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Brandenburg/Havel Wie das Brandenburger Medizinlabor Proben auf Corona testet
Lokales Brandenburg/Havel Wie das Brandenburger Medizinlabor Proben auf Corona testet
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18:46 23.03.2020
Erik Oliver Glocker ist Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Er zeigt die PCR-Maschine, in der das Erbgut der Probe zur Corona-Bestimmung millionenfach vervielfältigt wird. Quelle: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Wer keine Symptome hat, sollte nicht auf Corona getestet werden. Oliver Frey (44) und Erik Glocker (51) werden nicht müde, diesen Satz zu wiederholen.

Der ärztliche Leiter des Brandenburger Medizinlabors und sein Vertreter untersuchen mit ihren Mitarbeitern inzwischen tagtäglich Proben auf das berühmte Virus namens SARS-CoV-2 , das verbreitet, aber Gott sei Dank noch nicht in aller Munde ist.

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Keine bedenkenlosen Tests

Beide wissen, dass die Materialressourcen begrenzt sind. Es wäre doch schlimm, wenn wegen eines „bedenkenlosen Testens“ am Ende keine Abstrichstäbchen und anderes Untersuchungsmaterial mehr vorhanden wären für diejenigen, die unbedingt getestet werden müssen“, sagt Erik Glocker.

Er ist Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Institut für Laboratoriumsmedizin in der Hochstraße, das zum Gesundheitszentrum Brandenburg und damit auch zum städtischen Klinikum gehört.

Das Institut für Laborationsmedizin im Brandenburger Klinikum testet neuerdings auch Proben auf das Corona-Virus.

Seit dieser Woche testet das Brandenburger Medizinlabor Proben aus Brandenburg/Havel, Potsdam-Mittelmark und neuerdings auch Potsdam auf das Corona-Virus.

Laborchef Oliver Frey zeigt auf drei Kurven einer Grafik, die Nadin Henck auf ihrem Computerbildschirm geöffnet hat.

Alle drei Kurven zeigen an einer Stelle steil nach oben. Die ersten bestätigten Corona-Virusinfektionen in Brandenburg/Havel in dieser Woche.

Es geht um ja oder Nein

Sie sind das Ergebnis eines mehrstufigen molekularbiologischen Tests, das erst dann das Labor in Richtung Hausarzt und Gesundheitsamt verlässt, wenn die Fachleute dieses Ergebnis mehrfach überprüft und bestätigt gefunden haben.

Über die Erkrankung und ihren Schweregrad sagt der Test nichts aus. Auch das betonen die Laborfachleute. In ihrer Arbeit geht es zunächst einmal nur um den Nachweis des Corona-Virus. „Wir sagen nur ja oder nein“, erklärt Erik Glocker.

Bei einem Verdacht auf Sars-CoV-2 können sie diesen Erreger, technisch so wie Influenza- oder Noroviren, in einem molekulargenetischen Verfahren nachweisen.

Suche nach dem Erbmaterial des Virus.

Bevor das Brandenburger Corona-Laborteam loslegen kann, müssen zunächst die Ärzte Proben der Patienten nehmen, am besten aus Rachen, Nase und Mundhöhle.

Das benetzte Stäbchen kommt in ein Röhrchen und wird in eine konservierenden Flüssigkeit getaucht. Der Mikrobiologe nennt sie der Einfachheit halber „Suppe“.

Diese Suppe bereiten die Spezialisten im Labor auf. Mit ihren beiden PCR-Maschinen in der zweiten Etage des Laborgebäudes suchen sie nach dem Erbmaterial des Virus.

Millionenfache Kopien

Zielgerichtet wird ein bestimmter Abschnitt des Viren-Erbguts millionenfach kopiert, damit das Virus sichtbar wird. Diese Kopien markieren die Spezialisten mit einer Sonde farblich. Die leuchtende Farbmarkierung kann sichtbar gemacht werden.

Leuchten Farben, ist die Probe positiv, was nicht schön ist. Denn dann ist eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen.

Allerdings erst dann, wenn das Testergebnis noch einmal bestätigt wird, um auszuschließen, dass ein Messfehler, eine Verunreinigung oder ein sonstiger Einfluss vorliegt, die zu einem falschen Resultat geführt haben könnten.

Fünf Stunden bis zum bestätigten Ergebnis

Inklusive aller Kontrollen rechnet das Brandenburger Labor mit fünf Stunden bis zum endgültigen Ergebnis, sagen Frey und Glocker. Was bis etwa 14 oder 15 Uhr getestet wird, kann derzeit noch am gleichen Tag ausgewertet sein.

Unter anderem diese Schnelligkeit führt dazu, dass die Brandenburger nun auch Proben aus Potsdam testen werden, wo die Nachfrage so hoch ist, dass sie nicht mehr in der Landeshauptstadt gedeckt werden kann.

Arbeit in zwei Schichten

Das Brandenburger Institut arbeitet derzeit in zwei Schichten und mit fünf Fachkräften an Corona. Professor Frey rechnet in absehbarer Zeit mit drei Schichten. Mitarbeiter aus der Nachbardisziplin Pathologie helfen mit.

Um effizient vorzugehen, testen die Experten nicht jede eintreffende Probe sofort einzeln in der Erbgut-Vervielfältigungsmaschine (PCR). Sie sammeln erst mehrere Proben, ehe sie die Maschine einschalten. Sonst würde sie womöglich für nur eine einzige Probenröhrchen für Stunden blockiert.

Pandemie ist auch für die Experten neu

Eine Pandemie wie jetzt mit Corona ist auch für Frey, Glocker und die übrigen 45 Brandenburger Labormitarbeiter neu.

Das Testverfahren mussten sie dafür aber nicht neu erfinden, sondern können auf die Methode zurückgreifen, die für andere Viren ebenfalls verwendet wird. Sehr vereinfacht ausgedrückt, muss der Maschine gesagt werden, dass sie jetzt nach Corona suchen soll.

Das Labor und seine Leiter

Oliver Frey ist Chefarzt am Klinikum Brandenburg, seit Oktober 2019 leitet der Facharzt das Institut für Laboratoriumsmedizin in der Hochstraße. Zuvor war der Professor der Medizinischen Hochschule Brandenburg, der aus Thüringen stammt, Oberarzt an der Universität Jena.

Privatdozent Dr. med. Erik Oliver Glocker hat seit 2016 als stellvertretender ärztlicher Laborleiter in Brandenburg gearbeitet. Der aus Freiburg stammende Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie wechselt nun nach Baden Baden und übernimmt dort ein Labor.

Das Institut für Laboratoriumsmedizin bietet Analysen in der klinischen Chemie, Transfusionsmedizin und der Mikrobiologie für Kliniken und ambulante Einsender an. Das Labor versteht sich als regionaler Partner in der Labordiagnostik.

Zeitweise war das Labor privatisiert. Vor einigen Jahren hat es das städtische Klinikum zurückgekauft.

Die beiden Experten reden die Corona-Gefahr keineswegs klein und ärgern sich maßlos über Jugendliche, die Corona-Partys feiern. Trotzdem sagt Erik Glocker. „Ich habe schon Gefährliches gesehen als das Corona-Virus.“

Aus ihrer Erfahrung wissen die Experten um die Bedeutung und Gefahr gerade auch von Influenza-Viren. „Regelmäßig finden wir bei Influenza-Tests viel mehr positive Proben – oft ist die Hälfte einer ganzen Testreihe positiv“, berichtet der Mikrobiologe.

Von Jürgen Lauterbach

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