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Dahme-Spreewald Coronavirus: Ämter und Kliniken gut vorbereitet
Lokales Dahme-Spreewald Coronavirus: Ämter und Kliniken gut vorbereitet
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19:46 25.02.2020
Großeinsatz am Flughafen Tegel: Gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr, Bundeswehr, Senatsbehörden und der Charité hat die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) im September 2019 eine breit angelegte Notfallübung durchgeführt. Geprobt wurde der Einsatz von Hilfs- und Rettungskräften im Falle eines Seuchenverdachts. Quelle: Anikka Bauer
Dahmeland-Fläming

Im Gesundheitsamt von Teltow-Fläming stehen die Telefone nicht mehr still. In diesen Tagen dreht sich bei Hans Floss fast alles um das Coronavirus. Der Leitende Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin berät, gibt Auskünfte und vermittelt zwischen den Krankenhäuser, der Politik und den leitenden Stellen.

Krankheit schwer vorherzusagen

Seit Wochen beobachtet der Fachmann den Verlauf des heimtückischen Virus genau. „Es rückt immer näher an unseren Landkreis heran“, so Floss. Das Gefährliche: Die Krankheit ist schwer vorherzusagen. Es gibt nur wenige Vergleiche. In manchen Fällen gibt es nur eine milde Infektion, in anderen endet sie tödlich.

Hans Floss, Sachgebietsleiter für Hygiene und Umwelt im Gesundheitsamt des Landkreises Teltow-Fläming. Quelle: privat

Hans Floss steht ständig im Kontakt zum Gesundheitsministerium in Potsdam. Regelmäßig gibt es Telefonschalten zum aktuellen Stand – zuletzt am Dienstagnachmittag. Das Robert Koch Institut gibt genau Vorgaben, wie sich die einzelnen Institutionen zu verhalten haben. Der Experte aus dem Gesundheitsamt von Teltow-Fläming gibt dazu einen Überblick.

Bei Atemwegs-Symptomen zum Arzt

China-Reisende, die schon auf dem Rückflug Symptome wie Husten, Atemnot und Fieber verspüren, sollten sofort, am besten noch im Flughafen reagieren und einen Arzt aufsuchen. Treten die Symptome erst später zu Hause auf gelte es ebenso, medizinischen Rat zu suchen. Am besten zunächst über das Telefon.

Die Krankheit ist schwer vorherzusagen. Es gibt nur wenige Vergleiche. In manchen Fällen gibt es nur eine milde Infektion, in anderen endet sie tödlich. Quelle: Center for Disease Control

„Bei einem ersten Verdacht und Atemwegs-Symptome sollte dringend der Kontakt zu anderem Menschen vermieden werden“, sagt Hans Floss. Direkt im Wartezimmer Platz zu nehmen und somit andere zu gefährden, sei der falsche Weg. Als gefährdet gelten aus seiner aber bislang nur Personen, die direkt aus China kommen oder mit Infizierten in Kontakt kamen.

Quarantäne ist wichtig

Einen Impfstoff gibt es bislang noch nicht. Sollte es tatsächlich zu einem Corona-Fall in Teltow-Fläming kommen, was bislang noch nicht der Fall ist, sieht sich Hans Floss aber gut vorbereitet. Regelmäßig überprüft er die Hygiene und Labordiagnostik in den Krankenhäusern. „Wichtig ist, Betroffene direkt in Quarantäne zu geben.“

Die Notaufnahmen der Kliniken fühlen sich auf das Coronavirus gut vorbereitet. Quelle: Rüdiger Böhme

Gleiches gilt in Dahme-Spreewald. Hier gab es auch schon mehrere Verdachtsfälle, wovon sich bislang jedoch keiner bestätigte. Zuletzt herrschte am Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium große Aufregung. Am Freitag kam eine Schülergruppe aus Italien von einer Klassenfahrt zurück. Eltern befürchteten sie könnten sich mit dem Coronavirus infiziert haben und riefen aufgeregt in der Schule an, wie das Gymnasium auf seiner Internetseite berichtete.

