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Brandenburg/Havel Bekannter Klamauk im Spessart
Lokales Brandenburg/Havel Bekannter Klamauk im Spessart
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14:32 03.02.2019
Das Staatstheater Cottbus war mit der musikalischen Räuberpistole "Das Wirtshaus im Spessart" zu Gast im Brandenburger Theater. Quelle: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Der Spessart ist eine Räuberhöhle, die niemand betreten sollte. Dennoch verirren sich die Handwerksburschen Peter und Felix, die leichtsinnige Gräfin Franziska von Sandau, ihr spießiger Bräutigam Baron Sperling, der besorgte Pfarrer Haug sowie Franziskas Kammerzofe mitten im Wald. Im unheimlichen Wirtshaus suchen sie Schutz vor Dieben. Aber sitzen sie bereits in der Falle? Eines ist klar: Sie müssen nun zusammenhalten, selbst zur List greifen und sich durchschlagen. Eine rasante Räuberpistole beginnt: Überfälle, Erpressungen, Intrigen, Verwechslungen und natürlich die große Liebe!

Die meisten Zuschauer im Bramdenburger Theater waren am Wochenende mit der Geschichte wohl bestens vertraut, kennen sie sie doch durch den populären Film von Kurt Hoffmann, den er Ende der fünfziger Jahre nach dem Kunstmärchen „Das Wirtshaus im Spessart“ des romantischen Dichters Wilhelm Hauff drehte. Für den großen Publikumserfolg sorgten Liselotte Pulver und Carlos Thompson als Komtesse Franziska und als Räuberhauptmann. Auch auf der Bühne wurde die Räuberpistole mit der Musik von Franz Grothe seit den Siebzigern bekannt, sie wurde eines der Lieblingsstücke des deutschen Unterhaltungstheaters.

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Nun bot am Wochenende das Staatstheater Cottbus die musikalische Räuberpistole im Großen Haus. Unter der Regie des Cottbuser Ex-Intendanten Martin Schüler und der sorgsamen und temperamentvollen Leitung von Andreas Simon, der vom Klavier aus die kleine Band mit Violine, Klarinette, Kontrabass und Schlagzeug führte, wurde ein bewegtes, amüsantes Spektakel gegeben, an dem das applaudierfreudige Publikum und die Darsteller gleichermaßen ihre Freude hatten. Der Regisseur hielt sich strikt an die Filmvorlage Hoffmanns und seines Buchautors Carl Hanno Gutbrodt. Man erinnerte sich nämlich in vielen Szenen an den Film und kommentierte für sich: Dieser oder jener klamottige Einfall oder die Pointe ist nicht unbekannt. Martin Schüler hatte dabei keine Lust auf Experimente, das Publikum sollte pure Unterhaltung haben. In dem schnell wandelbaren Bühnenbild (Hans-Holger Schmidt), dass das Räubernest im Wirtshaus und das Schloss mit langer Ahnengalerie derer von

Das Staatstheater Cottbus war mit der musikalischen Räuberpistole "Das Wirtshaus im Spessart" unter der Regie von Martin Schüler zu Gast im Brandenburger Theater. Quelle: Rüdiger Böhme

Sandau zeigt, sowie den mit Biedermeier-Kolorit gestalteten Kostümen (Nicole Lorenz) war ein souverän agierendes Ensemble mit viel komödiantischer Erfahrung zu sehen. Anne Schierack als Comtesse Franziska von Sandau kam zwar burschikos und dennoch sehr charmant singend über die Rampe und fand gemeinsam in dem Räuberhauptmann (Michael Henneberg) ein baritonales Happy-End, schön lyrisch intonierend und ansehnlich dazu! Köstlich waren die liebevoll gezeichneten Räuber Knoll (Martin Eitner) und Funzel (Thomas Pöschel), die sich nach einem bürgerlichen Leben mit Häuschen und Garten sehnen. Den Zack-Zack-Obristen von Teckel, der mit seinen Soldaten die entführte adlige Gesellschaft befreien will, gabt Heiko Walter in dieser Inszenierung erwartungsgemäß durchweg als Karikatur, nicht unähnlich der Darstellung Hubert von Meyerincks im Film.

Eine zweieinhalbstündige Abendunterhaltung mit Spaß. Doch außer Musical oder Räuberpistole hat das Cottbuser Staatstheater auch gewichtige Opern im Repertoire, Das Brandenburger Theater sollte den Zuschauern in einer klugen Auswahl zukünftig wieder mehr Zutrauen schenken. Ein städtisches Theater ist mehr als eine Spielstätte netter Unterhaltung. Die Symphoniker beweisen es.

Von Klaus Büstrin