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Dahme-Spreewald Pendler-Paradies Brand: Warum Wildparker am Bahnhof zum Problem werden
Lokales Dahme-Spreewald Pendler-Paradies Brand: Warum Wildparker am Bahnhof zum Problem werden
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21:06 29.10.2019
Mehr als 100 Autos stehen täglich an den Straßenrändern in Brand. Dabei hat das Dorf kaum mehr als 30 Einwohner. Quelle: Oliver Fischer
Brand

Brand ist eigentlich alles andere als der Nabel der Welt. Das Dorf firmiert offiziell als Gemeindeteil von Briesen, das wiederum nur ein Ortsteil vom auch nicht eben riesigen Halbe ist. Kaum mehr als ein Dutzend Häuser stehen in Brand, es gibt ein paar Kleingärten und das wäre es auch schon – wenn nicht auf der anderen Seite des Bahnhofs der Tropendom von Tropical Islands emporragen würde. Diesem Dom hat Brand eine gewisse Popularität zu verdanken, deren Folgen täglich im Ort sichtbar sind.

Das Hauptproblem für das Dorf sind wohl die wilden Parker. Am Dienstag, einem ganz normalen Wochentag, stehen 23 Autos vor dem Bahnhof. Entlang der restlichen drei Straßen sind es noch einmal knapp 100, einige weitere stehen im Wald und auf Privatgrundstücken, wo sie eigentlich nicht hingehören. Die Nummernschilder zeigen: Es handelt sich offenkundig um Pendler, die aus Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming, teilweise aus Elbe-Elster kommen, um in Brand ihr Auto abzustellen und in den Regionalexpress nach Berlin umzusteigen. „Der Bahnhof ist ein Geheimtipp“, sagt der Amtsdirektor des Schenkenländchens, Oliver Theel.

Ordnungsamt drückt beide Augen zu

Dass die Pendler ihre Autos auf weitgehend illegalen Parkplätzen abstellen, darüber sieht das Ordnungsamt des Schenkenländchens derzeit gnädig hinweg. „Im Interesse des Umweltschutzes“, sagt Oliver Theel. „Wir können den Bürger ja nicht dafür bestrafen, dass er versucht, sinnvoll zu handeln und mit der Bahn zu fahren.“ Das Problem ist nur: Die Pendler nehmen zu und damit auch die Autos. Und die Prognosen sagen mittelfristig Umsteigerzahlen voraus, bei denen man der Wildparker in Brand schlicht nicht mehr Herr werden würde.

Eine weitere Straße in Brand. Quelle: Oliver Fischer

Was deshalb eigentlich zwingend kommen müsste, wäre ein großer Pendlerparkplatz. Darauf setzt auch Oliver Theel. Nur: Die Sache ist kompliziert. Denn auf der Seite, auf der sich das Bahnhofsgebäude befindet und von der aus die Gleise erreichbar sind, gibt es keine Grundstücke, die groß genug für einen solchen Parkplatz wären.

Unterführung müsste verlängert werden

Einrichten ließe sich der Parkplatz vielleicht auf der anderen Seite des Bahnhofs, wo sich auch das Tropical Islands befindet. Dort wäre zumindest Platz. Nur: Von dort kommt man derzeit nicht auf den Bahnsteig. „Dafür müsste die vorhandene Unterführung zum zweiten Bahnsteig so verlängert werden, dass sie die Gleise komplett untertunnelt. Dann könnte man den Bahnhof auch von der anderen Seite erreichen“, so Theel. Das wäre auch im Interesse des Tropical Islands, denn dann könnten die Pendelbusse direkt und ohne Umweg den Bahnhof Brand ansteuern. Auch für Radfahrer wäre der Tropendom dann deutlich leichter zu erreichen.

Ein solcher Tunnel sollte deshalb bereits vor mehr als zehn Jahren gebaut werden. Damals nahm die Bahn dann aber Abstand davon. Das Amt Schenkenländchen hat jetzt erneut den Wunsch nach einem Tunnel geäußert, sagt Oliver Theel. Erste Gespräche dazu habe es auch schon gegeben. Die Bahn will aber erst einmal Fahrstühle in den Bahnhof einbauen, ein Projekt, das vom Land bezahlt wird und wahrscheinlich aufs kommende Jahr terminiert ist. In diesem Zug sei ein Durchstich der Unterführung noch nicht vorgesehen, heißt es bei der Bahn. „Da wir den Wunsch aber kennen, haben wir so geplant, dass eine spätere Umsetzung technisch möglich ist“, so Bahnsprecher Gisbert Gahler. Immerhin.

Die Gemeinde Halbe will das Bahnhofsgebäude langfristig sanieren. Quelle: Oliver Fischer

Aber auch für das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude selbst gibt es Pläne. Der Bau steht leer, seit sich vor rund 20 Jahren die örtlichen Gaststättenbetreiber zurückzogen haben. Die Wohnungen im Obergeschoss wurden ebenfalls aufgegeben. Inzwischen sind dort alle Scheiben eingeworfen, die Türen sind vernagelt, weshalb das Gebäude einen recht trostlosen Eindruck macht. Die Gemeinde Halbe hat das historische Gebäude aber vor zwei Jahren bei einer Versteigerung erworben und erwägt nun eine Sanierung. Dafür müsse aber klar sein, wie das Gebäude danach genutzt wird, sagt Theel.

Die Gemeinde sucht deshalb aktuell nach möglichen Interessenten, die den Bahnhof gewerblich nutzen wollen. „Denkbar ist da vieles, von einer Pension über eine Gaststätte, einen Infopoint bis hin zu öffentlichen Toiletten“, so der Amtsdirektor. Das Objekt wird aktuell im Internet beworben. Anders als bei vielen anderen kleinen Bahnhöfen im ländlichen Raum dürften die Chancen, dass sich Interessenten melden, sogar recht gut stehen. Das Tropical Islands ist immerhin einer der größten Tourismusmagneten Brandenburgs. Zahlreiche Reisende aus aller Herren Länder sind deshalb täglich auf dem Bahnhof im kleinen Brand unterwegs – und machen das Zehn-Häuser-Dorf irgendwie doch zum Nabel der Welt.

Von Oliver Fischer

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