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Brandenburg/Havel Tiemann wieder CDU-Kreis-Chefin: „Wir wollen unseren Antreiber behalten!“
Lokales Brandenburg/Havel Tiemann wieder CDU-Kreis-Chefin: „Wir wollen unseren Antreiber behalten!“
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13:17 03.06.2018
Dietlind Tiemann auf dem CDU-Kreisparteitag am 2. Juni 2018 in Brandenburg an der Havel. Quelle: Benno Rougk
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Brandenburg/H

Der Sonnabend hat es gut gemeint mit Dietlind Tiemann. In der Nacht war sie zum ersten Mal Großmutter geworden. Am Mittag erteilte ihr der CDU-Parteitag mit 100 Prozent erneut das Vertrauen als Kreisvorsitzende der Stadt Brandenburg. Da fiel es kaum ins Gewicht, dass nur 45 von 203 stimmberechtigten CDU-Mitgliedern den Weg in die Werft zum Mitgliederparteitag gefunden hatten.

Großes Risiko gewagt

Als Gast durfte Tiemann Gorden Hoffmann begrüßen, den stellvertretenden Landesvorsitzenden der CDU. Hoffmann lobte das Engagement der CDU in der Stadt. Insbesondere die Arbeit bei der Verhinderung der Kreisgebietsreform nötigte ihm Respekt ab. Er sagte: „Wir sind mit dem Kampf gegen die Reform ein großes Risiko eingegangen. Ich bin stolz und froh das wir das geschafft haben.“

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„Jämmerliche Politik der Regierung“

Er sparte nicht mit Kritik an der rot-roten Landesregierung. Die CDU wolle im kommenden Jahr bei der Landtagswahl „den jämmerlichen Zustand beenden“, in dem sich die Politik im Land befände. Mit Blick auf die Stadt Brandenburg sagte er: „Das war früher eine rote Stadt. Heute ist es eine schwarze Hochburg!“

Dietlind Tiemann auf dem CDU-Kreisparteitag am 2. Juni 2018 in Brandenburg an der Havel. Quelle: Benno Rougk

In ihrem Rechenschaftsberichte zog die Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann eine Bilanz der zurückliegenden Jahre unter ihrer Regie als Kreisvorsitzende und Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel. Für die Kommunalwahl im kommenden Jahr gab sie als klares Ziel aus: „Wir wollen deutlich zulegen als Fraktion. Wir haben dafür das Potenzial!“ Schon jetzt stellt die CDU in der Stadt mit 17 Stadtverordneten die größte Fraktion. Auch Tiemann machte deutlich, dass sie sich von der Landespolitik nur wenig unterstützt fühlte in ihrer aktiven Zeit.

Direktmandat im Visier

Sie und die CDU hätten die Stadt „nicht wegen sondern trotz der Landesregierung weiter entwickelt.“ Nach ihrem Eindruck sei es die „falsche Farbe“, die dazu geführt haben, dass der Landesregierung wenig daran lag, die Stadt schneller und erfolgreicher voranzutreiben. Für die Landtagswahl gab sie das Ziel aus, das Landtagsmandat direkt zu holen. Das gelang in den letzten drei Wahlen jeweils der SPD und Ralf Holzschuher.

Die Schwerpunkte der parteilichen Arbeit müssten in den kommenden Jahren in der Entwicklung einer besseren Infrastruktur und der Entwicklung der Stadt zu einem attraktiven Arbeits-und Wohnstandort liegen, glaubt Dietlind Tiemann. Wie Oberbürgermeister Steffen Scheller in den zurückliegenden Wochen auch, betonte Tiemann die Notwendigkeit, insbesondere die Verkehrsanbindung der Stadt wesentlich zu verbessern und dafür einen weiteren Anschluss an die Autobahn über die Spange um Kirchmöser zu bauen.

„Wir sind Metropolregion!“

Der Neubau der Plane-Brücke, der Brücke über den Bahnübergang Wust, der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und der Aufbau eines besseren Radwegenetzes in der Stadt sein zwingend voranzutreiben. Tiemann ist überzeugt: „Wir sind Metropolregion!“ Eine Stadt, die kaum 80 Kilometer von Berlin entfernt sei und in 40 Minuten mit dem Zug zu erreichen ist, werde in naher Zukunft zur Hauptstadt gehören. Brandenburg müsse, so beschwor Tiemann die Zuhörer, künftig auch Standort für die Kreativwirtschaft werden.

Traum von schwimmenden Gärten

Sie habe die Idee, ein derartiges Zentrum am Altstädtischen Bahnhof anzusiedeln. Auch Potsdam habe mit dem Wissenschaftszentrum Golm klein angefangen. Heute sehe man, welche Erfolge das bringe. Tiemann schrieb Scheller ins Stammbuch, sich auch weiter für den Tourismus zu engagieren. Sie sei noch immer überzeugt, dass der Packhof das ideale Gelände für ein großes Hotel gewesen wäre. Da dies nun von der Bevölkerung nicht gewünscht werde, müsste mal nach Alternativen suchen. Darüber hinaus brauche die Stadt einige Höhepunkte. Sie träume von schwimmenden Gärten auf der Havel, die die Besucher von nah und fern anlocken. Die CDU unterscheide sich gravierend von den anderen Parteien. Der Zustand der anderen Parteien habe sich in dem Maße negativ entwickelt je besser die CDU wurden, meinen Tiemann und Fraktionschef Jean Schaffer.

Wohlwollender Applaus

Für ihre knapp einstündige Rede erntete Tiemann einen wohlwollenden 19 Sekunden lang andauernden Applaus.

Mit „Zweiflern und Bedenkenträgern könne man keine Stadt entwickeln“, glaubt Schaffer. Sie wolle und werde er aufrütteln. Sein Slogan für die Zukunft: „Wir machen die Stadt Brandenburg an der Havel jeden Tag ein Stück besser!

Viele Spenden für die CDU

In seiner Rede als scheidender Schatzmeister beschrieb Steffen Scheller eine positive Kassenlage. Allein im zurückliegenden Jahr mit dem Wahlkampf für den Bundestag sei es gelungen, Spenden in Höhe von etwa 70000 Euro einzuwerben. Die Partei stehe finanziell auf gesunden Füßen und schaue optimistisch in die kommenden Wahlkämpfe.

Der CDU-Kreis Geschäftsführer Walter Paaschen begründete dann, warum er Dietlind Tiemann wieder an der Spitze des Kreisverbandes sehen will. Es sei „das Geheimnis unserer Erfolgsgeschichte, dass sie Ziele hatte die manchmal utopisch erschienen und deren Umsetzung sie doch möglich gemacht hat.“ Die CDU sei belächelt worden, als Tiemann Brandenburg zur attraktivsten Stadt im Land habe machen wollte. Heute, so glaubt Paaschen, „sind wir die attraktivste Stadt im Land!“

Vorstand steht

Die Bundesgartenschau 2015, der Erhalt der Kreisfreiheit und die Gründung der Medizinischen Hochschule wertete Paaschen als große Erfolge Tiemanns. „Wir wollen unseren Antreiber behalten!“, warb Paaschen um das Vertrauen für Dietlind Tiemann. Mit Erfolg. Alle Mitglieder votierten dafür, dass sie auch an den kommenden zwei Jahren an der Spitze des Kreisverbandes steht. Als ihr Stellvertreter wurden Jan Penkawa (36 Stimmen), Walter Paaschen (43 Stimmen) und Jean Schaffer (42 Stimmen) gewählt. Als Schatzmeister des Kreisverbandes wird künftig Tiemanns Büroleiter Ralf Weniger fungieren.

Von Benno Rougk