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Dahme-Spreewald Asylsuchende in Dahme-Spreewald: Mehr Tschetschenen, weniger Syrer
Lokales Dahme-Spreewald

Asylsuchende in Dahme-Spreewald: Mehr Tschetschenen, weniger Syrer

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19:25 30.12.2020
Seit Juli wieder in Betrieb: die frühere Rehaklinik in Massow.
Seit Juli wieder in Betrieb: die frühere Rehaklinik in Massow. Quelle: Karen Grunow
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Dahme-Spreewald

Um das Thema Asyl ist es zuletzt deutlich ruhiger geworden. Das liegt vor allem daran, dass im Vergleich zur Hochphase der Flüchtlingsbewegung 2015 nur noch ein Bruchteil an Asylbewerbern im Landkreis ankommt.

Bis Ende November wurden dem Landkreis 217 Migranten und Migrantinnen zugewiesen. Das sind rund 50 mehr als im vorigen Jahr, aber dennoch eine handhabbare Größe: Immerhin mussten im Jahr 2015 knapp 2000 Migranten untergebracht werden. Damals kam es vor, dass pro Woche 200 Flüchtlinge am Bahnhof in Schönefeld eintrafen.

Zahl der Bewohner in Unterkünften weiter auf hohem Niveau

Aber auch wenn die Zahl der Migranten seit damals auf fast ein Zehntel gesunken ist, nimmt die Zahl der Menschen, die in den vom Landkreis angemieteten Unterkünften leben, nicht im gleichen Maße ab. Aktuell wohnen noch immer 1160 Personen, die Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Darunter fallen Asylbewerber, Menschen mit Duldung, aber auch abgelehnte Asylbewerber, die ausreisen müssen, aber trotzdem noch Anspruch auf Geld haben. Diese Zahl variiert seit 2018 nur leicht.

Hinzu kommen nach wie vor noch eine ganze Reihe von Personen, die inzwischen einen Aufenthaltstitel haben, Arbeitslosengeld II bekommen oder sogar eigenes Geld verdienen, und trotzdem in einer Gemeinschaftsunterkunft oder einer Übergangswohnung leben, schlicht weil sie nach wie vor keine eigene Wohnung finden. „Sie werden dort befristet geduldet, weil es an Wohnungen im unteren Mietpreissegment mangelt“, sagt Kreissprecher Bernhard Schulz. Sie hätten keinen Anspruch darauf in den Unterkünften zu bleiben, aber man lässt sie gewähren, um Obdachlosigkeit zu vermeiden.

30 Prozent der Bewohner aus Russischer Föderation

Die Zusammensetzung der Bewohner in den Unterkünften hat sich in den vergangenen Jahren verschoben. Während vor einigen Jahren noch syrische Flüchtlinge die größte Gruppe bildeten, sind es nun Menschen aus der russischen Föderation, etwa aus Tschetschenien, die mit 337 Personen knapp 30 Prozent der Bewohner ausmachen. Die zweite große Volksgruppe in den Unterkünften sind Afghanen mit immer noch mehr als 20 Prozent. Die Gruppen der Kameruner, Syrer, Kenianer und Türken sind im Vergleich dazu relativ klein. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 kamen etwa 1400 Syrer nach Dahme-Spreewald. Aktuell leben noch 80 Syrer in einer Unterkunft des Landkreises.

Darin ist auch der Grund zu sehen, dass die Zahl der Bewohner kaum noch abnimmt. Während die Syrer aufgrund ihrer besonderen Lage relativ schnell einen Aufenthaltstitel und damit auch ein Anrecht auf Wohnung und Arbeit bekamen, ist die Bleibeperspektive und damit auch die Rechtslage bei Russen, Afghanen und Menschen aus vielen afrikanischen Staaten deutlich komplizierter, was auch die Verfahren verlängert.

Reha-Klinik Massow als Unterkunft reaktiviert

Da die Zahl der Bewohner stabil bleibt, sind in diesem Jahr erstmals seit 2016 keine Unterkünfte mehr geschlossen worden. Zuletzt hatte der Landkreis Ende 2019 die Gemeinschaftsunterkunft im Teupitzer Ortsteil Egsdorf vom Netz genommen.

In diesem Jahr wurde sogar eine Unterkunft reaktiviert. Grund: die Corona-Pandemie. In diesem Zusammenhang mussten auch für die Gemeinschaftsunterkünfte strenge Hygienekonzepte vorgelegt werden, sagt Bernhard Schulz. Dazu gehörte, dass so genannte Absonderungsbereiche festgelegt werden mussten. Also Bereiche, in denen Bewohner oder Bewohnergruppen im Falle eines positiven Befundes isoliert werden können. Da sämtliche Unterkünfte zu mindestens 80 Prozent belegt sind, war nicht überall Platz für diese Absonderungsbereiche. Deshalb habe die Kapazität in den Unterkünften erweitert werden müssen.

Anfang Juli wurde deshalb die ehemalige Reha-Klinik in Massow wieder in Betrieb genommen, die bereits ab 2015 als Unterkunft genutzt wurde, zwischenzeitlich aber stillgelegt worden war. Die Reha-Klinik hat eine Kapazität von 120 Plätzen, und mindestens für das kommende Jahr soll diese Gesamtkapazität auch beibehalten werden, so Bernhard Schulz.

Von Oliver Fischer