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Bestensee Wendeliebe: Nicht mal der Mauerfall konnte sie aufhalten
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11:07 09.11.2019
Frisch verliebt: Ann und Wolfgang Purann aus Bestensee, die zur Wendezeit zueinander fanden, aber durch seinen Ausreiseantrag wieder getrennt wurden. Quelle: privat
Bestensee

Diese Liebe wurde wirklich auf eine harte Probe gestellt, denn als sich Ann Schubert in Wolfgang Purann verliebte, wartete der jeden Augenblick auf die bereits bewilligte Ausreise in den Westen. Das war im Frühjahr 1989.

Blick durch die Mauer in Ostberlin: Auch Ann und Wolfgang Purann waren durch sie getrennt, kamen aber nach dem Mauerfall wieder zusammen. Quelle: privat

Wolfgang hatte es ihr angetan

„Unsere Geschichte begann im Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt in Berlin-Adlershof“, erinnert sich Ann Purann heute. Die beiden sind inzwischen seit 17 Jahren verheiratet und Eltern einer schon fast erwachsenen Tochter. In dem Ostberliner Betrieb waren damals beide angestellt; Anns Vater war sogar Abteilungsleiter. „Wir trafen uns zu gemeinsamen Mittagessen in der Kantine“, so Ann. Der ruhige zurückhaltende Kollege hatte es der damals jungen Frau angetan.

Das Ehepaar heute – seine Liebe ist in den Jahren noch gewachsen, denn sie wurde auf viele Bewährungsproben gestellt. Quelle: Andrea Müller

Finger weg

„Doch als ich erfuhr, dass er 18 Jahre älter ist, zehn Jahre mehr als ich geschätzt hatte, und außerdem vor fünf Jahren einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt hatte, dachte ich, Mädel, Finger weg.“ Als Ann das sagt, muss sie unwillkürlich lachen. Dabei war das in jener Zeit eine mehr als ernste Angelegenheit. „Seitdem ich die Ausreise beantragt hatte, wurde ich regelmäßig zu Verhören zur Stasi einbestellt“, erinnert sich Wolfgang Purann, der in einem dicken Ordner seine Stasi-Akte sofort zur Hand hat.

Wolfgang Purann 1981 als Statist bei der Verfilmung des Kinderbuches „Ede und Unku“ von Grete Weiskopf. Quelle: privat

Dicke Stasi-Akte

Darin versammelt sind Protokolle der Gespräche, Bespitzelungen aus dem Kreis der Kollegen und Nachbarn sowie eine Stellungnahme aus der Gemeinde Bestensee. Darin heißt es mit Datum vom 11. Juli 1984 wörtlich: „Er ist völlig dem westlichen Rausch verfallen.“ In Wirklichkeit hatte Wolfgang Purann die Nase voll davon, dass es in der DDR nichts gab, dass ihm im Betrieb nicht einmal die notwendigen Bauteile zur Verfügung gestellt werden konnten, um die Aufgaben in die Entwicklerabteilung umzusetzen. „Die hat uns dann ein Rentner aus dem Westen mitgebracht, wenn er rüber fuhr“, so der inzwischen 70-Jährige. Wer den Rentner wiederum mit dem nötigen Westgeld ausstatte, daran könne er sich nicht erinnern.

Man ließ ihn schmoren

Immerhin konnte Wolfgang Purann trotz seines „Verrats an der DDR“ seine Arbeit behalten. Andere wurden rigoros in die Produktion geschickt. Doch man ließ ihn schmoren. Erst als ihm jemand steckte, dass es helfen würde, wenn die Eltern ebenfalls die Ausreise beantragten und er sie überzeugen konnte, wurde der Antrag genehmigt.

Wolfgang Purann bestaunt das Bild, das seine Frau gemalt hat. Es erzählt in Bildern ihre bewegende Liebesgeschichte. Quelle: privat

Bis über beide Ohren verliebt

Doch da war es um die beiden schon geschehen, denn Ann hatte nicht locker gelassen und auf ideenreiche Art verdeutlicht, dass sie bis über beide Ohren verliebt war. Wolfgang wollte eigentlich in der DDR nichts mehr anfangen mit Damen, aber das Werben der schönen Frau ließ ihn am Ende doch nicht kalt. „Das Thema Ausreise war ständig im Hinterkopf, aber ich verdrängte den Gedanken, dass unsere Geschichte zu Ende sein könnte, bevor sie richtig begonnen hatte“, sagt Ann.

