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Brandenburg/Havel Würdiges Gedenken an verstorbenen Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg
Lokales Brandenburg/Havel Würdiges Gedenken an verstorbenen Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg
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16:58 11.07.2019
Dietmar Woidke übergibt Katrin Rautenberg das Erardo Rautenberg verliehene Bundesverdienstkreuz am Donnerstag im Paulikloster. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Es wird das Geheimnis des Justizministeriums und der Brandenburger Staatskanzlei bleiben, warum es ein Jahr dauerte, bis sich das Land Brandenburg nach dem Tod des dienstältesten Generalstaatsanwaltes der Bundesrepublik Erardo Christoforo Rautenberg endlich dazu entschloss, ihn im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zu würdigen.

Diese fand nun im Beisein von über 200 geladenen Gästen am Donnerstag im Brandenburger Paulikloster statt. Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gehörte zu den Gästen. Und er hielt, als wollte er das unerklärliche Versäumnis kompensieren, eine würdige und nahegehende Rede.

„Segen für Brandenburg

Es sei, so Woidke, ein Segen für Brandenburg gewesen, dass sich Erardo Rautenberg 1992 entschloss nach Brandenburg zu gehen. Er hätte auch in Karlsruhe oder jedem anderen Ort der Bundesrepublik als Jurist Karriere machen können. Aus seiner Abordnung wurde eine Berufung auf Lebenszeit in einer neuen Heimat.

Gedenken an Erardo Rautenberg. Quelle: Rüdiger Böhme

So wie sein Vorbild Fritz Bauer für Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg, sei Erardo Rautenberg zu einer „Schlüsselfigur“ beim Aufbau der jungen Demokratie geworden. Schon als der 1953 geborene Rautenberg als niedersächsischer Jurist mit argentinischen Wurzeln Anfang der 90er Jahre als leitendender Staatsanwalt in Neuruppin mit seiner Arbeit für den Aufbau der Justiz im Land begann, sei er aufgefallen.

>>LESEN SIE AUCH: Erardo Rautenberg ist tot – ein Nachruf

Von Beginn an, habe ihn die „Aura des Ungewöhnlichen“ umgeben: „Ungewöhnlich jung. Ungewöhnlich locker. Ungewöhnlich offensiv in der Kommunikation.“

Demokratie im Osten verwurzelt

Der junge Staatsanwalt habe die Demokratie im Osten verwurzeln wollen. Und er habe erkannt,dass es dafür ungewohnte Wege brauchte. Gerade in der Zeit nach dem Umbruch sei Rautenberg klar gewesen, dass im Osten nicht nur ein starker Rechtsstaat nötig war.

Sondern vor allem einer, der glaubhaft unabhängig sei. Ein Rechtsstaat, der von der Gesellschaft nicht als Bedrohung, sondern als Beschützer wahrgenommen werde. Und in der auch die Justiz, inclusive des Staatsanwaltes politisch unabhängig reagieren können.

Mit Leidenschaft und Reformfreude habe Rautenberg frischen Wind in die Justiz gebracht. Er habe sich einen guten Namen bei der strafrechtlichen Aufarbeitung des DDR-Systemunrechts gemacht und war schnell als ebenso besonnener wie konsequenter Oberstaatsanwalt in Neuruppin bekannt.

Jüngster „General“ der Republik

Am. 1. März 1996 trat er das Amt des Generalstaatsanwaltes in der Stadt Brandenburg an und wurde Deutschlands jüngster „General“ und wurde ihr langjährigster. Er habe keine Auseinandersetzung und keinen Konflikt gescheut. Rautenberg damals: „Von jemandem, der sich um Recht und Wahrheit kümmern solle, kann man nicht erwarten, dass er der Regierung hörig ist.“

Das bekam selbst die SPD-Ikone Regine Hildebrandt zu spüren, gegen die Rautenberg seinerzeit wegen des Verdachts eines zu laxen Umgangs mit Fördermitteln ermitteln ließ. Schnell, so erinnerte sich Woidke, wurde klar, „dieser Mann ist unbestechlich. Schaut nicht nur zu. Wartet nicht erst, bis es brenzlig wird.“ Den Begriff der „wehrhaften Demokratie“ habe Rautenberg über 20 Jahre lang mit Leben gefüllt.

Feinbild der Rechtsextremen

Mehrere Redner wie Oberstaatsanwalt Eugen Larres, Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad aus Sachsen-Anhalt und Justizminister Stefan Ludwig beschrieben Rautenberg als einen „Mann mit Rückgrat“. Dem Extremismus - egal in welcher Form - habe er sich stets mit aller Macht entgegengestellt.

Hatte er in Neuruppin erlebt, wie fremdenfeindliche Straftaten um sich griffen, so ließ er auch als oberster Strafverfolger keinen Zweifel aufkommen: Er würde alles dafür tun, damit Fremdenhass und Rechtsextremismus keinen Platz haben.

Der Kampf gegen den Nationalismus der Rechtsextremen sei für ihn patriotische Pflicht gewesen. Das wurde auch deutlich, als Rautenberg, nachdem Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt wurde und nicht mehr als Brandenburger Kandidat für den Bundestag zur Verfügung stand, deutlich: Um den Rechten und insbesondere der AfD etwas entgegenzusetzen, warf Rautenberg als Kandidat seinen Hut in den Ring.

Sowohl als Strafverfolger als auch als angehender Politiker nannte er die Dinge beim Namen. „Für die Rechtsextremen war er ein Hassobjekt“, sagt Woidke.

Große Fan von Schwarz-Rot-Gold

Auch, weil Rautenberg sich den Stolz auf sein Land und seine Fahne nicht von den Rechten wegnehmen ließ. Auf seinem Grundstück in der Brandenburger Innenstadt wehte stets das schwarz-rot-goldene Banner. Mit seinem Patriotismus wollte er den Rechtsextremisten den Stützpfeiler ihrer Ideologie entreißen. Gleichzeitig schätzten ihn seine Kollegen über die Maßen, ebenso wie die Studenten der Viadrina, wo er einen Lehrauftrag hatte.

2017 überraschte Rautenberg die Diagnose einer tückischen Krankheit, der er nach langem Kampf am 17. Juli 2018 erlag. Woidke: „Erardo Rautenberg hat Deutschland geliebt. Er hat Brandenburg geliebt, beschirmt und besser gemacht. Wir verdanken Ihm viel.“

Woidke händigte dann das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, das Rautenberg von Steinmeier am 15. Juli 2018, also zwei Tage vor seinem Tod, verliehen bekam, an die Witwe Katrin Rautenberg aus.

Von Benno Rougk

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