Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Blitzer, Schläger, Drogendealer
Lokales Dahme-Spreewald Blitzer, Schläger, Drogendealer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:46 01.02.2014
Anzeige

Frust nach dem Laufpass der Freundin
Ein 30-jähriger Mann musste sich im Amtsgericht Zossen dafür verantworten, dass er aus Frust darüber, dass ihm seine Freundin den Laufpass gegeben hatte, einen 75-jährigen Mann böse zurichtete. Letzter war ihm absolut zufällig im Treppenhaus begegnet. Dem Senior kam ein 70-Jähriger zu Hilfe, der, welch ein Pech für den Täter, ausgerechnet ein ehemaliger Berufsboxer war. Er brach dem jungen Mann mit einem Schlag das Jochbein, sodass dieser vor Schmerz ruckzuck von seinem Opfer abließ. Der Richter verurteilte den verschmähten Liebhaber zu einem Jahr Bewährung.

Kartoffelsuppe über das Internet ergaunert
Ein Internetbetrüger erhielt mit drei Jahren Freiheitsentzug die längste Strafe, die das Amtsgericht Königs Wusterhausen im vergangenen Jahr verhängte. Dem ledigen Mann, Anfang Vierzig, konnte das Gericht in 24 Fällen gewerbsmäßigen Computerbetrug nachweisen. So bestellte der Montagehelfer, der bis November 2011 schon zwei Jahre Gefängnisluft geschnuppert hatte, unmittelbar nach seiner Entlassung die unterschiedlichsten Waren im Internet, ohne auch nur eine zu bezahlen. Mit verschiedenen Mail-Adressen ließ er beispielsweise Stiefel mit Heizsystem für 270 Euro, eine Skiausrüstung für 750 Euro und Unterhaltungselektronik für 350 Euro an unterschiedliche Postanschriften liefern. Zu seiner Beköstigung ließ er sich sogar zweimal Jägertopf, zweimal Hühner- und zweimal Kartoffelsuppe über das Netz an eine Postfiliale senden, wo er seinen Mittagstisch dann auch prompt abholte. Und da er obendrein noch vier Paar Socken und ein Dampfbügeleisen benötigte, bestellte er auch dies per Mausklick und meinte, das sei alles gratis. Die Richter allerdings sahen dies grundlegend anders, sodass der Teilfacharbeiter jetzt wieder auf Staatskosten beköstigt wird.

Cannabiszucht aufgeflogen
Anfang Vierzig war auch ein Straftäter, dessen Aufzuchtanlage mit 49 Cannabispflanzen im April am Fontaneplatz in Königs Wusterhausen aufflog. Im Juni verurteilte ihn das Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die aufgrund der „positiven Perspektive“ des Täters zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Mann war geständig und seit mehr als zehn Jahren nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Täter stoppt eigene Drogenkarriere
Um ein Drogendelikt ging es auch bei einem 24-Jährigen. Offiziell bezog er Hartz-IV-Leistungen, arbeitete in dieser Zeit aber mindestens ein halbes Jahr lang als Dealer. Hier kam dem Täter bei der Festsetzung des Strafmaßes ausnahmsweise zugute, dass zwischen der Tatzeit und dem Gerichtsverfahren fast zwei Jahre lagen. Gegen ihn wurde nur eine zweijährige Bewährungsstrafe verhängt, weil er sich inzwischen – einst selbst drogenabhängig – einer Therapie unterzogen hatte und einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgeht. „Diese positive Prognose hat das Gericht selbstverständlich berücksichtigt“, sagt Matthias Deller, Leiter des Amtsgerichts Königs Wusterhausen.

Rockerboss verlangt Schmerzensgeld
Anklage wegen versuchter räuberischer Erpressung wurde im Dezember erhoben. Bei dem Angeklagten soll es sich Deller zufolge um den Präsidenten eines Rockerclubs handeln. Dessen Freundin wurde von einem Bekannten geschlagen. Dafür wollte der Rockerchef ein Schmerzensgeld in Höhe von 3000 bis 5000 Euro erwirken. Wenn er die Zahlung nicht erhalte, werde der Bekannte „Besuch bekommen“. Diese Drohung wertete das Gericht zwar nicht als räuberische Erpressung, weil der geschlagenen Freundin tatsächlich Schmerzensgeld zusteht, aber immerhin als versuchte Nötigung. Sie wurde mit einer Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen geahndet. Gegen das Urteil legte der Angeklagte Berufung beim Landgericht in Cottbus ein.

Bahnhof Mahlow gleich zweimal zerlegt
Seine Aggressionen lebte ein junger Mann am Bahnhof Mahlow aus. „Das Bemerkenswerte daran ist“, sagt die Ständige Vertreterin des Zossener Amtsdirektors, Ulrike Severin, „dass er den Bahnhof innerhalb von nur drei Wochen gleich zweimal zerlegte.“ In zwei Verfahren am Landgericht Potsdam sowie am Amtsgericht Zossen wurde dies mit einer Geldstrafe von insgesamt mehr als 9000 Euro und einer zweijährigen Jugendstrafe mit Bewährung belegt, in die allerdings auch noch andere Delikte einflossen.