Zwischen Himmel und Hölle

Doch es kam der Tag. Unmittelbar nach Pfingsten erhielt Wolfgang Purann die Ausreise nach Westdeutschland bewilligt, weil ihn seine Eltern im Westen als „Pflegeperson“ brauchten. Wolfgang war vor Freude ganz aus dem Häuschen; für Ann brach eine Welt zusammen. Sie entschloss sich zu einem Liebesgeständnis, das sie ihm in seinem Büro unterbreitete. Von dem Moment an waren sie ein richtiges Liebespaar und es begann für beide – vor der Ausreise – ein toller Sommer `89.

Fluchtgedanken in Ungarn

Sie gingen fein aus in die Sinus-Bar, um danach im Jugendbett im kleinen Kämmerlein gemeinsam zu übernachten. „Himmel, war das unbequem“, ruft Ann aus. Dann sei sie mit Fluchtgedanken nach Ungarn gefahren, wo die Flüchtlingswelle aus der DDR im vollen Gange war. Doch Ann kehrte zurück. Die Angst, am Ende noch Wolfgangs Ausreise zu gefährden, sei zu groß gewesen.

Zusammen ist es doch am schönsten, haben die beiden in turbulenten Jahren heraus gefunden. Quelle: privat

Auf nach Rüsselsheim

Am 12. September fuhr Wolfgang mit seinen Eltern und den zwei guten Teppichen auf den Dächern von Wartburg und Lada nach Rüsselsheim zu den Verwandten, während Ann einsam, todtraurig und verlassen wie immer an ihrem Arbeitsplatz in Adlershof saß. Keiner von den beiden hätte damals gedacht, dass sie schon bald wieder vereint sein würden.

Stippvisite in Ostberlin

Wolfgang fand nach der Ausreise schnell Arbeit. Am 9. November 1989 wurde er zu seinem Vorstellungsgespräch eingeladen und bekam sogar die Erlaubnis für einen Besuch in Ostberlin. Klar, dass sich die beiden trafen. „Händchen haltend gingen wir an diesem Tag an der Mauer spazieren und verabschiedeten uns im Tränenpalast in der Friedrichstraße“, so Ann. Wolfgang waren an diesem Abend Jugendliche aufgefallen, die dort sangen „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“

Die Mauer war weg

Dennoch fuhr er zurück nach Westberlin ohne sich was zu denken. Eine Journalistin aus dem Westen hatte ihm für die Dienstreise ihre Wohnung überlassen. Als Wolfgang hier ankam, läutete das Telefon. Am anderen Ende der Leitung waren die Verwandten aus Rüsselheim. „Was sagst du dazu?“, hätten die wissen wollen. Doch Wolfgang verstand nicht und glaubte ihnen auch nicht, dass die Mauer gefallen sei. „Ich selbst war doch gerade eben erst aus Ost-Berlin zurück gekommen“, erinnert er sich. Aber das Unglaubliche war wahr geworden.

Im Osten zu Hause, aber in Lederhose und Dirndl verliebt. Quelle: privat

Zweiter Anlauf

Bald darauf schmiss Ann ihr Studium und ging zu ihm nach Rüsselsheim. Im Dezember zogen sie zusammen wieder zurück nach Berlin, wo Wolfgang bei Siemens anfing. Doch die Liebe brauchte einen zweiten Anlauf. Denn in all dem Trubel und unter dem Eindruck der neuen Welt, waren Wolfgangs Gefühle abgeebbt. Sie entschied sich, auf den Rat der Mutter zu hören und einfach nur da zu sein. Mit Erfolg. „Im September 1990 gestand mir Wolfgang bei einem Essen in Eichwalde, dass er sich neu in mich verliebt hatte“, so Ann.

Akten und Alben

Das Elternhaus in Bestensee blieb trotz der Wende-Turbulenzen im Besitz der Familie Purann. Während der Abwesenheit der Familie, hatten Verwandte als Verwalter in dem Haus gewohnt. Irgendwann wollte Wolfgang zurück in die alte Heimat, die nun eine neue werden sollte. Die Verwandten zogen aus, Wolfgang ein. „Ich zog nach und nach –immer mit großen Plastiktüten bewaffnet – hinterher“, meint Ann. 2002 heirateten sie überglücklich in der Dominikanischen Republik. Ein Jahr später wurde Linda geboren. Wolfgang machte sich mit der Firma MediaPur selbstständig. Unzählige Akten und Alben erzählen von einer bewegten Zeit. Und irgendwie hat ihre Liebe tatsächlich Mauern eingerissen.

Wolgang Purann zu DDR-Zeiten in Postuniform, denn der Betrieb, in dem er als Entwickler arbeitete, gerhörte zur Post. Quelle: Andrea Müller

Von Andrea Müller

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