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Dahme-Spreewald Ende einer außergewöhnlichen Saison
Lokales Dahme-Spreewald Ende einer außergewöhnlichen Saison
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19:21 23.06.2014
Die weißen Stangen mögen die Deutschen immer noch am liebsten. Quelle: MAZ

„Das hatte ich in 30 Jahren noch nicht“, sagt Roderich Ehlers, der in Siethen Spargel anbaut. Diese Saison hatte es in sich: Aufgrund der milden Witterung konnten erste Stangen bereits Anfang April gestochen werden – gute drei Wochen länger als gewöhnlich währte die Erntezeit des Gemüses also. „Und das alles unter gleichen Anbaubedingungen“, so Ehlers. Das Wetter spielte mit: Es gab keine zu starken Regenfälle, Nachtfröste blieben aus und die Temperaturen waren recht konstant. Beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison.

Dementsprechend positiv fällt auch das Fazit von Spargelbauern der Region Dahmeland-Fläming aus. „Wir sind zufrieden, auch wenn wir in etwa die gleiche Menge geerntet haben wie im Vorjahr“, sagt Jürgen Hoffmann vom Spargelhof Diedersdorf. Dafür sei das Stangengemüse aber von der Qualität her besonders gut gewesen, wegen des gleichmäßigen Wetters. Etwa 100 Hektar beträgt Hoffmanns Anbaufläche, auf dem wohl in diesem Jahr auch wieder um die 400 Tonnen Spargel geerntet wurden. „Die Saison hat zwar früher begonnen, aber wir haben die Ernte gesteuert“, erklärt der Spargelbauer. Die Felder wurden mit weißer Folie abgedeckt, so dass das empfindliche Gemüse vor zu viel Sonne abgeschirmt werden konnte. Dadurch blieben die Temperaturen in etwa gleich und und der Spargel sprießt noch heute. „Bei uns geht’s noch weiter bis zum Sonntag“, verrät Hoffmann.

Die MAZ-Redakteurin Nadine Pensold hat sich einen Tag als Spargelstecherin in Frankenförde (Landkreis Teltow-Fläming) versucht. Die weißen Stangen waren oft sehr schwer aus dem Boden zu kriegen. Deswegen weiß sie das Gemüse jetzt noch mehr zu schätzen.

„Auf niedrigem Niveau wird bei uns noch in dieser Woche geerntet“, sagt auch Roderich Ehlers. Und das, obwohl doch heute eigentlich die Spargelsaison endet. „Es gibt verschiedene Spargelsorten – frühe, mittlere und späte Sorten“, erläutert Ehlers. Dadurch sei der Spielraum bis zur letzten Ernte auch etwas variabler als früher. Bei frühen Sorten müsse man sogar schon um den 10. Juni aufhören, den Spargel zu stechen. „Ansonsten wird bei der Pflanze die Möglichkeit zur Nährstoffanlagerung gestört“, erklärt er. Und das würde die Erträge in der kommenden Saison schmälern.

In der Agrargenossenschaft „Unterspreewald“ in Dürrenhofe bei Lübben wurde deshalb schon am vergangenen Wochenende der letzte Spargel gestochen. „Wir haben so zeitig angefangen, da wollen wir den Spargelpflanzen nun auch mehr Zeit geben, sich zu regenieren“, heißt es dort. Insgesamt geht man von einer besseren Ernte als im vergangenen Jahr aus: „Der Ertrag war gut und der Absatz war es auch.“

Von der weißen Stange zum grünen Busch

Am Johannistag endet die Spargelsaison. Da die Spargelpflanze eine mehrjährige Staude ist, benötigt sie eine gewisse Zeit, sich zu regenerieren. Andernfalls fällt die Ernte der nächsten Saison ertragsärmer aus.

Der Spargel wächst auch jetzt noch weiter und könnte theoretisch bis zum August geerntet werden. Doch Spargelbauer lassen die Pflanze beim Johannitrieb jetzt Blätter bilden.

Über die Photosynthese lagern sich in den Blättern dann Zucker an, die später von der Wurzel aufgenommen werden. Je mehr Zucker sie speichern kann, desto mehr Energie hat die Pflanze, um im nächsten Jahr das Stangengemüse zu bilden.

Bis zu acht Jahren kann eine Spargelpflanze beerntet werden. Es dauert drei Jahre, bis eine neu gesetzte Pflanze die volle Ernte abwirft.

Zwar ist die Saison beendet, gearbeitet wird aber schon für die kommende. Die Felder werden gepflegt. Das heißt, Unkraut muss entfernt, Dünger ausgebracht und in Trockenperioden auch gewässert werden.

„Bei uns hat alles ganz gut gepasst“, findet genauso Egon Schwericke vom Spargelhof Rehagen in der Gemeinde Am Mellensee. Er baut auf 16 Hektar weißen und grünen Spargel an. Aber Augenmerk legt er dann doch auf die hellen Stangen. „Das ist doch des Deutschen liebstes Kind“, sagt der Gemüsebauer lachend.

Auch wenn die Saison gut lief: Wie es ab kommenden Jahr sein wird, bleibt abzuwarten. Dann soll der Mindestlohn auch für Erntehelfer eingeführt werden. „Wenn es kommt, dann müssen wir es eben machen. Dann müsen die Preise für den Spargel steigen“, sagt Schwericke pragmatisch. Für Martijn Vestjens, Inhaber des Spargelhofs Frankenförde in Nuthe-Urstromtal, bereitet gerade das Sorgen: „Die Frage ist, wie der Kunde darauf reagiert.“ Für ihn sind gerechte Löhne für Saisonkräfte selbstverständlich. Aber ob es gleich 8,50 Euro sein müssen, da ist er skeptisch.

Von einer anderen Seite betrachtet es Jürgen Hoffmann. Der Preis, den Spargel später im Handel erzielt, hat auch mit der Qualität der Ernte zu tun, wie der Spargel gestochen wird. „Gute Leute sind nicht zufrieden, wenn sie keinen Mindestlohn bekommen. Dann kommt gar keiner mehr zur Ernte“, gibt er zu bedenken. Reguliert werden müsste es seiner Meinung nach über den Handel: Spargel aus Polen sollte hier nicht unter Preis angeboten werden.

Von Aileen Hohnstein

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