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Dahme-Spreewald Arzt in Afghanistan
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17:30 08.04.2013
Stefan Kropp im MAZ-Interview zu seinem Afghanistan-Einsatz. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Mit ihm sprach Andrea Müller.

MAZ:Wie kommt es, dass Sie hier in Teupitz Chefarzt sind und parallel dazu in Afghanistan tätig sind?

Stefan Kropp: Ich bin als Reservist und Sanitätsoffizier am Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, beordert. Dort wurde ich gefragt, ob ich bereit wäre, als Arzt auch in den Auslandseinsatz zu gehen.

Ich meine persönlich?

Kropp: Ich hatte von einem Bedarf an Ärzten bei der Bundeswehr gehört und mich als Reserveoffizier im Sanitätsdienst beworben. Nach entsprechenden Lehrgängen und Wehrübungen bin ich nach Absprache dafür verfügbar. Mir war es generell wichtig, dass Soldaten eine gute medizinische Versorgung erhalten und wollte dies als Facharzt mit unterstützen.

Für wie lange waren Sie dort?

Kropp: Ich bin schon 2011 und jetzt wieder für vier Wochen nach Afghanistan gegangen.

Was ist Ihre Aufgabe gewesen?

Kropp: In Mazar-e Sharif, in dem Camp, gibt es ein Feldlazarett und dort einen Dienstposten Sanitätsoffizier Psychiatrie/Neurologie. Da ist man einer der Fachärzte vor Ort und versorgt ambulante und stationäre Patienten. Primär ist man als Arzt für die Soldaten der ISAF (International Security Assistance Force) da, aber auch für die Zivilbevölkerung.

Haben Sie denn Unterschiede von 2011 zu jetzt gespürt?

Kropp: Ja, man merkt deutlich, dass das afghanische Gesundheitswesen mehr und mehr selber kann und immer weniger die Unterstützung von außen braucht. Es gibt Apotheken, in Mazar-e Sharif auch ein CT, so dass man sich als Militärarzt – was die Zivilbevölkerung angeht – immer mehr überflüssig macht. Aber das ist ja auch ein gutes Zeichen.

Wenn man den Einsatz der Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan verfolgt, bekommt man immer wieder auch von traumatisierten Soldaten zu hören. Mussten Sie die in Mazar-e Sharif behandeln?

Kropp: Weil Einsatzfolgen auch Traumata bedeuten können, ist ja ein Psychiater überhaupt vor Ort. Aber weil es auch akute Anpassungsstörungen, Belastungs- oder Angststörungen, Depressionen geben kann, ist dieser Posten bedeutsam. Unterm Strich sollen die Soldaten im Auslandseinsatz im medizinischen Ergebnis so gut versorgt sein wie in Deutschland.

Das heißt, Sie sind dort ähnlich wie hier morgens zur Arbeit gegangen?

Kropp: Nicht ganz. Das heißt, man fliegt ein, nimmt den Dienst in der Klinik auf und ist Teil ihrer, bis man wieder abfliegt. Jeder bekommt seine Ausrüstung inklusive Funkgerät und Waffe. Man ist jederzeit erreichbar, egal ob sie gerade im Shelter sind und schlafen oder beim Essen sind oder Sport treiben. Als Arzt müssen sie rund um die Uhr erreichbar sein. Das prägt auch so ein bisschen das Lebensgefühl dort, dass man eigentlich immer Dienst hat. Das Leben besteht die meiste Zeit aus Medizin und wenig Bürokratie, was sehr angenehm ist.

Wie sind Sie angezogen?

Kropp: Alle Soldaten, also auch die Sanitätsoffiziere, tragen Uniform.

Welchen Eindruck haben Sie von Afghanistan?

Kropp: Es ist ein wunderschönes Land, das mit seinen schroffen Bergen und den Flussläufen mit dann zum Teil auch reicher Vegetation eine Faszination ausübt.

