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Bestensee Bestensee: Homosexuelle treffen sich am kleinen Tonsee
Lokales Dahme-Spreewald Bestensee

Bestensee: Treff von Homosexuellen am kleinen Tonsee stößt auf Anwohnerprotest

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15:56 11.08.2021
Am kleinen Tonteich in Bestensee fühlen sich Anwohner durch öffentlichen Sex der Homosexuellen belästigt und beschrifteten die Bäume zur Abwehr.
Am kleinen Tonteich in Bestensee fühlen sich Anwohner durch öffentlichen Sex der Homosexuellen belästigt und beschrifteten die Bäume zur Abwehr. Quelle: Andrea Müller
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Bestensee

Am kleinen Tonsee in Bestensee ist eine Schwulen- und Lesbenszene entstanden. Paare und Gruppen von vor allem Männern – aus Berlin, aber auch aus der Umgebung – treffen sich, um miteinander Sex zu haben. Anwohner fühlen sich belästigt, sind zum Teil verängstigt und verunsichert und wähnen sich von Kommune und Polizei im Stich gelassen. Eigene Versuche, den Treffen Einhalt zu gebieten, seien gescheitert.

Anwohner beklagen Schwulentreff

„Die Männer laufen nackt durch den Wald, haben Verkehr miteinander und die Kondome liegen dann auf dem Waldboden“, berichten mehrere Anwohner, die nicht mit Namen genannt werden möchten. Schon mehrmals seien sie aneinander geraten, wenn die Männer gebeten worden seien, kein öffentliches Ärgernis zu erregen. Nach Aussagen von Bernd Meier (Name geändert), gehe das schon mehrere Jahre so. Mit Kindern sei es praktisch ausgeschlossen, in dieses Waldstück und zum Strand des kleinen Tonsees zu gehen, wenn man stets damit rechnen müsse, auf Massenorgien zu treffen. Sie hätten bereits versucht, die Szene mit eigenen Mitteln abzuschrecken, etwa indem sie Bäume beschrifteten mit den Worten „FKK verboten, §183a StGB.“ Zwischenzeitlich sei der Treff am Kleinen Tonsee offenbar etwas in Abseits gerückt, doch mit Beginn der Corona-Pandemie hätten die Sex-Treffen wieder zugenommen.

Kondome werden einfach im Wald zurück gelassen. Einige Anwohner räumen den Männern regelmäßig den Dreck nach. Quelle: Andrea Müller

Anzeige bei Verstoß gegen Paragraf 183a

Man vermutet, dass dies auch mit der Schließung der einschlägigen Clubs in Berlin aus Angst vor Corona zu tun haben könnte. Das aber schließt Christopher Schreiber vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg definitiv aus. Solche Treffen entstünden eher aufgrund der sexuellen Vorlieben. Cruising, was so viel bedeutet wie ständiges Herumsuchen nach Partnern, sei ein großes Thema in der Community. Beim Cruising-Fetisch gehe es um die schnelle Nummer. „Das kennen wir hier in Berlin in Friedrichshain oder aus dem Thälmann-Park“, so Schreiber. Auf einschlägigen Internetseiten findet man auch den Treffpunkt am kleinen Tonteich in Bestensee etwa unter dem Begriff „Schweinchenwiese“.

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Schreiber verweist aber diesbezüglich auf den Paragrafen 183a Strafgesetzbuch „Erregung eines öffentlichen Ärgernisses“. Hier heißt es: Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 183 mit Strafe bedroht ist. „Liegt ein solcher Fall vor, muss der natürlich zur Anzeige gebracht werden“, betont der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes.

Anwohner haben einige Fotos aufgenommen und Videos gedreht zur Beweisaufnahme. Quelle: Privat

Widersprüchliche Meinung zum Polizeieinsatz

Daran scheint es zu hapern. Zwar haben sich die Anwohner an die Gemeinde um Unterstützung gewandt, doch die Polizei sagt, bisher habe es dort deswegen keinen Einsatz gegeben. Dem wird vor Ort widersprochen. Sie sagen, im August 2020 seien drei Polizeiwagen mit Besatzung vor Ort gewesen. Doch die Beamten seien unverrichteter Dinge wieder abgezogen, weil sie niemanden „in flagranti“ erwischt hätten. „Kein Wunder“, meinen die Anwohner, „die Szene vor Ort verfüge über ein gutes Vorwarnsystem.“ Ehe die Polizeibeamten am See gewesen seien, wären alle verschwunden.

Gemeinde: Seen stehen Jedermann offen

Die Gemeinde Bestensee weiß von dem Treff der Lesben- und Schwulenszene an einem der beiden Tonteiche. „Die geschilderten Umstände sind uns bekannt, jedoch sehe ich keine Möglichkeit, diesen präventiv vorzubeugen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Auf dem Territorium der Gemeinde lägen elf Seen; diese hätten unzählige wilde und offizielle Badestellen. Zudem sei es unmöglich, bestimmte Personen und Personengruppen pauschal aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von den Seen zu verweisen und ihnen den Zutritt zu verweigern. „Grundsätzlich stehen unsere Seen und Badestellen Jedermann für Besuche zum Baden und Erholen offen“, so Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf (parteilos).

Der kleine Tonteich in Bestensee ist schön gelegen. Doch viele trauen sich nicht mehr hin, weil sie niemandem beim Sex begegnen wollen. Quelle: Andrea Müller

Die Gemeinde verweist ebenfalls auf den Paragrafen 183a Strafgesetzbuch: „Städte und Gemeinden sind keine Strafverfolgungsbehörden. Rufen Sie bei Feststellung einer Straftat und zur Aufklärung des Sachverhalts bitte die Polizei.“

Von Andrea Müller