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Brandenburg/Havel Amtsdirektor will die Wölfe jetzt vergrämen
Lokales Brandenburg/Havel Amtsdirektor will die Wölfe jetzt vergrämen
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13:02 22.02.2018
Ziesars Amtsdirektor Norbert Bartels Quelle: Silvia Zimmermann
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Amt Ziesar

Verwaltungschef Norbert Bartels hat auf die Sorgen der Einwohner in Steinberg (Gemeinde Buckautal) reagiert. Entsprechend der Brandenburgischen Wolfsverordnung stellte der Amtsdirektor beim Landesumweltamt einen „Antrag auf Festlegung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen zur Vergrämung von Wölfen mit auffälligem Verhalten.“

Nur die Behörde darf über Vergrämung entscheiden

Nur diese Behörde entscheidet ob, wann und wie ein auffälliger Wolf vergrämt werden darf. Das können Warn- oder Schreckschüsse, Gummigeschosse, Scheinwerfer oder akustische Geräte sein. Den Wölfen dürfen keine Verletzungen zugefügt werden, die über kleine Hautwunden oder Hämatome hinausgehen, heißt es in der Verordnung.

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In Steinberg nahe Ziesar tappen Wölfe beinahe jede Nacht in die aufgestellte Fotofalle. Mitte Februar hatte ein Wolf durch einen Stabgitterzaun hindurch die Terrierhündin Angie angegriffen und schwer verletzt. Die Bewohner sind seitdem verunsichert.

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„Wir werden sehen, wie tauglich die Verordnung in der Praxis ist“, sagte Amtsdirektor Bartels der MAZ. Er begründet den Vergrämungsantrag mit wiederholten Beobachtungen von Wölfen im Ort und in unmittelbarer Siedlungsnähe.

„Wegen der offensichtlich nicht mehr vorhandenen Scheu des Wolfes vor dem Menschen ist eine Gefährdung für den Menschen nicht auszuschließen“, schreibt der Amtsdirektor an das Landesumweltamt.

Ein Wolf an einem Grundstückszaun in Steinberg. Quelle: Privat

Indes hat der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Jens Schreinicke, Kritik am Landesumweltamt geübt. Eine Weidetierhalter aus dem Südosten des Kreises hat am 17. Januar einen Antrag auf „Entnahme“ eines Rudels gestellt.

Erneut gab es einen Wolfsangriff – diesmal in Neschholz

„Bis jetzt ist keine schriftliche Eingangsbestätigung erfolgt“, kritisierte Schreinicke auf der Jahresversammlung des KBV.

Nach der folgenschweren Attacke auf die Hündin Angie vor einer guten Woche gab es nun in der Nacht zum Montag eine weitere Wolfsattacke. Diesmal traf es den Damwildhalter Werner Niendorf aus Neschholz bei Bad Belzig. Ein Wolf riss ein trächtiges Alttier und flüchtete erst, als Niendorf hinzukam.

Wolfsriss-Gutachter Kay-Uwe Hartleb sicherte die Beweise. Niendorf will nun sein Gatterwild abschaffen: „Ich produziere doch kein Wolfsfutter.“

Von Frank Bürstenbinder