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Brandenburg/Havel Klinikum kann sich notfalls selbst versorgen
Lokales Brandenburg/Havel Klinikum kann sich notfalls selbst versorgen
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19:03 19.02.2020
Am Mittwoch wurde neben dem Klinikum ein 25 Meter-Schornstein für ein Blockheizkraftwerk aufgestellt. Quelle: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Das Klinikum wird zur Kleinstadt in der Stadt – in wenigen Wochen ist es (theoretisch) unabhängig in Sachen Energie: Elektrizität, Wärme und Kälte produziert es selbst. Wichtigster Helfer ist ausgerechnet der Stadtwerke-Konzern, der eigentlich davon lebt, diese Energie an seine Abnehmer zu verkaufen.

Viel Platz gab es nicht für die Monteure des neuen Blockheizkraftwerkes am Klinikum. Sie mussten ziemlich jonglieren, um die 25 Meter hohe Esse in einem Stück auf ihren Platz zu bugsieren.

Doch der Widerspruch ist nur ein scheinbarer: In erster Linie geht es um die Versorgungssicherheit der wachsenden Gesundheitsfabrik. Zudem profitieren beide Unternehmen wirtschaftlich von dem Projekt.

Zum beiderseitigen Vorteil

Die Stadtwerke errichten derzeit die zwei Millionen Euro teure Anlage eine Blockheizkraftwerkes BHKW, das Klinikum spart durch das Direkteinspeisen Netzentgelte und Umlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG. Es gibt von diesem Betrag einen Teil an die Stadtwerke ab, so dass nach zehn Jahren die Anlage refinanziert sein dürfte. Die Stadtwerke übernehmen die Betriebsführung, auch für das gesamte Mittelspannungsnetz des Klinikums.

Zwei sichere Stromquellen

Es gibt nunmehr zwei sichere Einspeisungen für jeweils 15 Kilovolt Elektroenergie, sagt Stadtwerkegeschäftsführer Gunter Haase. Auf der Bettenhausseite haben die Stadtwerke bereits 2018 eine große Trafostation errichtet. Auf der anderen Seite zwischen Strahlenklinik und Haus 3 ist nun das sieben Meter hohe BHKW-Gebäude entstanden.

Die Anlage ist gasbetrieben, erzeugt ein knappes Megawatt Strom und 1067 Kilowatt an thermischer Leistung. Das reicht nicht ganz, um das Klinikum völlig autark zu machen, würde aber genügen, wenn in einem Katastrophenfall in der ganzen Stadt der Strom weg ist. Dann wäre das Klinikum der hellste Punkt in Brandenburg an der Havel.

Gewaltiger Energiebedarf

Der Energiebedarf des Krankenhauses ist gewaltig: In der Spitze zieht es etwas mehr als 1,6 Megawatt aus dem Netz, der Jahresverbrauch liegt bei 8223 Megawattstunden alleine an Elektroenergie. Zudem werden aus dem Fernwärmenetz bis zu 2,7 Megawatt an thermischer Leistung abgerufen.

Die Spitzenwerte werden nicht täglich oder kontinuierlich erreicht. Deshalb wird das BHKW ergänzt um einen zehn Meter hohen Wärmespeicher, in dem bis zu 50 Kubikmeter heißes Wasser zurückgehalten werden kann. In einer so genannten Absorptionskältemaschine (thermischer Verdichter) kann aus Wärme auch Kälte gewonnen werden, die ebenfalls im Klinikum benötigt wird.

In einem Stück aus Dänemark

Am Mittwoch wurde neben dem Klinikum ein 25 Meter-Schornstein aufgestellt. Quelle: Rüdiger Böhme

An diesem Mittwoch ist bereits der 25 Meter hohe Schornstein angeliefert und montiert worden. Der muss so hoch sein, damit er das 21 Meter hohe Krankenhaus überragt. Das Teil wiegt mehr als fünf Tonnen und ist in einem Stück von Dänemark auf einem Tieflader transportiert worden. Hersteller und Spediteur in einer Person ist Frede Matzen (63). „Ich habe schon bestimmt 400 bis 500 solcher Schornsteine aufgestellt, und noch keiner ist umgefallen“, erzählt er schmunzelnd. Das wäre auch schlimm, den ersten Belastungstest absolviert er auch gleich selbst. Nach dem Verschrauben am Boden erklimmt Matzen den Schornstein, um die Ketten des Mobilkrans am oberen Ende zu lösen.

Der 70-Tonnen-Kran der Brandenburger Montage- und Kranservice GmbH war mit der Last eher unterfordert. Das Gewicht bereitete gar keine Probleme und der 52-Meter-Ausleger musste auch nur auf 38 Meter ausgefahren werden. Schwierigkeiten bereitete nur der beengte Platz auf dem Klinikumsareal. Schließlich mussten Mobilkran, Sattelschlepper und ein Lkw mit Montagekran-Ausleger auf engstem Raum möglichst nahe am Schornsteinstandort zusammen stehen.

Schalldämpfer gehört dazu

Der Schalldämpfer fürs BHKW wurde gleich mit verladen. Quelle: Rüdiger Böhme

Zudem wurde auch parallel der „Schalldämpfer“ für die künftige Anlage geliefert. Der wurde kurzerhand aus dem Mini-Lkw über den Bauzaun gehoben. In zehn Tagen kommt das Aggregat als eigentliches Herz des BHKW, Anfang April der Wärmespeicher. Ende April soll die ganze Anlage laufen, sagt Wärmenetz-Ingenieur Merten Neeser. Arbeiter der Stadtwerke-Tiefbautochter BISB sind derzeit beim Verlegen aller Rohre bis ins Innere des Klinikums.

Lange Lieferzeiten

Eigentlich war der Betriebsbeginn schon für den vergangenen Sommer geplant, doch haben die Anlagenbauer derzeit unendlich lange Lieferzeiten.

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