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Dahme-Spreewald Was heimische Firmen alles erfinden
Lokales Dahme-Spreewald Was heimische Firmen alles erfinden
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00:23 18.04.2019
Die Tassima AG will in Ragow Dieselbusse zu Elektro-Fahrzeugen umrüsten. Quelle: Tassima AG
Wildau

Manchmal kann sich ein Unternehmen nicht aussuchen, ob es innovativ sein will oder nicht. Roland Prejawa etwa vom Fahrzeugaufbauer Tassima hätte sich durchaus etwas weniger Entwicklungsaufwand gewünscht. Prejawa arbeitet gemeinsam mit anderen Unternehmern daran, alte Doppelstockbusse der Berliner Verkehrsbetriebe zu Elektrobussen umzubauen. Aus den alten Dieselstinker sollen geschmeidige und umweltfreundliche Sightseeing-Busse werden. „Wir hatten gehofft, dass wir dabei auf bestehende Lösungen zurückgreifen können“, erzählt Prejawa. Aber solche Lösungen gebe es bislang leider nicht. Deshalb musste die Tassima AG selbst zum Entwickler werden.

Roland Prejawa war einer von sechs Unternehmern, die am Donnerstagabend beim Forum Mittelstand die Innovationskraft der Dahmeländer Wirtschaft demonstrierten. Gastgeber war das Zeuthener Desy – ein passender Standort für eine solche Diskussionsrunde, weil an kaum einem anderen Ort im Landkreis so viel Neues ersonnen wird wie dort. Aber auch die Unternehmer müssen sich nicht zu verstecken. Sie alle gaben beeindruckende Einblicke in moderne Unternehmen, die teilweise selbst in ihrer direkten Nachbarschaft bislang kaum bekannt sind.

Zentimetergenau bei der Gurkenernte

Die Firma Alberding aus Wildau etwa entwickelt mit einem kleinen Team Software und Sensoren, die es ermöglichen, dass landwirtschaftliche Geräte oder Schiffe zentimetergenau geortet und gesteuert werden können. Das komme auch der hiesigen Landwirtschaft zugute, sagte Maik Uhlemann, Projektingenieur bei der Firma. Gurkenflieger etwa, die bei der Gurkenernte im Spreewald eingesetzt werden, arbeiten am effektivsten, wenn sie eine Strecke von 160 Metern in der Stunde zurücklegen. „Mit GPS lässt sich diese Geschwindigkeit so genau nicht steuern. Da kommt unsere Software ins Spiel“, so Uhlemann.

Die Firma Seramun Diagnostica aus Wolzig kann gleich mit mehreren tiefgreifenden medizinischen Entwicklungen punkten. Das Unternehmen brachte Anfang der 90er Jahre den weltweit ersten HIV-Schnelltest auf den Markt, entwickelte später auch den ersten Gluten-Intolleranz-Test und einen Test zum schnellen Nachweis der Darmkrankheit Morbus Crohn. Die Firma, die einst mit sechs Mitarbeitern gegründet wurde, vertreibt heute weltweit 180 Produkte aus eigener Entwicklung. In naher Zukunft werde man für fast zehn Millionen Euro eine neue Laborlandschaft bauen. „Wir wollen uns im LDS festsetzen“, sagte Geschäftsführerin Renate Fischer.

Revolutionäre Klärtechnik

Auch die anderen Unternehmer berichteten Bemerkenswertes. Alexander Lange von der Firma FTT etwa erzählte, wie das Unternehmen in Wildau Prüfvorrichtungen für neue Bauteile von Flugzeugturbinen entwickelt. Karsten Königstein von der Firma Sinfosy schilderte mit unverholenem Stolz, dass sein Unternehmen inzwischen Kunden wie Bosch, Daimler, Rolls-Royce oder den Baumaschinenhersteller Caterpillar mit selbst entwickelten Handy-Apps und Zubehör beliefert, die die Produktionsabläufe der Industriegiganten erleichtern.

Und Torsten Hansen von der Firma Lausitzer Klärtechnik skizzierte eine Eigenentwicklung, mit dem die Luckauer unlängst beim Deutschen Innovationspreis sogar Konkurrenten wie Audi und Airbus auf die Plätze verwiesen haben. „Auch Abwassertechnik kann und muss innovativ sein“, sagt der LKT-Forschungsleiter.

Mit Innovation zum internationalen Erfolg

Mit dem neuen Verfahren des Luckauer Mittelständlers lassen sich chronisch angegriffene Kleinkläranlagen aus Beton kostengünstig und dauerhaft sanieren. Dafür wird der rissige Beton mit einer Schicht Kunstharz versiegelt. Kunden aus Luckau und Umgebung profitieren bereits davon. Das Verfahren könnte der Firma aber auch in größerem Rahmen eine glänzende Zukunft bescheren: Laut Torsten Hansen gibt es allein Deutschlandweit rund 1,3 Millionen Betonschächte, die mittelfristig saniert werden müssen. LKT plant auch schon ein Werk in China.

Wirtschaftsförderer Gerhard Janßen, der die Veranstaltung moderierte, zeigte sich von der Qualität dieser Wirtschaftsleistung angetan. Er rechnete vor, dass allein in diesen Unternehmen 300 Menschen in hochbezahlten Jobs Arbeit finden. „Gerade das ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagte er. Es sei aber genauso wichtig, dass die Firmen auch eine Verankerung in der Region haben.

Tassima-Chef Roland Prejawa beim Forum Mittelstand in Zeuthen. Quelle: Oliver Fischer

Dass die Tassima AG von Roland Prejawa bisher im Landkreis noch unterm Radar fliegt, hat vor allem einen Grund. Das Unternehmen wird erst in diesem Jahr seine Produktionshalle in Ragow eröffnen. Bislang habe man nur einen Prototypen entwickelt, sagt Prejawa. Die passenden Batterien dafür müssen noch ersonnen werden. „Das wird ganz schön kompliziert, aber auch das schaffen wir.“

Dass sich die viele Arbeit lohnt, lasse sich jetzt schon absehen. Den mit der selbst entwickelten Technologie habe die Firma ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. Prejawa: „Das Interesse daran ist riesig. Stadtrundfahrten gibt es überall, und deshalb gehen bei uns schon jetzt Anfragen aus aller Welt ein.“ Gut möglich also, dass bald in New York, London oder Paris elektrische Busse

Von Oliver Fischer

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