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Brandenburg/Havel Sie sollten sagen: „Ich bin Lorette und mache alles“
Lokales Brandenburg/Havel Sie sollten sagen: „Ich bin Lorette und mache alles“
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11:27 27.08.2014
Quelle: dpa
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Brandenburg an der Havel

Die beiden Rumänen, die nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft von einer Landsfrau zur Prostitution gezwungen werden sollten, haben ihre drei Tage in Brandenburg unterschiedlich erlebt. Oder sie erzählen unterschiedliche Geschichten. Der eine berichtet von Drohungen und Zwang, der andere schildert das Geschehen Ende Februar in der Neuendorfer Straße 43 deutlich weniger dramatisch.
Seit dem 5. August steht Roxana S. (31) als Angeklagte vor dem Brandenburger Schöffengericht. Dort kümmern sich gleich drei Rechtsanwälte um die Verteidigung der rumänischen Hure, der die Staatsanwaltschaft Potsdam Menschenhandel vorwirft. Sie habe zwei Landsmänner, inzwischen 31 und 32 Jahre alt, zur Prostitution gezwungen und genötigt.
Beide mutmaßlichen Opfer sind für die deutsche Justiz in Rumänien nicht mehr erreichbar, so dass sie als Zeugen nicht aussagten.

Daher wurde ihre Aussage vor der Ermittlungsrichterin verlesen. Der kleinere und zierlichere der beiden Rumänen hatte die Ermittlungen in Gang gesetzt, weil er aus der Wohnung in der Neuendorfer Straße geflüchtet war und sich dann an die Polizei wandte.

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Nach seiner Darstellung versprach ihm die Angeklagte eine Arbeit in einem deutschen Restaurant und lockte ihn so in den Reisebus nach Köln. Erst in Deutschland habe die Frau ihm eröffnet, dass er als Prostituierter in Brandenburg Männern zu Diensten sein solle. Die Pässe habe sie ihm und dem Freund abgenommen.
Roxana S. habe ihn und seinen Landsmann, der mit ihm in einem Kinderheim aufgewachsen sei, in der Wohnung des Rotlicht-Hauses in der Neuendorfer Straße eingesperrt, Damenslips und Spitzen für beide gekauft, sie mit Frauenkleidern ausgestattet, sie geschminkt und sie dazu angehalten, mit einem Rasierer von Kopf bis Fuß die Behaarung zu entfernen.

Ermittlungsrichterin Reinhild Ahle (49) berichtete gestern als Zeugin, wie der Rumäne vor ihr seinen Pullover gelupft habe, um das Resultat zu zeigen. Roxana S. habe Fotos von ihm und seinem Kumpel „in allen möglichen Stellungen“ gemacht, um damit im Internet um Freier zu werben. Auf einer Serviette habe gestanden, was die beiden den Kunden auf deutsch sagen sollen: „Ich bin Lorette und mache alles.“ Es folgten Details und die Preisangaben: 50 Euro mit Kondom, 100 Euro „ohne Ballon“.
Für den Fall, dass sie sich wehren, habe Roxana S. damit gedroht, sie würde sie „umbringen, so wie Ilodia ihr Leben lassen musste, weil sie nicht gespurt hat“. Weil mehrmals Männer auftauchten, habe er „Sterbensangst“ gehabt, sagte der Zeuge.

Sein Freund dagegen berichtete der Polizei und der Ermittlungsrichterin, er habe zwar zunächst in einer Bar arbeiten sollen, doch er sei auch mit der Prostituiertenrolle einverstanden gewesen, da er schon zuvor angeschafft habe. Ob der Mann diese Aussage womöglich aus Angst um sein späteres Leben gemacht hat, blieb auch gestern im Gericht unklar.

Von Jürgen Lauterbach

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