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Dahme-Spreewald Personalnot in Dahme-Spreewald: Kommunen suchen verzweifelt Klimamanager – aber es gibt keine
Lokales Dahme-Spreewald Personalnot in Dahme-Spreewald: Kommunen suchen verzweifelt Klimamanager – aber es gibt keine
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14:13 28.11.2019
Wildau sucht einen Klimamanager, womöglich auch bald Zeuthen, Schulzendorf, Eichwalde, Königs Wusterhausen und viele andere Gemeinden. Quelle: Frank Pawlowski
Dahmeland-Fläming

Klimaschutz ist zweifellos das Thema der Stunde in der örtlichen Kommunalpolitik. Eichwalde hat im September den Klimanotstand ausgerufen, Königs Wusterhausen will einen Fahrplan zum Klimaschutz erarbeiten, in Zeuthen wurden bereits zwei Maßnahmenpakete zum Klimaschutz beschlossen –und regeln sollen das alles die so genannten Klimaschutzmanager.

Als unlängst im Regionalausschuss von Zeuthen, Eichwalde, Wildau und Schulzendorf darüber diskutiert wurde, ging es kaum mehr darum, ob ein solcher Manager eingestellt werden soll. Die Frage war eigentlich nur noch: für wen und wie viele. Besser einer für alle? Oder lieber zwei für vier Gemeinden? Oder soll jeder einen eigenen bekommen?

Es könnte allerdings sein, dass die Klimarevolution personell nicht ganz so einfach wird, wie man sich das in den Kommunen erhofft. Stephan Loge (SPD), Landrat von Dahme-Spreewald, wies zumindest im jüngsten Kreistag auf ein Problem hin, dem die klimaschutzwilligen Kommunalpolitiker bislang nur wenig Beachtung schenkten: das Problem des Fachkräftemangels.

Loge: „Es gibt Berufe, die sind einfach zu rar“

Loge berichtete davon, dass der Landkreis aktuell wieder einen eigenen Klimaschutzmanager sucht. Es sei bereits das vierte Mal, dass eine solche Stelle ausgeschrieben wird. Die ersten drei habe man nach kurzer Zeit alle wieder ziehen lassen müssen. Einer machte intern Karriere, die beiden anderen schieden aus der Kreisverwaltung aus. Die Personalfindung in diesem Bereich sei schwer.

„Es gibt Berufe, die sind angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen einfach zu rar“, sagte Loge. Sein Personalchef Alexander Nagel fasst die Erfahrungen des Landkreises so zusammen: „Bei den ersten beiden Ausschreibungen hatten wir ganz gute Bewerber, beim dritten Mal war das Bewerberfeld nicht ganz so überzeugend.“

LDS-Landrat Stephan Loge (SPD) Quelle: G.I.

Angesichts der rasant steigenden Nachfrage nach Klimaschutzmanagern im Landkreis könnte sich das Bewerberfeld auch in den Kommunen als Problem erweisen. Denn das Anforderungsprofil gibt es noch nicht lange, und Klimaschutzmanager ist auch kein Ausbildungsberuf.

Personaler müssen sich deshalb bei jeder Ausschreibung erst Gedanken machen, welche Qualifikation sie abfordern und wie hoch die Ansprüche sind, die sie stellen. Alexander Nagel etwa hat das Profil seiner nächsten Ausschreibung noch gar nicht zusammen. „Ich gehe von einem Hochschulabsolventen aus“, sagt er. Aber die konkreten Fachrichtungen seien derzeit noch unklar.

Echte Klimaexperten sind kaum zu haben

Zumal es echte Experten in Klimadingen ohnehin kaum gibt. Nach Angaben des Deutschen Klimakonsortiums existiert bislang nicht einmal einen Studiengang Klimawissenschaften. Um das Klima und die unterschiedlichen Treiber, die es verändern, zu verstehen, müssten viele Disziplinen ineinandergreifen. Dazu gehören Physik, Meteorologie, Chemie und Geowissenschaften wie Geologie, Geophysik, Geografie, Ozeanographie und Hydrologie. Aber auch Spezialfächer wie Paläontologie, Geodäsie, Glaziologie oder Geochemie.

Der Masterstudiengang „Integrierte Klimasystemwissenschaften“ an der Universität Hamburg versucht diese Gebiete halbwegs zusammenzubinden – aber allzu viele Absolventen sind von dort nicht verfügbar. Und um das zu tun, was Aufgabe eines Klimamanagers ist, nämlich gesellschaftlich auf den Klimawandel reagieren, brauche es eigentlich auch noch ein Verständnis von Ingenieurwissenschaften, Politik, Kommunikation und Soziologie. Für eine halbe Stelle im Zeuthener oder Schulzendorfer Rathaus klingt das ziemlich anspruchsvoll.

Studienabschluss mit Fachrichtung Klima

Deshalb sind auch die Bürgermeister, die womöglich bald Personalgespräche führen müssen, in diesen Fragen noch etwas unspezifisch. Schulzendorfs Bürgermeister Markus Mücke (parteilos) etwa sagt: „Es geht um eine fachliche Kompetenz zum Thema Klima, da erwarte ich einen Studienabschluss in der entsprechenden Richtung. Aufgrund von Erfahrungen sollte er außerdem darlegen können, dass er ein Klimaschutzkonzept erstellen kann.“

Wildaus Stadtchefin Angela Homuth (SPD) wünscht sich „ein Hochschulstudium, in dem das Klima zumindest gestreift wurde“. Das könne Biologie sein, aber auch Forstwissenschaft oder ein ähnliches Fach. Sie rechnet aber damit, dass die Fachkraft ohnehin erst einmal auf Fortbildung geschickt werden muss. „Ein Klimamanager wird viel lernen müssen“, sagt sie. Aktuell gehe sie sogar davon aus, dass sie einen bereits vorhandenen Verwaltungsmitarbeiter umschulen kann.

Wildaus Bürgermeisterin Angela Homuth (SPD). Quelle: G.I.

Brauchen keinen Klimaretter

Letztlich soll ein Klimamanager unterm Strich auch kein Klimaretter sein. Es soll Aktivitäten und Projekte koordinieren und dafür sorgen, dass entsprechende Beschlüsse auch umgesetzt werden. Er soll Fördermittel besorgen, Konzepte erarbeiten, auf Einsparpotenziale hinweisen und die nötigen Maßnahmen auch kommunizieren. Heißt unterm Strich: Auch in Verwaltungsdingen sollte der Klimamanager geschult sein. „Da gehe ich schon davon aus, dass Markt leer gefegt ist, und dass man als Arbeitgeber attraktiv sein muss, um überhaupt jemanden zu finden“, sagt Markus Mücke.

Alexander Nagel vom Landkreis formuliert es anders: „Man muss offen für Bewerber sein und darf sich in seinen Ansprüchen nicht zu sehr einschränken. Sonst ist das Risiko groß, dass man keinen mehr abbekommt.“

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Von Oliver Fischer

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