Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Ein Alltag voller Barrieren
Lokales Dahme-Spreewald Ein Alltag voller Barrieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 17.06.2014
Verena Bentele (Mitte) bei ihrem Besuch in Königs Wusterhausen. Neben ihr: Bundestagsabgeordnete Jana Schimke und Landrat Stephan Loge. Quelle: Nadine Pensold
Königs Wusterhausen

Flink huschen die Hände von Verena Bentele über die Schablonen. „Ah, die Populationsentwicklung der Feldmaus“, sagt sie und lässt den Finger weiter über erhabene Linien und Punkte gleiten. Auch Matheaufgaben, Landkarten und Sportübungen ertastete die Bundes-Behindertenbeauftragte bei ihrem Besuch in der Schule für Blinde und Sehbehinderte Königs Wusterhausen. Dorthin hatte sie die Bundestagsabgeordnete Jana Schimke (CDU) eingeladen. Allerdings nicht nur, um der mehrfachen Goldmedaillen-Gewinnerin bei den Paralympics die einzige Blindenschule Brandenburgs zu präsentieren. Es ging darum die Themen Barrierefreiheit und Inklusion in der Region zu diskutieren.
Dazu waren Mitglieder der Sozialverbände, Vertreter von Ministerien, Behindertenbeauftrage aus dem Landkreis Dahme-Spreewald sowie Vertreter von Unternehmen und der Arbeitsagentur in die Schulaula gekommen. „Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist nicht nur ein Menschenrecht, sondern etwas, das für jeden Menschen immer wichtiger wird“, sagte Jana Schimke. Es gebe viele Fortschritte in Sachen Barrierefreiheit. „Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Was uns fehlt, ist die Sensibilität für die Sicht der Menschen mit einem Handicap.“

Damit Menschen mit Behinderung künftig noch selbstbestimmter leben können und dafür auch die nötige Förderung erhalten, arbeitet die Regierung am neuen Bundes-Teilhabe-Gesetz – daran mitzuwirken ist eine Aufgaben von Verena Bentele. „Ich hoffe hier auf Input, den ich dann in die nächsten Diskussionen mit einbringen kann“, sagte sie und forderte damit die Anwesenden auf, ihre Wünsche und Fragen vorzutragen. Und davon gab es einige.

Ein wichtiges Anliegen brachte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Elke Voigt, zur Sprache: die Bauordnung. Sie forderte, dass es vor allem einheitliche Vorschriften für die Barrierefreiheit von Gebäuden geben solle. In Dahme-Spreewald arbeiten bei öffentlichen Bauvorhaben zwar Bauordnungsbehörde, die Gleichstellungsbeauftragte und die AG Barrierefreiheit zusammen – doch damit sind nicht alle Probleme aus der Welt geschafft. Oft würden Investitionen in die Barrierefreiheit mit „zu teuer“ abgewiegelt, sagte Gabriele Schirmer, Vorsitzende des Behindertenverbands Dahme-Spreewald. Sie forderte finanzielle Konsequenzen für jene Bauherren, die sich nicht an die Vorgaben der Barrierefreiheit halten.

Dass jede Behörde, jedes Gericht und jede Gesundheitseinrichtung für jeden zugänglich sein muss, ist in der Behindertenrechts-Konvention der Vereinten Nationen festgelegt – und die gilt auch für Deutschland, erläuterte Verena Bentele. „Politiker vergessen aber oft, was sie vor fünf Jahren ratifiziert haben.“ Um die Regeln für barrierefreie Bauprojekte zu bündeln, wird derzeit ein Leitfaden erstellt, der den Bauherren als Regelwerk dienen soll, sagte Bentele.

Der Sportstar

Verena Bentele wurde am 28. Februar 1982 in Lindau geboren. Sie ist von Geburt an blind. Schon als Kind entdeckte sie ihre Liebe zum Wintersport.

Internationale Erfolge verbuchte sie in den Disziplinen Biathlon und Skilanglauf. Sie ist vierfache Weltmeisterin und gewann zwölf Goldmedaillen, zweimal Silber und zweimal Bronze bei den Paralympics. Die meisten Medaillen gewann sie bei den Winter-Paralympics 2010 im kanadischen Vancouver. Für ihre Leistungen wurde sie 2010 mit dem Bambi in der Kategorie Sport ausgezeichnet.

Ihre sportliche Karriere beendete sie 2011. Im gleichen Jahr beendete sie ihr Magisterstudium in Literatur-, Sprachwissenschaft und Pädagogik an der Universität in München.

