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Brandenburg/Havel Zukunft der Rentnerin nach Zwangsräumung ungewiss
Lokales Brandenburg/Havel Zukunft der Rentnerin nach Zwangsräumung ungewiss
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14:28 16.11.2019
Im Oktober musste die 71 Jahre alte Brandenburgerin ihre Wohnung verlassen. Im Rahmen der Zwangsräumung wurde sie in die Psychiatrie gebracht. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Auf der Straße sitzt sie zum Glück nicht, die Rentnerin aus der Klingenbergsiedlung in Brandenburg an der Havel, die dort am 10. Oktober ihre Wohnung auf dem Weg der Zwangsräumung verloren hat. Doch auch wenn sie nicht hungern und frieren muss, in geregelten Bahnen läuft das Leben der offenkundig kranken 71-Jährigen längst noch nicht.

Die MAZ hatte in einem viel gelesenen Text über den Fall der Frau berichtet, die in einem längeren Prozess krankheitsbedingt die Kontrolle über ihr Leben verlor und aus dem gleichen Grund gut gemeinte Hilfe nicht annehmen will.

So kam es, dass die Rentnerin wichtige Rechnungen nicht bezahlte, insbesondere nicht ihre Miete. Verwandte hatten keinen Zugriff auf ihr Konto, um Rechnungen zu begleichen und die Zwangsräumung dadurch abzuwenden.

Aus der Wohnung in die Psychiatrie

An jenem 10. Oktober rückten die Gerichtsvollzieherin, Mitarbeiter des städtischen Sozialamtes, Polizisten und Rettungskräfte an, um die säumige Mieterin, die deutlich protestierte, vom Frühstückstisch weg aus ihrer Wohnung zu entfernen.

Ihre Verwandten würden die Tante gerne in einer betreuten Wohngruppe unterbringen – doch die Wartelisten sind lang. Quelle: JACQUELINE STEINER

Seither befindet sich die Tante von Stephanie Meißner im psychiatrischen Krankenhaus auf dem Görden. Ein Dauerzustand kann aber auch das nicht sein. Wie die Nichte berichtet, läuft die Frist Mitte Dezember ab. Bis dahin sollte eine Lösung gefunden sein.

Nichte ist erst einmal Betreuerin

Die Nichte, eine berufstätige Mutter, hat mit Unterstützung des Amtsgerichts Brandenburg erst einmal die Betreuung der kinderlosen 71 Jahre alten Frau übernommen. Ob es dabei bleiben wird, ist ungewiss. Denkbar ist, dass die Tante aufgrund ihrer Krankheit die gute Absicht nicht erkennt und nach einer anderen Betreuung verlangt.

Die ersten Tage im Krankenhaus waren nach Kenntnis von Stephanie Meißner schwierig. Die Patientin wollte nichts essen. Bis heute bestreitet sie, dass sie sich in einem Krankenhaus befindet.

Krankenhaus als Gefängnis wahrgenommen

Die Schutzvorrichtungen in der Psychiatrie missdeutet sie. „Sie sagt Gefängnis dazu, nicht Krankenhaus“, berichtet die Nichte. Als Beleg dafür zeige sie auf die Gitter. Trotzdem scheint sich die Rentnerin – auch mithilfe von Medikamenten – ein bisschen in der ungewohnten Umgebung eingelebt zu haben.

Ihre Verwandten sind froh, dass die in gesunden Zeiten so liebe und hilfsbereite Frau nicht fixiert werden muss und den vielen Fremden gegenüber ihr freundliches Gesicht zeigt. Auf der anderen Seite macht sie denen, die ihr nahe stehen, schnell Vorwürfe. Etwa, dass sie sie in einen Bunker in Neuendorf gesperrt hätten.

Sie glaubt noch an ihre alte Wohnung

Wie es heißt, ist die Patientin freundlich gegenüber den Pflegern und Schwestern. Außerdem isst sie inzwischen, nascht angeblich sogar gelegentlich heimlich in der Küche. Ihre wahre Situation versteht sie aufgrund ihrer Krankheit nicht oder will sie nicht wahrhaben. „Meine Tante glaubt immer noch, dass sie ihre Wohnung hätte“, erzählt Stephanie Meißner.

Doch diese Wohnung ist längst geräumt. Gerichtsvollzieherin und Vermieter waren zum Glück kooperativ. Die Verwandten durften nach der Zwangsräumung noch in die Wohnung und persönliche Dinge ihrer Tante herausholen.

Dazu gehören außer persönlichen Erinnerungsstücken und Fotos auch Kleider. Sie habe immer Wert auf ihr Äußeres gelegt und tut das auch in ihrer Krankheit noch, heißt es aus ihrem Umfeld. Also hat die Familie der 71-Jährigen die eigenen Kleider und den Schmuck in die Klinik gebracht. Damit sie auch an diesem ungewohnten Ort adrett angezogen sein kann, so wie es ihr immer wichtig war.

Wie lange die relative Ruhe anhalten wird, weiß niemand. Ob die Frau vielleicht auf die gerontopsychiatrische Station verlegt wird, also in die Abteilung, die spezialisiert ist auf psychisch erkrankte alte Menschen, ist ungewiss.

Wohngruppe als noch ferne Option

Stephanie Meißner würde es viel lieber sehen, wenn ihre Tante künftig in einer betreuten Wohngruppe leben könnte. In Dingen wie Ordnung und Reinlichkeit sei sie noch fit. Demenz-Wohngruppen gibt es in Brandenburg/Havel.

Die Betreuerin hat sich auch schon umgeschaut und etwas Passendes entdeckt. Das Problem dabei sind aber nicht nur die Tante und ihr Eigenwille. Die Plätze in solchen spezialisierten Wohngruppen sind rar, es gibt lange Wartelisten.

Für die Besitztümer aus der geräumten Wohnung ihrer Tante hat Stephanie Meißner eine Garage gemietet. Die Kleider hängen nun in eigens dafür vorgesehenen Kisten. Ihre Besitzerin kann sie jederzeit bekommen und sich damit schick machen.

>>Lesen Sie dazu auch: So lief die Zwangsräumung am 10. Oktober ab

Von Jürgen Lauterbach

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