Hier finden Sie, liebe Leser, die Ereignisse des Besuchs der Kanzlerin am Dienstagabend in chronologischer Reihenfolge:
19.50 Uhr: Das war’s. Die Massen strömen in alle Richtungen, aus den Boxen dröhnt noch ein wenig seichter Pop. Vielen Dank an die Kollegen draußen und den Ticker-Lesern für die Aufmerksamkeit – einen schönen Abend aus Brandenburg an der Havel! Anbei noch ein kleines, aus der Hüfte geschossenes Handyvideo von der Ankunft der Kanzlerin:
19.45 Uhr: Auch Tiemann hat gesagt, was sie sagen wollte. Es ertönt die Nationalhymne. Merkel hat inzwischen einen syrischen Jungen zu sich auf die Bühne geholt.
19.44 Uhr: Tiemanns Stimme überschlägt sich fast, sie hat Probleme gegen das Pfeifkonzert anzukommen. Tiemann ist sichtlich angegriffen und mitgenommen von dem Protest und erteilt den Protestierenden eine klare Ansage. Sie verspricht Merkel, dass die Störer nicht aus der Stadt Brandenburg kommen. Die Störer beantworten dies mit lautem Lachen und noch lauterem Pfeifen. Die Polizei mischt sich indes verstärkt unter die Demonstrierenden und holt erst die Störer raus. Diese werden dann abgeführt.
19.40 Uhr: Merkel hat fertig. Nun spricht Dietlind Tiemann.
19.36 Uhr: Der Mann mit der schwarzen Mütze will die Kanzlerin hinter Gittern sehen. Warum, hat er nicht verraten. Auch nicht dem Radler (weiß-bemützt), der höflich nachfragte.
19.35 Uhr: Am Rande stehen diese Protestler.
19.33 Uhr: „Hau ab, hau ab“ skandieren jetzt viele – was nicht zu überhören ist. Der Protest wird immer noch nicht leiser. Indes versuchen insbesondere die Vertreter der JU für gute Stimmung zu sorgen.
19.32 Uhr: Der Protest bleibt friedlich. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit sieht man aber betretene Gesichter auf den Seiten der CDU, der SPD, der Linken. Inzwischen hat sich die Demonstration der AfD aufgelöst. Offensichtlich sind alle deren Besucher auf dem Neustadt Markt.
19.30 Uhr: Angela Merkel redet, als würde sie das nicht abschwellende Pfeifkonzert nicht wirklich stören. Die Gesichter der CDU-Leute auf der Bühne sind versteinert. Das Pfeifkonzert setzt sich unvermindert fort.
19.26 Uhr: MAZ-Reporterin Marion von Imhoff berichtet von einem Angriff: Ein Mann – offensichtlich kein Merkel-Freund – hat versucht, ihr das Handy zu entreißen.
19.24 Uhr: Sieht doch eigentlich ganz hübsch aus, was die CDU hier aufgebaut hat, oder? Viele der Gekommenen versuchen aber immer noch, die Kanzlerin mit Pfiffen zu übertönen. Vereinzelt gibt’s auch Beifall.
19.20 Uhr: „Wir bauen einen Skatepark LOL CDU-BRB“, lautet die Botschaft des Vereins Jukufa. Was sie meinen: Die Brandenburger Skater versuchen seit Jahren erfolglos, mithilfe der Stadt einen eigenen Outdoor-Skatepark zu errichten.
19.18 Uhr: Es gibt allerdings auch viele Menschen, die die Veranstaltung nebenan offensichtlich so gar nicht juckt – sie gehen einfach in aller Seelenruhe in der Sankt-Annen-Galerie einkaufen.
19.16 Uhr: Die Menschen, die auf dem Markt keinen Platz mehr bekommen haben, stehen auf der anderen Straßenseite.
19.13 Uhr: Die Polizei wird sichtlich nervös. An den Ecken werden jetzt Einsatzkräfte zusammengezogen. Allerdings ist nicht erkennbar, wohin sie sich wenden werden. Das Pfeif-Konzert ist auch zehn Minuten nach Beginn der Veranstaltung nicht leiser geworden und das Gross der Gegendemonstranten von der AfD hat sich inzwischen unter das Publikum auf den Neustadtmarkt gemischt.
