Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bestensee Verdacht auf Kindesmissbrauch in Waldkita in Dahme-Spreewald
Lokales Dahme-Spreewald Bestensee Verdacht auf Kindesmissbrauch in Waldkita in Dahme-Spreewald
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 07.06.2019
In der Waldkita in Pätz soll ein Erzieher ein vierjähriges Mädchen sexuell "durch Anfassen" missbraucht haben. Es soll mindestens einen weiteren Fall geben. Quelle: Andrea Müller
Anzeige
Bestensee

Wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs in der Waldkita Pätz kommen immer mehr Details ans Licht. Die Anzeige gegen den beschuldigten Erzieher soll schon Anfang Mai vorgelegen haben. Polizeisprecherin in Cottbus Ines Filohn konkretisierte das Datum auf den 9. Mai. Der Mann war aber erst am 20. Mai vom Dienst in der Kita suspendiert worden. Weitere zwei Wochen später wurden die Eltern informiert. Sie erhielten jetzt Informationszettel von der Gemeindeverwaltung.

Beschuldigte sei krank gewesen

Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf (parteilos) sagte auf MAZ-Anfrage, dass der unter Verdacht stehende Erzieher zum Zeitpunkt der Anzeige krank gemeldet gewesen sei. Deshalb sei er erst bei Dienstantritt beurlaubt worden.

Anzeige

Belästigung „durch Anfassen“

Dem Erzieher aus der Waldkita in Pätz wird vorgeworfen, mindestens ein Kind sexuell missbraucht zu haben. Die Eltern des Kindes hatten Anzeige bei der Polizei erstattet. Das hatte Ines Filohn, Sprecherin der Polizeidirektion in Cottbus, am Morgen bestätigt. Sie verwies jedoch an die Staatsanwalt in Cottbus, in deren Auftrag die Ermittlungen geführt werden. Oberstaatsanwältin Petra Hertwig: „Es liegt eine Strafanzeige gegen einen bereits vom Dienst suspendierten männlichen Erzieher der Kindereinrichtung in Pätz vor“. Er soll ein vierjähriges Mädchen sexuell „durch Anfassen“ belästigt haben. Dieses Mädchen sei inzwischen angehört worden.

Es geht um ein vierjähriges Mädchen

Nach Angaben der Oberstaatsanwältin, die zugleich stellvertretende Behördenleiterin sowie Chefin der Abteilung „Sex und Crime“ sei, habe das betroffene Kind angegeben, das weitere Kinder ebenfalls betroffen seien. „Auch diese Kinder haben wir inzwischen angehört. Die Kinder bestätigten den Missbrauch jedoch nicht“, so Hertwig. Sie machte darauf aufmerksam, wie kompliziert es sei, Kinder in diesem Alter zu den Vorwürfen anzuhören. Zudem unterstrich sie, dass es noch immer keine Bestätigung des Verdachts gebe. „Wir ermitteln weiter“, sagte sie.

Weiteres Kind wird Dienstag oder Mittwoch angehört

Noch am heutigen Dienstag oder am Mittwoch soll ein weiteres Kind aus der Waldkita in Pätz angehört werden, das selbst davon berichtet haben soll. Aus dem Erzählten ließe sich ebenfalls ein sexueller Missbrauch ahnen.

Eltern: Verwaltung habe zu lange mit Info gewartet

Inzwischen haben sich in der Gemeinde weitere besorgte Eltern gemeldet. Einige hätten angekündigt, heute in die Verwaltung zu gehen, um ihrer Sorge um das Wohl der Kinder Luft zu machen. Außerdem beklagten sie, dass die Verwaltung zu lange gewartet habe mit der Information der Eltern. Eine Mutter, die am Mittag in der Bestenseer Gemeindeverwaltung war, macht sich große Sorgen um ihren inzwischen 18 Monate alten Sohn. Der sei mit 14 Monaten von dem beschuldigten Kollegen in der Kita betreut worden, weil andere Erzieher fehlten.

Vorwürfe gegen die Gemeinde

Die Mutter aus Pätz erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde, denn der vom Gesetz vorgeschriebene Betreuungsschlüssel von einem Erzieher für fünf Kinder würde in der Waldkita Pätz bei weitem nicht eingehalten. Es sei in der Regel immer nur ein Erzieher in der Gruppe. Im Fall ihres Sohnes seien es derzeit 13 Kinder. Meist sei ein Erzieher – es arbeiten noch weitere männlicher Erzieher in der Kindereinrichtung – am Morgen mit den Kindern allein, der zweite Kollege am Nachmittag. Bürgermeister Quasdorf sagte, dass seines Wissens nach die gesetzlichen Vorschriften genau eingehalten würden in den Bestenseer Kindereinrichtungen.

Mahnung zur Besonnenheit

Thomas Irmer (Wir!) bestätigt die Sorge vieler Eltern. „Auch bei mir und meinem Fraktionskollegen Daniel Eberlein haben sich viele Eltern gemeldet“, sagte er, mahnte aber zur Besonnenheit. Es herrsche zunächst erst einmal die Unschuldsvermutung. „Hier muss man mit viel Ruhe ran gehen“, betonte er. Ihm sei geschildert worden, wie eines Morgens die Kriminalpolizei an der Kita in Pätz gestanden hätte. Dann seien bereits die ersten Gerüchte von Kindesmissbrauch in Umlauf gebracht worden. Persönlich hätte er sich gewünscht, dass die Verwaltung die Gemeindevertretung über den Verdacht informiert.

Info-Blätter für die Eltern

Am Dienstagvormittag informierte Irmer darüber, selbst Kontakt mit der Polizei in Königs Wusterhausen aufgenommen zu haben. Nach seinen Angaben sei die unterwegs in die Waldkita, um Informationsblätter und Flyer rund um sexuellen Missbrauch für die Eltern auszugeben. Annette Lehmann (Unabhängige Bürger, bisherige Ortsvorsteherin) bestätigte indessen nicht, dass sich bei ihr besorgte Eltern meldeten. Auch sie habe schon einige Zeit von dem Verdacht gewusst. „Die Mitglieder des Hauptausschusses sind informiert worden“, sagte sie. Sie verwies ebenfalls auf die Unschuldsvermutung, solange nichts bewiesen sei.

Neue Gemeindevertretung muss sich damit befassen

Jürgen Ostländer (Plan B) kündigte an, den ganzen Vorfall genauer anzusehen. Schon bei der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung am 18. Juni müsse beraten werden, wie weiter damit umgegangen wird. „Ich habe so oft gefragt, ob es genug Erzieher gibt und ob der Betreuungsschlüssel eingehalten wird und habe immer die Antwort erhalten, alles sei in Ordnung“, so Ostländer. Nun werde klar, dass es offensichtlich nicht so gewesen sei und das müsse nun genauer unter die Lupe genommen werden.

Hier können sich besorgte Eltern hinwenden

Carsten Saß, Sozialdezernent des Landkreises Dahme-Spreewald, wurde seitens des Ministeriums für Bildung und Erziehung über den Verdachtsfall in Pätz informiert. Er weist darauf hin, dass sich Eltern von Kindern, bei denen möglicherweise ebenfalls der Verdacht des sexuellen Missbrauchs auftaucht, sofort Hilfe holen können bei den Erziehungsberatungsstellen der Diakonie in Königs Wusterhausen (Tel. 0 33 75 /21150) und Lübben sowie beim Verein Kindheit in Wildau (Tel. 0 33 75/50 37 21). Hilfe gibt es auch beim Jugendamt des Landkreises (Tel. 03375 / 26 17 30).

Von Andrea Müller

30.05.2019
27.05.2019