Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Zuchthaus Brandenburg: Das feste Haus draußen vor der Stadt
Lokales Brandenburg/Havel Zuchthaus Brandenburg: Das feste Haus draußen vor der Stadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:36 20.04.2019
Inhaftierte beim Hofgang im früheren Zuchthaus Brandenburg um 1900. Quelle: Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden
Brandenburg/H

Die Stadt Brandenburg an der Havel war bereits seit 1820 Standort eines Zuchthauses der Preußischen Justizverwaltung. Es war das ehemalige Landarmenhaus und lag vor den Toren der Altstadt. Das erste Zellenhaus war in dem Gebäude, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg die Brandenburger Stadtverwaltung einzog.

Bauliche Mängel und Reformen im Strafvollzugswesen während der Weimarer Republik führten zu dem Plan eines Neubaus, der am Rande der Stadt nahe der alten Kolonie Görden und direkt neben der Nervenklinik realisiert wurde. Die Bauarbeiten begannen 1927 und wurden 1936 abgeschlossen.

Das erste große Zuchthaus entstand im Jahre 1820 vor dem Plauer Tor, heute am Nicolaiplatz gelegen. Als es 100 Jahren zu klein und zu marode war, baute man im Gördenwald eine neue Anstalt.

Das Zuchthaus auf dem Görden sollte sowohl modern und sicher sein als auch einem reformierten humanen Erziehungsstrafvollzug dienen. Im Dezember 1931 wurden die Gefangenen des alten Zuchthauses in den Neubau überstellt. Bei Fertigstellung der letzten Gebäude 1936 war das Brandenburger eines der größten Gefängnisse des Deutschen Reiches.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 erfuhr das Strafvollzugswesen einschneidende Veränderungen. Haft sollte fortan ein „empfindliches Übel“ sein. Das Zuchthaus Brandenburg-Görden wurde ein exemplarischer Ort des unmenschlichen und von rassistischen und sozialbiologischen Maßnahmen geprägten nationalsozialistischen Strafvollzugs.

Nazis wollten die Menschen brechen

Die Häftlinge litten unter Hunger, einem strengen Haftregime sowie harten und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen. Hunderte vermeintlich „asoziale“ Gefangene wurden zur „Vernichtung durch Arbeit“ an die Konzentrationslager überstellt.

In einer Garage des Zuchthauses richtete man 1940 eine Hinrichtungsstätte der NS-Justiz ein. Dort wurden 2032 Männer aus zahlreichen europäischen Ländern getötet. Die überwiegende Mehrheit von ihnen war aus politischen Gründen zum Tode verurteilt worden. Ein Teil hatte Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime beziehungsweise die Besetzung ihrer Heimat geleistet, andere hatten Kritik an der NS-Führung oder am Krieg geübt.

Als die Rote Armee endlich kam

Einheiten der Roten Armee befreiten die Häftlinge im April 1945. Ab 1950 fiel die Zuständigkeit für die Anstalt an das Innenministerium der DDR. Die Strafanstalt auf dem Görden war mit bis zu 4000 Männern belegt, darunter waren neben NS-Belasteten und Kriminellen auch viele Gegner der SED-Diktatur.

Sie litten unter Menschenverachtung und Willkür, schlechter Versorgung und harten Strafen. DDR-Staatssicherheit und Kriminalpolizei kontrollierten die Gefangenen, hörten sie ab und ließen sie bespitzeln. Gefangenenproteste 1989/90 führten schließlich zu zahlreichen Amnestien für Inhaftierte, die aufgrund eines politischen Urteils in der Strafanstalt einsaßen.

Grundlegend modernisiert

Seit 1992 wird die Strafvollzugsanstalt als Justizvollzugsanstalt des Landes Brandenburg genutzt, die mit den Jahren grundlegend modernisiert wurde. Etliche Neubauten ergänzen das denkmalgeschützte Ensemble in der Anton-Saefkow-Allee.

Ein Gedenkort an der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte wurde schon 1949 eingerichtet. Im inneren Sicherheitsbereich der heutigen Justizvollzugsanstalt gelegen, war und ist er für die Öffentlichkeit nur schwer zugänglich. Daher eröffnete die Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden im April 2018 eine moderne und frei zugängliche Dauerausstellung in der ehemaligen Dienstwohnung des Zuchthausdirektors.

Befreiungsfeier am 28. April

Die Befreiungsfeier wird am 28. April 2019 um 13.30 Uhr an der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte stattfinden. Alle Interessierten sind dazu eingeladen.

Im Anschluss kann man an einer öffentlichen Führung durch die neue Dauerausstellung teilnehmen.

Die Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden befindet sich in der Anton-Saefkow-Allee 38 in 14772 Brandenburg an der Havel. Vor dem Haus hält die Straßenbahn-Linie 1.

Die Dauerausstellung ist donnerstags und freitags in der Zeit von 13 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen über die Ausstellung gibt es im Internet unter www.stiftung-bg.de

Die Ausstellung „Auf dem Görden. Die Strafanstalt Brandenburg im Nationalsozialismus (1933–1945) und in der DDR (1949–1990)” befindet sich gut 200 Meter vom Haupteingang der JVA entfernt. Führungen und ein pädagogisches Angebot richten sich an Schulklassen, Jugendgruppen und andere Interessierte.

Die Gedenkstätte war seit 1949 stets ein Ort internationaler Ausstrahlung. Dies liegt vor allem auch am hohen Anteil ausländischer Gefangener, die seit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs als Zwangsarbeiter oder Widerstandskämpfer auf dem Görden inhaftiert waren oder hier hingerichtet wurden.

Gedenken an norwegischen Häftling

Diese Internationalität wird erneut bei der Gedenkveranstaltung anlässlich des 74. Jahrestages der Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden deutlich. In diesem Jahr wird der Norweger Martin Blindheim vom Schicksal seines Vaters Martin Edvard Blindheim berichten.

Dieser war 1942 als norwegischer Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung seiner Heimat von der Gestapo festgenommen worden. 1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof in Berlin zum Tode. Er wurde ins Zuchthaus Brandenburg-Görden überstellt und wartete dort auf seine Hinrichtung.

Ein Bombentreffer auf den Wagen, in dem sich der Vollstreckungsbefehl für Martin Edvard Blindheim befand, rettete ihm das Leben. Am 27. April 1945 erlebte er mit ungefähr 3500 weiteren Gefangenen die Befreiung durch die Rote Armee.

Von Lisa Quaeschning

Zum zweiten Mal ist der Prozess gegen zwei Schwerverbrecher vor dem Schöffengericht Brandenburg geplatzt. Der Zeuge hatte Angst und ist weggeblieben. Einer der Kinderquäler durfte vom Gefängnis zum Gericht radeln.

19.04.2019

Vele hundert Besucher starteten Gründonnerstag am Seelenbindersportplatz beschwingt in die Osterzeit – DJ Teddy und das Duo „Herren KaLeun“ locken zum Tanzen.

19.04.2019

Am Gründonnerstag loderten die ersten Osterfeuer. In Radewege und Ketzür ließen sich die Veranstalter nicht von der Aufregung um die Trockenheit anstecken. Auch Amtsdirektor Guido Müller blieb cool.

19.04.2019