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Brandenburg/Havel Ziesars Amtsdirektor baut mit
Lokales Brandenburg/Havel Ziesars Amtsdirektor baut mit
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06:07 23.09.2017
Spätestens in drei Jahren werden bei Steinberg Küken zu Legehennen aufgezogen. Das Land hat den Bau der Anlage genehmigt Quelle: MAZ
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Steinberg

Im Altkreis Brandenburg kann ein neues Landwirtschaftsunternehmen an den Start gehen. Die Agrarhof Steinberg GmbH hat den Genehmigungsbescheid für den Bau einer Junghennenanlage erhalten. Das hat Pressesprecher Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz der MAZ auf Nachfrage bestätigt. Der Antrag für die in der Öffentlichkeit nicht unumstrittene Investition war 2013 bei der Behörde eingegangen.

Wie Frey mitteilte, soll die öffentliche Bekanntmachung und Auslegung der Genehmigung etwa Mitte Oktober erfolgen. Ab dann läuft die Frist in der Anlagengegner juristische Schritte gegen die Entscheidung des Landesumweltamtes einleiten können. Kritiker von großen Aufzuchtanlagen wie das Bündnis Tierfabriken-Widerstand hatten im Vorfeld angekündigt, dieses Projekt stoppen zu wollen. Eine Bürgerinitiative sammelte nach Bekanntwerden der Pläne über 1300 Unterschriften gegen das Projekt. Während der öffentlichen Auslegung der Antragsunterlagen gingen 483 Einwendungen ein. Ganz drei Tage dauerte deshalb die Erörterung.

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Die Genehmigungsbehörde sieht dagegen nach mehrjähriger Prüfung keine Gründe mehr, den Bau der Junghennenanlage zu versagen. „Die Auflagen und Standards sind hoch. Sämtliche Nachweise sind erbracht worden“, sagte Mitgesellschafter Norbert Bartels aus Steinberg auf Nachfrage. Bartels ist auch Verwaltungschef im Amt Ziesar. Er betreibt einen bäuerlichen Familienbetrieb im Nebenerwerb. Zum Ausbringen des Geflügelmists stellt er sowohl eigene als auch vertraglich gebundene Flächen zur Verfügung. Auch darüber waren beim Landesumweltamt Nachweise zu erbringen. Bartels verteidigt den Geflügelbetrieb: „Nur mit Tierhaltung kann die Landwirtschaft unsere leichten Böden veredeln. Mit Roggen allein ist kein Geld zu verdienen.“ Die Aufzuchtanlage soll mit zwei bis drei Arbeitskräften auskommen.

Die Autobahn wird Steinberg von dem künftigen Geflügelbetrieb trennen. Quelle: Dirk Fröhlich

Vorgesehen ist der Bau von zwei 100 Meter langen Ställen für je 50 000 Tiere. Diese werden als weibliche Eintagsküken aus einer Brüterei in die Anlage gebracht und in mit Hobelspänen ausgelegte Volieren bis zur Legereife aufgezogen. Nach 18 Wochen ist die Zeit der Junghennen in Steinberg vorbei. Sie werden dann in andere Stallanlagen der Eierproduktion abtransportiert. Mit der Junghennenaufzucht wird die Agrarhof Steinberg GmbH als Zulieferer für die Marke Wiesenhof (PHW-Gruppe) fungieren. So wie inzwischen weitere rund 700 Aufzuchtbetriebe. Eine von fünf Wiesenhof-Brütereien befindet sich im nicht weit entfernten Möckern (Jerichower Land). Eine andere im havelländischen Ketzin.

Wiesenhof geriet in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik der Medien wegen der Verletzung von Hygienevorschriften, Tierschutzverletzungen und schlechter Arbeitsbedingungen. In Potsdam-Mittelmark betreibt Wiesenhof nahe Bad Belzig eine Brut- und Aufzuchtanlage für Enten (Duck-Tec). Als Bauplatz für die Junghennenanlage inklusive eines Sozialtraktes ist ein Grundstück auf der Nordseite der Autobahn 2 nahe der Steinberger Autobahnbrücke vorgesehen. Während die Gemeindevertreter von Buckautal dem Projekt bereits 2015 mehrheitlich zustimmten, befürchten Kritiker von der Anlage ausgehenden Gestank, zunehmende Atemwegserkrankungen und multiresistente Keime, die über die Lüftung in die Umgebung gelangen würde.

In der Nachbarkommune Ziesar hatten die Stadtverordneten die Junghennenanlage mehrheitlich abgelehnt. Für die nicht weit von der künftigen Geflügelhaltung entfernte ehemalige Molkerei Steinberg-Glienecke stellte Waffel-Hersteller Jörg Stenger bereits 2014 den Fortbestand der Produktion von Spezialwaffeln für Diabetiker in Frage, sollte in der Nachbarschaft eine Massentierhaltung die Luft mit Keimen belasten. Die Genehmigung für den Bau der Stallanlage hat eine Gültigkeit von drei Jahren.

Von Frank Bürstenbinder

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