich und gestaltet die Figuren mithilfe der japanischen Amigurumi-Technik. Dabei orientiert sich die Verwaltungsfachangestellte an Comics, achtet auf unterschiedliche Proportionen und Details. Bei einem Häkel-Elefanten beachtet sie, dass dieser am Kopf schmal ist und zum Körper hin breiter wird, muss Maschen abnehmen und ergänzen, um einen Knick im Erscheinungsbild zu gestalten.

Beim Häkeln verwendet die Havelstädterin Baumwollfäden, eine Nadel mit zweieinhalb Millimetern Durchmesser und einen Griff aus Echtholz. Hiermit erzeugt und verarbeitet die Brandenburgerin feste Maschen und formt ihre Figuren.

Mutmacher und Hilfe für Kinder

So entstehen Unikate wie eine Maus, die Kindern Mut machen soll. „Sie ist ein Begleiter in schwierigen Situationen, bei einem Arztbesuch und Krankenhausaufenthalt“, sagt Seidel. Die Figur soll Kindern Kraft geben, die das Häkeltier im Arm halten und sich daran schmiegen.

Katja Seidel engagiert sich mehrfach, sowohl in der Facebookgruppe „Mit Häkel- und Stricknadel für die kleinen Helden in Leipzig und BRB“ als auch beim Brandenburger Hilfsprojekt „Kleiderursel.“ Dort verteilte die 39-Jährige einen Sack mit fast 50 gehäkelten Tieren, der von den Knirpsen innerhalb von fünf Minuten mitgenommen wurde.

„Mit einfachen und geringen Mitteln zeigte sie Kindern in Not den positiven Weg in die Zukunft“, sagt Nancy Petsch vom sozialen Hilfsprojekt „Kleiderursel.“ Sie appelliert, diejenigen nicht zu vergessen, „denen das Schicksal nicht so gut mitspielt.“ Gemeinsam will das Duo dazu beitragen, Kindern in Not und Armut zu helfen und ihnen ein Lächeln zu bescheren.

Momentan gestaltet Katja Seidel 120 Schuhe für Frühchen, die sie an die Uni Leipzig und ein Krankenhaus spendet und würde auch für Brandenburger Einrichtungen stricken und häkeln.

Häkel-Leidenschaft seit 35 Jahren

Die 39-Jährige ist stolz, wenn Kinder die Ergebnisse ihrer handwerklichen Arbeit anerkennen. Sie betont, dass es viel Spielzeug aus Plüsch gebe, aber selten Unikate mit verschiedenen Armen, Beinen und Ohren, mit Fantasie statt Einheitsgrößen. Ihre Leidenschaft für das Häkeln entfachte Seidels Großmutter Ursula vor 35 Jahren. Beide arbeiteten zusammen, tauschten sich aus und fertigten Topflappen.

Bis heute ist die Brandenburgerin ihrem Hobby treu geblieben, entspannt dabei und verwirklicht an verschiedenen Orten wie dem Wusterwitzer See kreative Ideen. Während ihre Yorkshire Terrier Egon und Floh umher toben, bleibt die Havelstädterin gelassen.

Hoffnung auf Gleichgesinnte

Sie kommt gern mit Menschen ins Gespräch, werkelt im „Café in der Kirche“ am Mühlengraben und möchte ihr Wissen an jüngere Generationen weitergeben. „Damit das Hobby nicht ausstirbt“, sagt Seidel der MAZ und betont, dass die Häkler in Brandenburg an der Havel immer älter werden.

Im Internet sei dies „ganz anders“, hier tauscht sie sich mit Gleichgesinnten aus und plant neue Textilarbeiten. Dabei haben die Namen ihrer Figuren häufig einen menschlichen Bezug. So erhält ein Hase den Namen „Manni Rübchen“, inspiriert von ihrem Vater Manfred und eine nach ihrer Mutter Angelika benannte Baumwollgiraffe heißt „Geli.“

Ein weiteres Exemplar entsteht im Laufe des Jahres, denn Katja Seidel will ein Faultier entwerfen und so für ein Lächeln bei jungen und alten Menschen sorgen. „Wenn jeder dem anderen hilft, kommt vom System immer wieder etwas zurück. Ich freue mich, wenn die Menschen mehr aufeinander zugehen“, sagt die Schöpferin der Häkeltiere.

Katja Seidel freut sich über Gleichgesinnte, mit denen sie häkeln und Erfahrungen austauschen kann. Wer die Brandenburgerin unterstützen möchte, kann sich bei ihr per Mail an egolino@gmx.net melden

Von André Großmann

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