Zwei Spreewälder unter Quarantäne

Einige Schüler zeigten demnach typische Symptome. Das Gesundheitsamt konnte letztlich Entwarnung geben. Es soll sich lediglich um eine Grippe handeln. Es bestünde keine Gefahr. Zuvor kamen zwei Spreewälder von einer Kreuzfahrt in Asien zurück. Tagelang harrten sie auf einem Schiff aus. Kein Land wollte sie aufnehmen, da bereits mehrere Passagiere erkrankten. Mittlerweile ist das Ehepaar in Quarantäne.

An den Flughäfen Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld wurden Warnplakate zum Coronavirus aufgehängt. Sie hängen im Ankunftsbereich, warnen vor den Symptomen und erklären Vorsichtsmaßnahmen. Quelle: www.imago-images.de

Besonders gefährdet ist derzeit der Flughafen in Schönefeld. Täglich treffen hier hunderttausende Menschen aus aller Welt aufeinander. Im Notfall wissen die Mitarbeiter, was zu tun ist. Geregelt ist das alles über die Behörden, erklärt Flughafensprecher Daniel Tolksdorf auf MAZ-Nachfrage. Erst im September gab es am Flughafen Tegel eine Großübung – mit Polizei und Feuerwehr, Bundeswehr, Senatsbehörden und der Charité – zum Thema Seuchenalarm.

Von Erfahrungen profitieren

Entsprechende Schulungen gab es auch an den Krankenhäusern in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald. Das Klinikum in Königs Wusterhausen sieht sich gut vorbereitet. „Unter Berücksichtigung der aktuellen Risikobewertung sowie der Erfahrungen, die wir in den Vorbereitungen von ’Sars’ und ’Mers’ gemacht haben, passen wir unsere Maßnahmen jeweils der aktuellen Situation an“, so Pressesprecherin Rangnhild Münch.

Großeinsatz am Flughafen Tegel: Gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr, Bundeswehr, Senatsbehörden und der Charité hat die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) im September 2019 eine breit angelegte Notfallübung durchgeführt. Geprobt wurde der Einsatz von Hilfs- und Rettungskräften im Falle eines Seuchenverdachts. Quelle: Anikka Bauer

Grundsätzlich gehören laut Münch die erforderliche Schutzausrüstung – mit Mundschutz, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel – im Klinikum Dahme-Spreewald, wie in allen deutschen Krankenhäusern, zum Standard-Vorrat. Auch Transportboxen, in denen Proben in die Speziallabore gebracht werden können, seien ausreichend vorhanden.

Proben kommen ins Labor

„Wenn ein Patient mit möglichen Symptomen in die Notaufnahme kommt, erfolgt umgehend ein Test, der kurzfristig von einem Labor ausgewertet wird, so dass in kurzer Zeit Gewissheit über eine Infektion mit dem Corona-Virus besteht“, informiert Anett Brommund-Schnabel von den KMG Kliniken zum Sachstand in Luckenwalde.

Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske. Der erste Fall des Corona-Virus in Deutschland hat die Nachfrage nach Atemmasken in Apotheken stark erhöht. Quelle: dpa

Gedanken dazu machen sich auch die Jüterboger. Sie haben eine Partnerstadt in Italien. In dem Land stieg zuletzt die Anzahl an Corona-Infizierten explosionsartig. „Die dortige Bürgermeisterin beschäftigt sich schon mit dem Thema, wobei das Gebiet selber nicht betroffen ist“, berichtet der Jüterboger SPD-Stadtverordnete und Mitglied des Heimatvereins „Jüterboger Land“, Falk Kubitza.

Reise noch nicht abgesagt

Eine Reise in die italienische Partnerstadt Fossato de Vico mit einer Delegation aus Jüterbog sei für Anfang Mai geplant. Abgesagt sei diese bisher aber noch nicht. Kubitza erklärt jedoch: „Wir beobachten das schon sehr aufmerksam, ob wir bei unseren Reiseabsichten bleiben können und stehen mit den Leuten vor Ort in Kontakt.“

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