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Brandenburg/Havel Workshop zum Umgang mit „Judensau“-Schmähplastik im Brandenburger Dom
Lokales Brandenburg/Havel

Workshop zum Umgang mit „Judensau“-Schmähplastik im Brandenburger Dom

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09:36 02.01.2022
Eine als "Judensau" bezeichnete mittelalterliche Schmähskulptur im Kapitell einer Säule im Kreuzgang des Brandenburger Doms.
Eine als "Judensau" bezeichnete mittelalterliche Schmähskulptur im Kapitell einer Säule im Kreuzgang des Brandenburger Doms. Quelle: Christian Sacharowitz
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Brandenburg / H

Wer im westlichen Kreuzgang im Brandenburger Dom nach oben auf die Säulenkapitele schaut, erkennt sie sofort: die verstörende mittelalterliche Schmähplastik einer „Judensau“.

Die Skulptur im Kreuzgang wird auf das Jahr 1230 datiert zeigt eine Sau mit menschlichem Kopf und „Judenhut“, die ihre Jungen säugt und ihre Hand zum Gruß erhebt. Die Plastik ist Ausdruck christlichen Antijudaismus: Das Schwein gilt im Judentum als unrein, in der christlichen Kunst des Mittelalters stand das Tier zudem für den Teufel und damit für das Grundböse.

Workshop zum Umgang mit der Figur

Nach öffentlicher Kritik und Debatten um den Umgang mit ähnlichen Kirchenskulpturen – wie etwa an der Stadtkirche in Wittenberg –hat sich das Domstift Brandenburg und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vorgenommen, das Wissen und die historisch-theologischen Hintergründe der Brandenburger Plastik aufzuarbeiten.

Im Rahmen eines öffentlichen Workshops am 25. Januar soll auch der zukünftige Umgang mit dem Schmähbild diskutiert werden. Zur Diskussion eingeladen sind unter anderem Domkurator, Cord-Georg Hasselmann, die Pfarrerin und Antisemitismusbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Marion Gardei sowie der Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, Andreas Nachama.

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Die Kunsthistorikerin Theresa Jenoch wird bei der Veranstaltung ihre bisherigen Rechercheergebnisse zur Geschichte und Bedeutung der Skulptur im Kreuzgang präsentieren.

Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, Andreas Nachama Quelle: Christamaria Ruch

Rabbiner Nachama: „Es muss etwas getan werden“

Rabbiner Andreas Nachama begrüßt die öffentliche Diskussion um die Brandenburger „Judensau“-Plastik. „Während die theologische Intention solcher Schmähfiguren relativ leicht zu erklären ist, geht es immer auch um die Frage nach dem heutigen Umgang damit“, sagt Nachama, der auch im eigens für die Plastik gegründeten Dom-Beirat sitzt, der MAZ.

Die Frage, ob man die Figur in Kombination mit einer historisch-kritischen Einordnung an Ort und Stelle belassen oder lieber abnehmen und in ein Museum bringen sollte, werde sich aus dem Diskussionsprozess heraus ergeben. „Wir alle sind uns einig, dass etwas getan werden muss“, sagt Nachama.

Anmeldungen für den Workshop am 25. Januar ab 18 Uhr können bis 19. Januar per Mail an stefanie.krueger@dom-brandenburg.de oder telefonisch unter 03381 211 22 29 erfolgen. Vor Ort gilt die 2G Plus-Regel. Die Veranstaltung wird zudem per Livestream übertragen.

Von Jérôme Lombard