Wie gehen Sie selbst mit Ängsten um, von denen Sie in einem Einsatz wie in Afghanistan sicher auch nicht verschont bleiben?

Kropp: Es gibt eine gute Einsatzvorbereitung und Lehrgänge über mehrere Wochen, bevor man überhaupt in den Einsatz gehen kann. Man ist ja Arzt, aber muss sich zur Not auch zu wehren wissen. Man lernt vorher die Kameraden kennen, mit denen man dort tätig ist, weiß, dass man sich auf jeden verlassen kann. Und nicht zuletzt aus der Fachprofession heraus verfüge ich über einen gewissen Erfahrungsschatz, mit schwierigen Situationen professionell umgehen zu können.

War es denn gefährlich für Sie?

Kropp: Was ich da gemacht habe, halte ich für einen relativ kleinen Beitrag, den ich, da er im Lager und Lazarett angesiedelt war, als nicht gefährlich empfunden habe, wobei Risiken eines Auslandseinsatzes sicherlich nicht von der Hand zu weisen sind.

Was halten die Afghanen von den Deutschen?

Kropp: Deutsche werden grundsätzlich sehr geschätzt. Bundeswehrsoldaten sind der Bevölkerung gegenüber aufgeschlossen und kulturell einfühlsam, auch durch entsprechende Lehrgänge und Landesinformationen. Trotzdem bestand in der letzten Zeit eine gewisse Sorge bezüglich sogenannter Innentäter, also Afghanen, die innerhalb eines Lagers, zu dem sie Zutritt hatten, ISAF-Kräfte angegriffen haben.

Wie kommt denn das?

Kropp: Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat in einem Interview geäußert, dass die Taliban die Attacken zu verantworten hätten. Wahrscheinlich sei es ein Teil ihrer Strategie, meinte er, die einheimischen Sicherheitskräfte zu unterwandern und in den Reihen der ausländischen Soldaten Misstrauen zu stiften. Eine solche Strategie hat natürlich Auswirkungen auf die Moral der Truppe.

Dennoch versuchen wir, mit den Einheimischen respektvoll umzugehen. In dieser Hinsicht bin auch ich geschult worden. Ich habe gelernt, wie man mit den Menschen dort umgehen muss und ihnen nach dortiger Sitte korrekt gegenübertritt.

Wie kann sich das zeigen?

Kropp: Das kann so weit gehen, dass man eine Patientin nicht körperlich untersuchen darf. Wenn zum Beispiel eine Frau mit Kind kommt, wird sie immer von einem Mann und einem Sprachmittler begleitet. Dann reden sie erst einmal mit dem Sprachmittler und fragen, worum es eigentlich geht. Gleichzeitig schätzen sie ab, was in der Situation richtig und möglich ist. Mit entsprechendem Einfühlungsvermögen lässt sich allerdings fast jede medizinische Situation gut lösen. Wir Deutschen, denke ich, können ganz gut Rücksicht nehmen. Allerdings mussten auch wir das erst lernen und unsere Erfahrungen sammeln. Das war zu Beginn des ISAF-Einsatzes wohl noch nicht ganz so wie jetzt.

Sie sprachen davon, auch die Einheimischen zu behandeln. Sind denn dort jetzt nicht andere Probleme wichtiger als psychische Leiden?

Kropp: Psychiatrie ist in Afghanistan nicht so im Fokus wie bei uns. Sie haben eher ein anderes Konzept als das, welches wir von seelischer Gesundheit haben. Seelisches Leid wird aber leichter akzeptiert, wenn dabei auch körperliche Schäden eingetreten sind. Dennoch muss man angesichts dessen, was in dem Land passiert ist, davon ausgehen, dass ganze Generationen traumatisiert sind. Wenn es dem Land besser geht, dann wird das sicher ein Thema werden. Leider passiert ja immer wieder etwas, auch wenn die Bundeswehr in jüngster Zeit davon verschont geblieben ist. Polizei und Armee des Landes haben aber immer wieder Gefechte zu bestehen. Im Feldlazarett sind im Laufe des ISAF-Einsatzes auch immer wieder verletzte Kinder behandelt worden. Ich erinnere mich an einen Jungen in 2011, der angeschossen wurde. Der Schuss trat in die Nase ein und unter dem Auge wieder aus. Er hatte unheimliches Glück und eine Kameradin und Kollegin von mir, eine sehr gute HNO-Ärztin, hat ihn erfolgreich operiert, so dass er keine bleibenden Schäden davontragen wird.