Rätselhafte Postdiebstähle
Juristisch als sogenannter „Bewährungsversager“ eingestuft, stand im vergangenen Jahr ein lediger Mann mit Mitte Dreißig vor Gericht. In der Hauptsache allerdings – der im Sommer 2012 verübten spektakulärsten Serie von Postdiebstählen in der Region Dahmeland-Fläming – wurde er freigesprochen. Die Unterschlagung der damals verschwundenen fast 2000 Briefe, dutzender Pakete und Päckchen konnte ihm nicht nachgewiesen werden, weil auch andere Kurierfahrer oder Postbedienstete als mögliche Täter in Frage gekommen wären. So bleiben die Postdiebstähle weiterhin ein Rätsel. Dem Mittdreißiger legte das Schöffengericht aber zur Last, dass er an mindestens 35 Tagen, in denen er für die Post als Kurierfahrer arbeitete, ohne Fahrerlaubnis unterwegs war. Ein bereits mehrfach begangenes Vergehen, wofür der Täter schon vom Amtsgericht Strausberg zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden war. In dieser Zeit fuhr er aber munter sogar als Kurierfahrer weiter ohne Fahrerlaubnis, sodass er jetzt zwei Jahre im Gefängnis einsitzen soll. Dagegen legte er Berufung ein.

Blitzer als sprudelnde Geldquelle
Um das Verkehrsgeschehen drehen sich auch Verfahren im Amtsgericht Zossen, von denen immer wieder ein im Landkreis Teltow-Fläming lebender Rechtsanwalt betroffen ist. Gegen ihn läuft nach Angaben der amtierenden Gerichtsdirektorin Severin eine Vielzahl von Bußgeldverfahren. Er wird verdächtigt, immer wieder mit erhöhter Geschwindigkeit Blitzer-Kontrollstellen zu passieren. Dies habe man ihm, Severin zufolge, aber nie nachweisen können, weil die Sonnenblende im Auto stets soweit nach unten gezogen wurde, dass nur das Kinn des Fahrers ersichtlich ist. Der Jurist lässt sich bei all den Verfahren von einem Anwalt vertreten. Da die Identität des Fahrers nicht eindeutig feststellbar ist, müssen die Verfahren in der Regel eingestellt werden. Die Kosten trägt dann die Staatskasse. Insider charakterisieren diese „Cleverness“ als „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ für Rechtsanwälte, bei der Juristen allerdings den Entzug ihrer beruflichen Existenz riskieren.

Wildschäden-Klagen in zweiter Instanz
Bei Zivilverfahren geht üblicherweise gern um Streitigkeiten mit Handwerkern oder Vermietern beziehungsweise Flugverspätungen. Doch auch in dieser Hinsiht hat das Amtsgericht Königs Wusterhausen mehr zu bieten. Zum Beispiel die zehn Wildschäden-Klagen der Münchehofener Agrargenossenschaft gegen die Jagdgenossenschaft des Ortes, die noch immer nicht abgeschlossen sind. Aufgrund der auf den Feldern entstandenen Wildschäden forderten die Münchehofener Landwirte von der Jagdgenossenschaft des Ortes in drei Verfahren bereits 2012 einen Schadenersatz im Wert von mehr als 65.000 Euro. Dies wies das Amtsgericht in allen drei Fällen mit der Begründung zurück, dass „die Höhe des Schadens nicht nachvollziehbar berechnet ist.“ Die Agrargenossenschaft legte dagegen Berufung ein, sodass die Klage am Landgericht in die zweite Instanz geht. Die anderen Verfahren laufen noch am Amtsgericht und sind für 2014 terminisiert.

Senioren werden zu Langfingern
Als bemerkenswert bewertet die Juristin Ulrike Severin auch, dass am Amtsgericht Zossen von Jahr zu Jahr mehr Fälle bekannt werden, in denen sich betagte Senioren mit 70 oder 80 Jahren wegen geringfügigster Vergehen verantworten sollen. Ihnen wird unter anderem der Diebstahl einer Strumpfhose oder einer Schachtel Pralinen mit Streitwerten von teilweise unter zehn Euro zur Last gelegt. Diese Verfahren werden Severin zufolge meist eingestellt. Zumal es sich in der Regel bis dato um völlig unbescholtene Bürger handelt, die 50 oder 60 Jahre lang nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Ob es sich hier um die Vorboten der zunehmenden Altersarmut handelt, vermag die Juristin nicht zu sagen.

Dahme-Spreewald Gemeinde nimmt sieben Vereine in Programm auf - Streit um Förderung der Schönefelder Sportler
01.02.2014
Dahme-Spreewald Bürgermeister schenkt der Vierjährigen eine Kinderparty im Kino - Die kleine Elli ist die 5000. Zeesenerin
31.01.2014
Dahme-Spreewald Experten warnen vor Geschlechtskrankheiten - Fälle von Syphilis in Brandenburg häufen sich
01.02.2014