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Brandenburg/Havel Zu viele Kinder in zu kleinen Kitas
Lokales Brandenburg/Havel Zu viele Kinder in zu kleinen Kitas
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17:25 05.01.2018
Bensdorfs Kita-Leiterin Cornelia Krenek begrüßt den Beschluss für einen Anbau. Zusätzliche Räume würden die Betreuung der Kinder und die Arbeitsbedingungen für das Erzieherteam verbessern. Quelle: Rüdiger Böhme
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Bensdorf/Wusterwitz

Ein letztes gemeinsames Lied, dann verabschiedet Cornelia Krenek ihre Schützlinge in den Mittagsschlaf. Über 30 Mädchen und Jungen besuchen die Bensdorfer Kita „Sonnenschein“. Nach einer Warteliste könnten es mehr sein. Doch der Platz ist knapp. Deshalb ist die Kita-Leiterin zufrieden mit dem jüngsten Beschluss der Gemeindevertreter: „Der Bedarf ist da, weil weiter junge Familien mit Kindern ins Dorf ziehen.“

Die Kommune will für die öffentliche Einrichtung in der Altbensdorfer Lindenstraße einen Anbau auf die Beine stellen. Rund 210 000 Euro sind dafür im Haushaltsplan 2018 eingestellt. „Zwar wird mit der Investition die Platzkapazität nicht erhöht, doch die Betreuung der Kinder und die Arbeitsbedingungen für das Erzieherteam bekommen eine neue Qualität“, erklärt die Wusterwitzer Amtsdirektorin Ramona Mayer. Dabei drängt die Zeit. Der Betrieb mit über 30 Kindern läuft seit Jahren nur mit einer Sondergenehmigung des Landesjugendamtes. Diese läuft letztmalig 2019 ab. Der Anbau ist schon deshalb nötig, um die Platzkapazität von 35 Kindern in Bensdorf für die Zukunft zu erhalten.

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Auch die Wusterwitzer Kita soll nach dem Willen der Gemeinde ausgebaut werden. Quelle: Rüdiger Böhme

Neben Bensdorf will der zweite Kita-Träger im Amtsbereich ebenfalls seine Einrichtung mit einem Anbau entlasten. Mit 155 Kindern platzt die Kita „Schwanennest“ der Gemeinde Wusterwitz aus allen Nähten. Eigentlich sieht die Betriebserlaubnis nur eine Kapazität von 135 Kindern vor. Auch in Wusterwitz musste deshalb eine Ausnahmegenehmigung her, um wenigstens einigen zusätzlichen Eltern die Möglichkeit der Kinderbetreuung zu geben.

Doch Ende August 2019 läuft auch für die Kita in der Rosa-Luxemburg-Straße die Zeit der Sondererlaubnis ab. Bei den zusätzlichen Räumen geht es darum, die gesetzlichen Mindestanforderungen für 155 Plätze zu erfüllen. So hatten es die Gemeindevertreter noch vor dem Jahreswechsel beschlossen. „Ich kann nur hoffen, dass es mit einem Anbau bald klappt. Denn für die nächsten Jahre sehe ich bei den Kita-Plätzen keine Entspannung. Wusterwitz ist bei jungen Familien als Wohnstandort sehr beliebt“, berichtet Kita-Leiterin Kerstin Tennigkeit. Nach ersten Berechnungen soll der Anbau in Wusterwitz 417 000 Euro kosten.

Die Wusterwitzer Amtsdirektorin Ramona Mayer. Quelle: JACQUELINE STEINER

Bei der Umsetzung der Baumaßnahmen hoffen Wusterwitz und Bensdorf auf staatliche Zuschüsse. Diese könnten bis zu 60 Prozent aus dem Investitionsprogramm des Bundes für die Kindertagesbetreuung bedeuten. Beide Gemeinden haben über das Amt fristgerecht Förderanträge eingereicht. „Wir sind angehalten, diese Anträge nun mit Konzeptionen und Planungsleistungen zu qualifizieren. Daran wird gerade gearbeitet“, kündigte Amtsdirektorin Mayer an.

Ob Wusterwitz und Bensdorf ein Stück vom Förderkuchen abbekommen, ist derzeit offen. Für beide Kitas wurde die Bedarfsplanung im Einvernehmen mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark überarbeitet. Einig sind sich die Fachleute, dass in beiden Gemeinden auf Grund von Geburtensteigerungen und Zuzüge ein erhöhter Bedarf an Kita-Plätzen besteht. Doch damit bildet das Amt Wusterwitz bekanntlich keine Ausnahme. Eine Prioritätenliste im Landkreis wird wohl darüber entscheiden, welche mittelmärkischen Kita-Standorte vom neuen Investitionsprogramm profitieren werden. Bis 2021 hält der Bund etwa 1,1 Milliarden Euro bereit, um rund 100 000 zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder bis zum Schuleintritt zu schaffen.

Von Frank Bürstenbinder