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Brandenburg/Havel Zweieinhalb Jahre Haft für Brandstifter von Treuenbrietzen
Lokales Brandenburg/Havel Zweieinhalb Jahre Haft für Brandstifter von Treuenbrietzen
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12:17 19.07.2019
Die Feuerwehr evakuierte am 13. September acht Menschen aus dem Haus in der Bäckerstraße, Ecke Großstraße in Treuenbrietzen.
Die Feuerwehr evakuierte am 13. September acht Menschen aus dem Haus in der Bäckerstraße, Ecke Großstraße in Treuenbrietzen. Quelle: Feuerwehr Treuenbrietzen
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Brandenburg/H

Das Schöffengericht Brandenburg/Havel hat den Brandstifter von Treuenbrietzen in dieser Woche zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Weil das Gericht die Gefahr sieht, dass der 38 Jahre alte Grieche flüchten könnte, muss er bis zum regulären Haftantritt im Untersuchungsgefängnis bleiben.

Nikolaos A. hat nicht viel Zeit in Treuenbrietzen verbracht. Am Abend des 11. September 2018 holte sein avisierter Chef, Betreiber eines griechischen Restaurants in Treuenbrietzen, den Küchenhelfer vom Busbahnhof in Berlin ab.

Nach einem Tag Arbeit gekündigt

Am 12. September arbeitete er einen Tag lang in der Küche des Lokals. Am 13. September war er schon entlassen, sollte seine Koffer packen und seiner Wege gehen. Ähnliches, also die rasche Kündigung, hat der ungelernte Mann schon wiederholt in verschiedenen griechischen Lokalen erlebt.

>>Lesen Sie mehr zur Vorgeschichte hier.

Doch diesmal räumt er nicht einfach das Feld. Am Morgen des 13. Septembers steht er wegen der abermaligen Kündigung frustriert in seinem Zimmer, das ihm der Gastwirt in zweiten Stockwerk über dem Restaurant noch für die eine Nacht überlassen hat.

Nirgendwo angekommen

„Mir ist in dem Moment bewusst geworden, dass ich es nicht schaffe, irgendwo einmal anzukommen“, schildert der Angeklagte dem Brandenburger Gericht seine damalige Gemütslage. In seiner aufgestauten Wut nimmt er einen Schwung persönliche Papiere und zündet sie mit seinem Feuerzeug an.

Das brennende Papier wirft er in seinen geöffneten Koffer am Bettrand. Die Fleece-Jacke im Koffer fängt Feuer. Die Flammen greifen über auf Kissen, Laken und Bettdecke. Und auf den Laminat-Fußboden, was für die rechtliche Bewertung des Falles von großer Bedeutung ist. Denn der Fußboden gilt als wesentlicher Bestandteil des Gebäudes, das Anzünden damit als Verbrechen, als schwere Brandstiftung.

Zimmernachbarn in Gefahr

Was die Sache verschlimmert ist, dass Nikolaos A. nur an sich und seinen Frust denkt, sich aber nicht um die gefährdete Gesundheit seiner Zimmernachbarn schert. Nebenan schlafen zwei Kollegen in getrennten Zimmern. Im Stockwerk darunter zwei Familien und einzelne Bewohner.

Der Küchenhelfer sieht es brennen im Zimmer und geht einfach. Aus einiger Entfernung hört er die Feuerwehrsirenen. Dass Hilfe naht, scheint ihn zu beruhigen.

Das Feuer hat zum Glück nicht die schlimmsten Folgen. Eine Passantin macht die Restaurantbetreiber rechtzeitig auf den Rauch aufmerksam, der aus dem Fenster im Dachgeschoss steigt. Bis die Feuerwehr eintrifft, alarmieren Mitarbeiter die Bewohner. Die Familie kommt mit Eimern und versucht zu löschen.

Schlaftrunken das Feuer ignoriert

Wie gefährlich alles hätte werden können, zeigt das Beispiel eines Bewohners des Dachgeschosses. Der Zimmernachbar des Angeklagten ist so schlaftrunken, dass er nach lautstarkem Klopfen zwar die Wohnungstür öffnet, sich dann aber gleich wieder auf sein Zimmer zurückzieht, um weiterzuschlafen. Das Feuer bekommt er erst mit, als die Feuerwehr bei ihm eindringt und ihn evakuiert.

Menschen werden somit nicht ernsthaft verletzt. Auch der Sachschaden hält sich mit einer Höhe von rund 3700 Euro in Grenzen.

Wären Bewohner verletzt worden, hätte das Gericht eine härtere Strafe verhängt. Die Strafe wäre auch strenger ausgefallen, wenn Nikolaos A. sich nicht am selben Abend noch bei der Polizei in Berlin gestellt hätte.

Keine Vorstrafen

Die Richter halten ihm außerdem zugute, dass er geständig und bisher weder in Deutschland noch in Griechenland vorbestraft ist. Doch die von Verteidiger Karsten Beckmann beantragte Bewährungsstrafe bekommt er nicht.

„Der Angeklagte hat aus Frust ein Gebäude in Brand gesetzt – im vollen Bewusstsein, dass nebenan zwei Personen schlafen und er sie in höchste Gefahr bringt“, erklärt Richterin Susanne Götsche. Das sei durch nichts zu entschuldigen.

Die Brandenburger Richter stellen aufgrund des Prozessverlaufes fest, dass der Küchenhelfer wenig einsichtig ist. Er schiebe die Schuld von sich weg auf andere. Vor allem auf die Kollegin, die am Feierabend laut im Nebenzimmer über Internet telefoniert hatte, sodass er nicht schlafen konnte.

Zwei Gründe für die Kündigung

So wütend war er, dass er ihre Verbindung kappte. „Wäre sie nicht gewesen, wäre das alles nicht passiert“, versichert der Angeklagte dem Gericht.

Der Streit über das Telefongespräch war im Übrigen einer der Gründe, weshalb der Restaurantchef seinen neuen Mitarbeiter gleich wieder weggeschickt hat. Der andere Grund war Trunkenheit.

Denn als der Chef den Küchenhelfer wegen des Streits mit der telefonierenden Kollegin zur Rede stellen wollte, war der schon so betrunken, dass er sich am Bettrand festhalten musste. Dabei hatte der Gastwirt ihm gleich am Abend des Kennenlernens zu verstehen gegeben, dass er eines nicht dulde: besoffene Mitarbeiter.

Von Jürgen Lauterbach