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Bestensee Gemeindevertreter stimmen AfD-Antrag gegen gendergerechte Sprache in Geschäftsordnung zu
Lokales Dahme-Spreewald Bestensee

Bestensee: Gemeindeparlament lehnt gendergerechte Sprache ab

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17:41 27.06.2021
Auf Antrag der AfD lehnte die Gemeindevertretung Bestensee die Verwendung gendergerechter Sprache in der neuen Geschäftsordnung ab. Der Fall schaffte es bis in den Bundestag.
Auf Antrag der AfD lehnte die Gemeindevertretung Bestensee die Verwendung gendergerechter Sprache in der neuen Geschäftsordnung ab. Der Fall schaffte es bis in den Bundestag. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Bestensee

Bestensee hat es mit seinem neuesten Beschluss der Gemeindevertretung zum Nicht-Gendern in der neuen Geschäftsordnung wieder einmal bis in den Bundestag geschafft. Über die Fraktionen hinweg wurde ein Antrag der AfD mehrheitlich angenommen, dass in der neuen Geschäftsordnung in der Gemeinde nicht gegendert und damit alle Geschlechter – einschließlich divers – gleichrangig behandelt werden.

Eklat schaffte es in den Bundestag

Den Beschluss hat nun Stephan Brandner, stellvertretender Bundessprecher der AfD, in seiner jüngsten Rede im Bundestag aufgenommen. Es gebe bundesweit Vorbilder, die gemeinsam mit der AfD gegen die „Gender-Mutanten“ angekämpft haben. Im brandenburgischen Bestensee habe die Gemeinde mit der bürgerlichen Mehrheit – AfD, CDU und den freien Wählern (Unabhängige Bürger UBBP, d.R.) – einen AfD-Antrag dazu angenommen. „Machen Sie das Gleiche wie die Gemeinde Bestensee im Brandenburgischen“, so Brandner.

Stephan Brandner, AfD, sprach im Bundestag zum Antrag der AfD Bestensee gegen eine gendergerechte Sprache in der neuen Geschäftsordnung der Gemeinde. Quelle: Jens Krick

Weßlau: Von „Links gesteuerter Schwachsinn“

Im Gemeindeparlament selbst hatte es wegen dieses Antrags viel Diskussion gegeben. Besonders die Linke mit Monika von der Lippe, aber auch Annett Wolf (WIR!) hatten auf die Gesetzeslage hingewiesen, denn das Landesgleichstellungsgesetz schreibe eine Gleichbehandlung aller Geschlechter vor. Kerstin Rubenbauer (ebenfalls Linke) hatte vor der Sitzung mehrmals angekündigt, wenn es eine neue Geschäftsordnung gebe, dann solle sie gleich richtig gemacht werden. Sie tue sich aber schwer mit Satzzeichen wie Sternchen oder Unterstrich. Darum sei sie dann jedoch bei den alten Formulierungen geblieben, in denen zum Beispiel weiter vom „Vorsitzenden“ gesprochen wird, obwohl es in Bestensee ja sogar eine Vorsitzende der Gemeindevertretung gibt, eben jene Kerstin Rubenbauer. Claus Weßlau (CDU) sprach sich gegen eine gendergerechte Sprache in der neuen Geschäftsführung aus, weil der ganze „Genderquatsch“ nur ein von „Links gesteuerter Schwachsinn“ sei. Später erklärte er noch, dass man früher auch erkannt habe, dass es sich um eine Frau handelt, wenn man „Frau Professor“ gesagt hat.

Statt einer gendergerechten Sprache in der neuen Geschäftsordnung wurde von Kerstin Rubenbauer ein neuer Paragraf 21 eingeführt. Unter der Überschrift „Geschlechterübergreifende Formulierung“ heißt es wörtlich: „Die in der vorliegenden Fassung der Geschäftsführung genannten personenbezogenen oder funktionsbezogenen Nennungen sind geschlechterübergreifend zu verstehen.“

Ablehnung von Binnen-I und Kunstpause

Oliver Calov von der AfD, der den entsprechenden Antrag auf Ablehnung gendergerechter Sprache in der neuen Geschäftsordnung in die Sitzung der Gemeindevertretung eingebracht hatte, begründete sein Ansinnen mit einem Zitat von Wilhelm von Humboldt: „Die Sprache ist gleichsam die äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker; ihre Sprache ist ihr Geist und ihr Geist ihre Sprache; man kann sich beide nie identisch genug denken“. Calov meinte und bezog sich damit auf Medienbeiträge, die Mehrheit lehne Formulierungen wie „Zuhörende“ statt „Zuhörer“ ab. Dies treffe auch für die Anwendung eines großen Binnen-I etwa in „WählerInnen“ oder einer Kunstpause vor der zweiten Worthälfte wie bei „Pendler_Innen“ zu.

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Oliver Calov, AfD Bestensee: Er brachte den Antrag gegen eine gendergerechte Sprache in der neuen Geschäftsordnung ein. Quelle: Andrea Müller

 Der Bestenseer Mann von der AfD erklärte in seiner Begründung, dass Frauen zwar eher als Männer die Gendersprache positiv bewerteten, aber 59 Prozent von ihnen sie dennoch ablehnten.

Sarkasmus als Antwort auf AfD-Antrag

Schließlich stimmten neun Gemeindevertreter mit „Ja“, fünf mit Nein, drei enthielten sich der Stimme. Das Ergebnis sorgte nicht nur im Bundestag für Aufregung, sondern auch im Ort. „Wir leben halt in einem Dorf des Rückschritts“, formulierte es Thomas Irmer, früherer Gemeindevertreter. Sarkasten forderten nun gar die Abschaffung des Frauenwahlrechts.

Von Andrea Müller