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Brandenburg/Havel Zuchthaus-Befreiung Brandenburg: Gedenken an 1945 nur online
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Zuchthaus-Befreiung Brandenburg: Gedenken an 1945 nur online

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14:15 07.04.2021
Gedenkstättenleiterin Sylvia de Pasquale (3. von links), hier bei einer Führung 2016.
Gedenkstättenleiterin Sylvia de Pasquale (3. von links), hier bei einer Führung 2016. Quelle: Heiko Hesse
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Brandenburg/H

Das Gedenken an die Befreiung des Brandenburger Zuchthauses findet in diesem Jahr nur im Internet statt. Zur Erinnerung an die Opfer des NS-Strafvollzugs und der Hinrichtungen will die Gedenkstätte am 25. April um 13.30 Uhr ein Video veröffentlichen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Gedenkstätte hervor.

Nach einer Begrüßung durch Sylvia de Pasquale, Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden, sprechen Oberbürgermeister Steffen Scheller und Landesinnenminister Michael Stübgen (beide CDU) und legen Kränze nieder. Die Ansprachen werden aufgezeichnet. Aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen ist die Veranstaltung nicht öffentlich.

Vor den Toren der Stadt, am Rande des Gördenwaldes, ist das Zuchthaus in den 1920er Jahren errichtet worden - hier auf einem Foto um 1929. Das Foto ist in der Dauerausstellung zur Zuchthaus-Geschichte in der alten Direktorenvilla zu sehen. Quelle: Heiko Hesse

In dem Video, das am 25. April läuft, kommen auch Angehörige von Inhaftierten, Sicherungsverwahrten und Hinrichtungsopfern zu Wort. Sie sprechen in Videobotschaften über das Schicksal ihrer Familienmitglieder im Nationalsozialismus und die Bedeutung der Erinnerung.

Dieses Gedenken ist Teil des speziellen Online-Programms der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Es bietet verschiedene digitale Veranstaltungen zwischen dem 8. April und dem 10. Mai an. Ein Videoclip über die Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden geht am 10. April online. Dieser gibt Einblick in die historische Zuchthausanlage, die Gedenkstätte und ihre Ausstellung.

In diesem Haus in der Anton-Saefkow-Allee 38 lebte einst der Leiter des Brandenburger Zuchthauses – hier wird heute über das Zuchthaus und seine Geschichte informiert. Quelle: Marion von Imhoff

Mit der „Sicherungsverwahrung im Zuchthaus Brandenburg-Görden 1936-43“ befasst sich ab dem 24. April ein weiterer Beitrag. 1934 führte die NS-Justiz für wiederholt Straffällige die zeitlich unbegrenzte Sicherungsverwahrung ein. Ab 1936 waren solche Männer in Brandenburg-Görden eingesperrt. 1942 fassten die Nationalsozialisten den Entschluss, alle Sicherungsverwahrten an die Konzentrationslager auszuliefern, um sie dort zu ermorden. Einer von ihnen war Karl Heile, der die Torturen im KZ überlebte. Über sein Schicksal berichtet sein Enkel.

Arnd Weider zeigt besondere Fotos

Am 3. Mai wird die Foto-Ausstellung „Die Anstalt (part II.)“ online eröffnet. Die denkmalgeschützte Zuchthausanlage auf dem Görden wurde in den 2000er-Jahren umfassend modernisiert. Nur ein Trakt blieb davon unberührt. „Diesen zeigt der Fotograf Arnd Weider in kunstvollen Aufnahmen und vermittelt damit einen Eindruck der historischen Strafanstalt. In einem Videointerview reflektiert der Künstler seine Arbeit“, teilt die Gedenkstätte mit.

Das Online-Programm wollen Stiftungsdirektor Axel Drecoll (Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen), Andrea Genest (Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) und Sylvia de Pasquale (Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden) das Programm am Donnerstag, 8. April, um 18 Uhr in einer Online-Veranstaltung live eröffnen. Zu sehen ist dies über die Webseite www.rememberliberation.stiftung-bg.de, die allerdings erst am Donnerstag, 8. April, freigeschaltet wird.

Neue Ausstellung mit Bruchstücken von 1945

Anschließend wird die Sonderausstellung „Bruchstücke ’45. Von NS-Gewalt, Befreiungen und Umbrüchen in Brandenburg“ der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in einer 360-Grad-Variante freigeschaltet. Eine digitale Grußbotschaft von Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, und eine Live-Einführung von Maren Jung-Diestelmeier, Kuratorin der Gesamtausstellung und Projektkoordinatorin, eröffnen die 360-Grad-Ausstellung.

Die Schau zeigt 45 Dinge, die übrig blieben oder sorgsam verwahrt wurden. Sie sind Ausgangspunkte für 45 Geschichten. Fünf Gedenkstätten an Orten ehemaliger Konzentrationslager und anderer Haftorte in verschiedenen brandenburgischen Regionen erzählen anhand der Bruchstücke, was hier 1945 passierte. Die Ausstellung findet man im Netz unter www.bruchstuecke45.de.

Anmeldung für geführten Rundgang

Am Donnerstag, 8. April, um 19.30 Uhr gibt es für eine begrenzte Teilnehmerinnenzahl einen geführten Rundgang durch die Bruchstücke-Ausstellung. Bis zum 8. April um 14.30 Uhr kann man sich für diese Führungen mit dem Betreff „Online Führung 8.4. deutsch (bzw. englisch)“ anmelden unter 1945@gedenkstaette-sachsenhausen.de.

Von MAZ