19.10 Uhr: Es haben sich einige Protestler auf dem Platz eingefunden. Es gibt deutlich vernehmbare Buh-Rufe und Pfiffe.
19.07 Uhr: „Nicht durch schreien, sondern durch anpacken löst man Probleme“, ruft Angela Merkel von der Bühne in die Masse. Ganz offensichtlich sind sowohl sie als auch Dietlind Tiemann überrascht davon, welche laute Gegenwehr durch Schreie und Trillerpfeifen ihnen entgegenschlägt.
19.05 Uhr: Der Platz am Neustädtischen Markt ist gut gefüllt.
19.02 Uhr: Der NPD ist offensichtlich ein Scoop gelungen. Die Polizei hat nicht damit gerechnet, dass sie sich im Hotel zum Molkenmarkt verschanzen würde, das nur 25 Meter von der Bühne entfernt liegt. Die Störer riefen „BRD muss weg!“. Jetzt sind die Störer vom Fenster verschwunden. Jubel brandetet vom Platz auf. Merkel betritt die Bühne.
19 Uhr: Die Kanzlerin ist da: Angela Merkel ist in Brandenburg angekommen. Die NPD hat sich heimlich in das Hotel geschlichen, in dem sie Station gemacht hat. Jetzt hängt aus einem Fenster ein Plakat: „Asylbetrug macht uns arm!“ Eine Alarmsirene der NPD stört den Auftritt. Von der Bühne versucht man die Sirene zu überbrüllen.
18.58 Uhr: Nächster O-Ton: „Ich bin gerade auf dem Weg von der Sauna nach Hause und komme deswegen hier gerade vorbei, jetzt bleibe ich. Ich erwarte keine Antworten, die ich nicht weiß. Die Kreisreform interessiert mich nicht wirklich.“ Rolf, 78
18.57 Uhr: Natürlich ist auch die Ordnungsmacht da. Angekündigt waren rund 500 Einsatzkräfte für die Absicherung des Kanzlerinnen-Auftritts.
18.56 Uhr: Bei der AfD ist es weiter übersichtlich, etwa 50 Leute – überwiegend vom Bürgerbündnis Havelland, einem Pegida-Ableger –, sind da.
18.55 Uhr: „Wir möchten die Gespräche hören und die Kanzlerin sehen und hören, was sie sagt“, diktiert Mohammed Morjan, 21, Automechaniker-Azubi aus Syrien und seit 2015 in Brandenburg, in den Block. Der junge Mann arbeitet bald als Auslieferungsfahrer.
18.54 Uhr: Von einem Massenandrang kann bisher keine Rede sein. Es sind noch zehn Minuten, bis die Kanzlerin eintreffen soll. In dem nahen Straßencafé „La Piazza“ direkt neben dem Neustädtischen Markt bekommt man noch problemlos Platz an den Tischen, um bei einem Softeis der Rede der Kanzlerin zu lauschen.
18.52 Uhr: O-Ton #3: „Ich möchte mal rauskommen und unter Leuten sein, deswegen bin ich heute hier“, sagt eine 86-jährige Brandenburgerin inhaltsschwanger zu unserer MAZ-Reporterin.
18.50 Uhr: „Ich habe gedacht, dass hier doch mehr zu unserer Veranstaltung kommen“, sagt ein AFD-Anhänger traurig zu seinem Nachbarn, während sie der eher wenig aufrüttelnden Rede der nach Deutschland geflohenen Kurdin lauschen. Ihren Namen wollen sie nicht sagen.
18.47: Und noch ein O-Ton: „Wir wollen einfach hören, was die Kanzlerin zu sagen hat. Zum Thema Ausländer und alles was anliegt. Es ist anders, wenn man sie live hört“, sagt Jutta Rollnik, 59, Vorruheständlerin, vormals technischer Service bei der Telekom.