Seit 2008 engagiert sich die heute 32-Jährige als Botschafterin der Christoffel-Blindenmission. Sie ist außer dem Botschafterin des internationalen paralympischen Komitees und der Laureus Stiftung Deutschland.

Anfang des Jahres wurde Verena Bentele Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Auch das Thema Bildung wurde am Dienstag angesprochen. Vor allem Fred Ölschläger, Leiter der Schule für Blinde und Sehbehinderte, nutzte die Chance, um die Beauftragten der Bundesregierung auf die kritische Situation der Pädagogenausbildung aufmerksam zu machen. „Ich habe Nachwuchssorgen“, sagte er und verwies darauf, dass es in Deutschland nur noch fünf Hochschulen gibt, die Sonderpädagogen für Blindenschulen ausbilden. Der dritte Diskussionspunkt war die Teilhabe am Arbeitsleben. Viele behinderte Menschen gehen in der Region einem Beruf nach – dennoch waren in Teltow-Fläming im Mai 283 Schwerbehinderte arbeitslos, in Dahme-Spreewald 329. Der Anteil der Schwerbehinderten an der Arbeitslosenquote liegt damit bei 4,3 Prozent in Teltow-Fläming und bei 5,5 Prozent in Dahme-Spreewald. „Ich vermisse manchmal Aufgeschlossenheit bei den Unternehmen“, sagte Claudia Sieber, Bereichsleiterin der Agentur für Cottbus.

Heinz Müller, Geschäftsführer der Firma Eldat in Königs Wusterhausen, gehört zu denen, die mehrere Menschen mit Behinderung beschäftigt. Er weiß, dass das vor allem für kleine Unternehmen oft schwierig ist. Es gebe zu viele Regeln und Richtlinien die einer Einstellung voraus gehen. „Da bedarf es der Hilfestellung durch das Jobcenter, um solche Hürden zu beseitigen.“ Er nahm zudem die Bundesregierung in die Pflicht, neben der Bereitstellung von finanziellen Förderungen auch konkrete Ziele bei der Inklusion zu setzen. „Wir sprechen zwar viel darüber, aber wir tun zu wenig.“

Auch Verena Bentele sieht weiteren Handlungsbedarf. Ihr ist es wichtig, dass Schüler mit Behinderung möglichst früh Kontakt zur Wirtschaft bekommen – etwa, dass sich Jugendliche und Unternehmer im Rahmen von Praktika kennenlernen können. „So können wir auch die Barrieren in den Köpfen abbauen“, sagte sie.

Von Nadine Pensold

Folgen Sie uns auf Facebook!

Aktuelle Nachrichten und Fotos aus den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald finden Sie auf unserer Facebook-Seite.  Folgen Sie unserer Seite und diskutieren Sie mit uns über aktuelle Artikel oder geben Sie uns Hinweise, worüber wir berichten können.

Hier kommen Sie direkt auf unsere Facebook-Seite: www.facebook.com/dahmelandflaeming.

Werden Sie Fan von der MAZ bei Facebook!

Polizei 52-jähriger Deutscher wollte gefälschte Picasso-Gemälde verkaufen - Kunstfälscher am Flughafen festgenommen

Am Flughafen Schönefeld (Dahme-Spreewald) ist am Montagabend ein Kunstfälscher festgenommen worden. Der Mann wollte eigentlich nach Moskau fliegen. Stattdessen flog er bei einer Ausweiskontrolle auf und wurde festgenommen. Der 52-Jährige war per Haftbefehl gesucht. Unter anderem, weil er falsche Picasso-Gemälde verkaufen wollte.

17.06.2014
Polizei Dahme-Spreewald: Polizeibericht vom 17. Juni - Frau wird bei Unfall verletzt

+++ Motzen: Zwei Autos müssen nach Unfall abgeschleppt werden +++ Töpchin: Autos krachen beim Rangieren zusammen +++ Niederlehme: Autoradio aus Lkw gestohlen +++ Ziegenhals: Auto über Nacht gestohlen +++ Lübben: Polizei fahndet nach gestohlenem Auto +++

17.06.2014
Teltow-Fläming Pinas Welt (24) – die Kolumne mit Biss - Das Ballmädchen

Redaktionshund Pina nimmt immer dienstags die Lokalausgaben der MAZ in Dahmeland-Fläming auseinander. Mit ihrem guten Riecher spürt sie dabei die Ereignisse der Woche auf und kommentiert diese auf etwas andere Art und Weise. Einfach tierisch eben.

17.06.2014