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Brandenburg/Havel Wohnen im Waffelfabrik-Denkmal: Lofts in altem Konsü-Werk geplant
Lokales Brandenburg/Havel Wohnen im Waffelfabrik-Denkmal: Lofts in altem Konsü-Werk geplant
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20:37 24.08.2018
Die ehemalige Waffelfabrik wurde wie die Spielwarenfabrik oder Brennabor zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet, charakteristisch sind die Gusseisensäulen. Quelle: privat
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Brandenburg/H

 In manchen Gebäudeteilen riecht es noch nach Waffeln – auch 26 Jahre Leer- und Stillstand später nach dem Produktions-Aus für Konsü Brandenburg. Doch in etwas mehr als zwei Jahren soll die Industriebrache wieder belebt sein von Menschen, die hier wohnen werden.

Marion und Detlef Horn haben sich der Mammutaufgabe angenommen, sind zwei Jahre lang ganz im Stillen alle grundstücks- und nachbarschaftsrechtlichen Probleme angegangen, haben Geh-, Fahr- und Leitungsrechte geklärt und sich um die Altlasten gekümmert. „Wir mussten ja Kontakte zu den Vorbesitzern knüpfen, Vertrauen aufbauen, eine gemeinsame Basis schaffen, schließlich bleiben sie ja unsere Nachbarn“, erzählt Detlef Horn.

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Die Waffelfabrik Konsü Brandenburg war nicht nur ein Produktionsbetrieb, sondern eine Institution in der Stadt. 26 Jahre lang lag sie im Dornröschenschlaf.

Er kümmert sich um die Bürokratie und die Zahlen, seine Frau Marion ums Bauen. „Wir werden das Vorhaben in zwei Bauabschnitten angehen. Im ersten Schritt werden wir 21 Wohnungen herstellen, davon neun Lofts in Größen von 105 bis knapp 160 Quadratmeter. Dabei handelt es sich um einen Teil der Front an der Wredowstraße und entlang des Jakobsgrabens“, erzählt sie. Im anderen Gebäudeteil muss das komplett kaputte Dach ersetzt werden, danach muss die Ruine erst einmal komplett austrocknen. Auch hier seien Wohnungen grundsätzlich vorstellbar, die Horns lassen sich die Nutzungsmöglichkeit erst einmal noch offen.

Im September wollen sie den Bauantrag für den ersten Abschnitt abgeben, die Baugenehmigung erfolgt womöglich im Frühjahr 2019. Dann schließen sich eineinhalb Jahre Bauzeit an, so dass mit einer Fertigstellung im vierten Quartal 2020 zu rechnen ist. Immerhin sind das im ersten Bauabschnitt 2500 Quadratmeter Nutzfläche, im zweiten werden es noch einmal 1800 Quadratmeter sein.

Das gesamte Ensemble steht jetzt unter Denkmalschutz

Seit dem 26. September 2016 ist das Ensemble auch ein Denkmal. „Als Beispiel für den Industriebau der Kaiserzeit und Zeugnis für die vielfältige gewerbliche Produktion in der Stadt Brandenburg besitzt der Fabrikkomplex bau- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung“, begründet Marcus Cante von der Oberen Denkmalbehörde die Eintragung.

Die Horns haben sich eine Menge vorgenommen: So wollen sie an dem 40 mal 16 Meter großen dreigeschossigen Bau am Jakobsgraben die gelben Ziegelklinker genauso freilegen und wiederherstellen wie die Gliederungen und das Erdgeschoss aus roten Ziegeln.

Gusseiserne Stützen sollen zu sehen sein

Die auf Rechteckgröße zurechtgestutzten Fensteröffnungen sollen ihre flachbogigen Stürze wiederbekommen. Und die für die Industriebauten des beginnenden 20. Jahrhunderts typischen gusseisernen Stützen für die Unterzüge der Geschossdecken sollen auch sichtbar bleiben. Dazu gebe es gerade Verhandlungen mit einem Brandschutzgutachter.

Diese Art Stützen sind beispielsweise auch in Brennabor und in der Spielwarenfabrik zu finden. „Bei der massenhaften Denkmaleintragung gleich zu Beginn der 1990er-Jahre ist die Waffelfabrik einfach vergessen worden. Wahrscheinlich, weil zu dieser Zeit gerade noch produziert worden ist“, mutmaßt Detlef Horn.

Der Markt für große Mietwohnungen ist vorhanden

Das Ehepaar, das Immobilien entwickelt sowie an- und verkauft, kennt sich auf dem Markt gut aus. Deshalb hat es sich auch bewusst für Mietwohnungen entschieden. „Ich bin begeistert von den vielen Investitionen in der Stadt, doch meistens in Senioren- und Pflegeimmobilien, teilweise noch in Eigentumswohnungen. Aber auf dem Mietsektor tut sich relativ wenig, zumal auch Wohnungen in der Größenordnung ab 100 Quadratmeter sehr gefragt sind. Das haben wir allein bei unserem Objekt am Altstädtischen Markt selbst erlebt“, sagt Detlef Horn.

Noch keine Angaben zur künftigen Miete

Investitionen in der Größenordnung von 3,5 bis vier Millionen Euro werden im ersten Abschnitt notwendig sein, soweit haben die Bauherren schon gerechnet. Doch zur Höhe des Mietzinses wagen sie noch keine Angaben, dazu sind sie von vielen Faktoren abhängig.

So wollen sie beispielsweise einen Standard „KfW Effizienzhaus Denkmal“ schaffen, mit Dämmputz, Dreifachverglasung und Fußbodenheizung. Es wird allein für die 21 Wohnungen drei Aufzüge im Objekt geben. Der Hof wird von allen nachträglichen Anbauten befreit, hier entstehen Parkplätze, teilweise mit Elektroladesäulen, sowie eine große Fahrrad-Abstellanlage.

Alte Aufnahmen der Konsü-Fabrik gesucht

Eine Bitte an die Brandenburger haben die Horns noch: „Wenn es noch Fotos aus den Produktionszeiten gibt, beispielsweise in den Familien von ehemaligen Mitarbeiterinnen, wären wir sehr dankbar. So können wir uns vorstellen, die Treppenhäuser mit einer solchen Galerie zu dekorieren. Denkbar ist auch, die Durchfahrt zum Hof von einem Graffiti-Künstler nach diesen Motiven gestalten zu lassen.“

Von André Wirsing

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