18.44 Uhr: Noch ein Schwenk zur AfD: Ein Punk geht durchs Publikum und ist empört: „Ihr habt doch alle Lack gesoffen!“ Anlass war die vom AfD-Kreischef geäußerte Befürchtung: „Bald werden hier alle Frauen Kopftuch tragen.“
18.42 Uhr: Zeit für ein paar O-Töne von Besuchern: „Wir wollen uns einfach nur Frau Merkel angucken, eher locker stelle ich sie mir vor. Jetzt machen das mit der Wahl meine Eltern für mich. Wir sprechen nicht viel über die Bundestagswahl“, sagt Isabell (17), Azubi aus Brandenburg.
18.40 Uhr: Und Klaus Riedelsdorf von der AfD redet aus dem Stegreif. „Ich möchte, dass die Plakate ’Bunt statt Grauland’ wahr sind und wahr bleiben“, sagt er. Aber er fürchte, dass dieses Land nicht bunt bleibe – sondern vollverschleiert schwarz werde.
18.34 Uhr: Dietlind Tiemann, die als Oberbürgermeisterin Brandenburg verlassen und in den Bundestag einziehen will, ist sichtlich aufgeregt. Die Kanzlerin kommt pünktlich, sagt sie. Auf die Nachfrage eines Besuchers bestätigt sie: „Ich kenne die Kanzlerin schon lange. Sogar noch länger, als sie Kanzlerin ist.“ Rund um die Bühne finden sich große Plakate von Tiemann, die denen der Kanzlerin in nichts nachstehen.
18.30 Uhr: An dieser Stelle sei nochmals an unsere Berichterstattung zu einer Gegendemo von rechts erinnert.
18.27 Uhr: Vor der großen Bühne auf dem Neustädtischen Markt hat die CDU ein Riesen-Sonnendach aufbauen lassen. Dort werden 450 Menschen auf Stühlen Platz finden. Noch sind viele Plätze frei. Aber es ist ja auch noch mehr als eine halbe Stunde Zeit.
18.25 Uhr: Videobotschaft von der Bühne: Angela Merkel in Großformat. „Für dieses Land bitte ich um Ihre Unterstützung!“ Der Jubel ist noch verhalten.
18.23: Eins kann uns keiner: eins kann uns keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben. Noch ist Zeit für Spaß und gute Laune. Die Fans der Kanzlerin von der Jungen Union posieren unter lautem Jubel für das Projekt 2017. Gute Laune Sonnenschein. Alles wartet auf Angie. Fotos werden gemacht – Erinnerungen an den Sommer 2017.
18.20 Uhr: Die Alternative für Deutschland (AfD) lässt alternativ zu lautstarken Protest einen Bus um den Veranstaltungsort kreiseln: für Einigkeit und Recht und Freiheit. Bis jetzt ist von aggressive Stimmung von den Gegendemonstranten der AFD nichts zu spüren. Sie sind aber auch nicht da. An einem Bierstand vor der Katharinenkirche sammelt sich leiser Protest.
18.17 Uhr: Es ist noch etwa eine Stunde bis zum Auftritt der Kanzlerin in der Stadt Brandenburg an der Havel. Die Sonne scheint. Von der Bühne klingen alte Lieder von Peter Maffay. Die Bratwurst schmeckt. Alles wartet gelassen auf den Auftritt der Kanzlerin. Etwa drei Dutzend Polizisten haben sich rundherum um den neustädtischen Markt in der Stadt Brandenburg locker verteilt.
18.13 Uhr: Guten Abend und herzlich willkommen, liebe MAZ-Leser. Wir begleiten für Sie heute Abend den Wahlkampfauftritt der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Brandenburg an der Havel. Am Ticker für Sie: MAZ-Redakteur Philip Rißling. Die Kollegen Marion von Imhoff, Benno Rougk und André Wirsing streifen derweil über das Veranstaltungsgelände und funken die aktuellsten Entwicklungen in die Redaktion.
Von Philip Rißling