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Dahme-Spreewald CDU und SPD wollen Hofjagdweg zur Fahrradstraße machen
Lokales Dahme-Spreewald

Dahme-Spreewald: CDU und SPD wollen Hofjagdweg zur Fahrradstraße machen

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19:52 26.10.2020
Hohes Bankett, viel Autoverkehr: Der Hofjagdweg ist für Radfahrer unattraktiv. Quelle: Oliver Fischer
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Dahme-Spreewald

Der Hofjagdweg ist für Radfahrer seit langem ein Ärgernis – und das im günstigsten Fall. Weil auf dem ursprünglich als Fahrradstrecke ausgelegten Weg auch Autos fahren dürfen, kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu brenzligen Situationen und Unfällen. Die Fraktionen CDU/FDP/Bauern und SPD wollen daran nun etwas ändern.

In der Kreistagssitzung am Mittwoch bringen sie einen Antrag ein, in dessen Folge der Hofjagdweg als Fahrradstraße ausgewiesen werden könnte. Konsequenz: Autofahrer müssten sich dann zumindest auf Teilen des Weges eine andere Strecke suchen. Damit käme der Kreistag einer Forderung nach, die der ADFC bereits seit Längerem aufgemacht hat.

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Landkreis soll sich für Umwidmung einsetzen

Ob der Weg allerdings tatsächlich zur Fahrradstraße wird, kann der Kreistag nicht entscheiden. Denn Träger des 66 Kilometer langen Hofjagdweges zwischen Königs Wusterhausen und dem Spreewald sind die Gemeinden, im Fall des besonders kritischen Abschnitts zwischen Krummensee und Groß Köris sind es Mittenwalde, Bestensee und das Amt Schenkenländchen. Bei denen soll sich – so der Beschlussvorschlag – der Landkreis für die Umwidmung des Weges einsetzen.

Das Problem auf dem Hofjagdweg ist ein grundsätzliches: Der betreffende Abschnitt war von 2012 bis 2014 vom Landkreis für 1,8 Millionen Euro mit EU-Mitteln ausgebaut worden. Von Beginn an war er für eine Mehrfachnutzung vorgesehen. Zum einen sollte er Radfahrern als touristischer Weg dienen, zum anderen war er aber auch für Forst- und Landwirtschaftsfahrzeuge ausgelegt. Diese Rechnung ging aber nicht auf, was daran liegt, dass der Weg mit durchschnittlich 3,50 Metern zu schmal ist, um von Autos und Radfahrern gleichzeitig befahren zu werden. Als etwa das Bestenseer Zentrum vor Straßenbaustellen lahm gelegt wurde, nutzten viele Autofahrer den Hofjagdweg als inoffizielle Umgehungsstrecke. Und da die Bankette mehrere Zentimeter tiefer liegen als die Fahrbahn, können Radfahrer auch nicht ausweichen.

ADFC fordert seit längerem Fahrradstraße

Der Königs Wusterhausener ADFC schlug deshalb bereits mehrfach Alarm, zuletzt im Juli. „Dort beim Überholen der Radfahrer den Mindestabstand einzuhalten, ist unmöglich“, sagte der Königs Wusterhausener ADFC-Vorsitzende Reinhard Kähler damals. „Und wir reden da nicht über ein oder zwei Autos, da ist richtiger Verkehr.“

Bis 2016 galt auf dem Teilstück immerhin noch eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Dann hob der Landkreis das Tempolimit aber auf. Der Weg galt fortan als Landstraße, Spitzengeschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern waren erlaubt. Erst in diesem Sommer wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 60 gedrosselt, für den ADFC machte das aber keinen Unterschied, die Radfahrer blieben gefrustet.

Amt Schenkenländchen sperrt sich

Weil es immer wieder Klagen darüber gab, wurde sogar ein „Runder Tisch“ zum Thema einberufen, der Tourismusverband Dahme-Seenland warb ebenfalls für eine Fahrradstraße, aber auch das half nichts. Grund: Die Gemeinden müssen sich einig sein, und das ist bislang nicht der Fall. Mittenwalde und Bestensee sprechen sich zwar seit zwei Jahren dafür aus, den Hofjagdweg zur Fahrradstraße zu machen. Aber die Gemeinde Groß Köris – und damit das Amt Schenkenländchen – sperrt sich.

Im Schenkenländchen geht man davon aus, dass die Fahrbahn des Hofjagdweges ursprünglich als Straßen angelegt wurden und deshalb auch als solche genutzt werden sollten. „Der Bedarf für den Autoverkehr ist bei uns deutlich höher als für den Radverkehr“, sagt Amtsdirektor Oliver Theel. Das lasse sich auch an dem starken Verkehrsaufkommen und der geringen Nutzung des Weges für Radfahrer erkennen. Als Umleitungsstrecke sei der Hofjagdweg für Autofahrer in der Region zentral. „Unsere Einwohner ließen es sich schwer vermitteln, dass eine Straße, die für 40-Tonner zugelassen ist, plötzlich nicht mehr von Autos befahren werden darf“, so Schenkenländchens Amtsdirektor Oliver Theel.

Würde der Hofjagdweg tatsächlich zur Fahrradstraße erklärt, wäre der Weg nur noch für den land- und forstwirtschaftlichen Verkehr zulässig. Die Frage wird sein, ob sich das Schenkenländchen von einem Kreistagsbeschluss überzeugen lässt.

Von Oliver Fischer

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