Und womit haben die deutschen Soldaten am meisten zu kämpfen?

Kropp: Die allermeisten Soldaten kommen mit dem Einsatz gut zurecht. Es gibt Fälle von Anpassungsstörungen, Belastungsstörungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Depressionen oder Migräne, um einige Diagnosen zu nennen. Dies kann sowohl direkt einsatzbezogen sein, aber auch durch die weiteren Umstände wie Klima, Trennung von Familie und Fehlen von Privatleben getriggert sein. Besonders schwer wird es dann, wenn noch eine weitere Belastung, zum Beispiel der Tod naher Familienangehöriger oder eine Trennung dazu kommt. Wichtig ist es für den Einsatzpsychiater, auf Zeichen einer drohenden posttraumatischen Belastungsstörung zu achten und entsprechend zu reagieren.

Wie ist das mit Heimweh?

Kropp: Für viele, die vier Monate da sind, ist das schon ein Thema. Da hilft die Nutzung von Skype, Internet und Email – oder das Schreiben ganz klassischer Briefe. Das habe ich übrigens auch selbst getan. Und es gibt nichts Schöneres, als von zu Hause einen Brief zu bekommen. Für viele ist es einfach enorm wichtig zu wissen, sie werden zu Hause nicht vergessen und ihr Dienst wird in der Heimat geschätzt.

Ist das unter Männern nicht eher peinlich?

Kropp: Nein. Wenn es jemandem nicht gut geht, das wird schon ernst genommen. In der Bundeswehr ist ja niemand allein. Jeder hat Kameraden, mit denen er über solche Sorgen reden kann, darüber wird sich ausgetauscht und im Bedarfsfall Hilfe veranlasst. Ich glaube, inzwischen ist es auch bei der Bundeswehr nicht mehr ganz so schwer, einen Psychiater zu konsultieren. Klar, öffentlich mag da keiner drüber reden, aber wer Unterstützung benötigt, findet schon den Weg.

Wie viele Patienten haben denn die Ärzte so?

Kropp: Ach das ist ganz unterschiedlich. Der Truppenarzt, also der Hausarzt der Soldaten, hat bestimmt am meisten zu tun. Wichtige Fachrichtungen sind auch die Chirurgie, Anästhesie, Neurochirurgie, Innere Medizin, Dermatologie, Augenheilkunde, HNO, Labormedizin und Urologie sowie Psychiatrie und Neurologie. An manchen Tagen hat man zwei Patienten, dann sind es wieder zehn oder noch mehr. Manchmal war es auch wichtig, nur ein unterstützendes Gespräch zu führen. Anders als hier geht es dort nicht darum, in kurzer Zeit so viele Patienten wie möglich zu behandeln. Wir Ärzte sind für den Fall der Fälle dort, also um im Ernstfall sofort tätig werden zu können.

Wie waren Sie denn untergebracht?

Kropp: Im Shelter in einer Stube zu zweit.

Wann gehen Sie wieder hin?

Kropp: Ich bin doch gerade erst wieder zurückgekommen und meine Tätigkeit als Arzt in Teupitz und Lübben und die Zusammenarbeit mit den beiden Teams hier ist auch eine stete Herausforderung, die mir viel Freude macht. Sollte es wieder eine Anfrage der Bundeswehr an mich geben, werde ich diese wie zuvor ernsthaft prüfen und mit der Familie und meinen Arbeitgebern, die mich alle bisher großartig unterstützt haben, besprechen.

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